Stephan Holthaus ist gegen "dubiose Zwangstherapien". Aber "seriöse Hilfsangebote" müssten sein dürfen
Stephan Holthaus ist gegen "dubiose Zwangstherapien". Aber "seriöse Hilfsangebote" müssten sein dürfen

De Facto-Streit: „Freiheit des Andersdenkenden nicht vergessen“

Stephan Holthaus, Leiter des Instituts für Ethik & Werte, hat auf einen Bericht der Sendung „De facto“ des Hessischen Rundfunks vom vergangenen Sonntag reagiert. Der Beitrag kritisiert die Offensive Junger Christen wegen deren Vermittlung von Therapien für Homosexuelle.

Holthaus erklärte zum Inhalt der Sendung: „In der ganzen Debatte steckt leider viel Ideologie. Was wäre eigentlich umgekehrt, wenn jemand seine heterosexuelle Orientierung als große seelische Last empfände und gerne homosexuell leben würde? Kein Mensch käme auf die Idee, ihm therapeutische Hilfe zu verweigern oder solche Angebote gar gerichtlich verbieten zu lassen. Umgekehrt gilt das etwa nicht?“

Dubiose Zwangstherapien seien klar abzulehnen. Aber seriöse Hilfsangebote für Menschen, die unter ihrer sexuellen Orientierung litten, müssten erlaubt sein. Genau das fordere das Institut der Offensive Junger Christen (OJC). „Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden. Das sollte eine Demokratie nicht vergessen, auch nicht die unsrige“, fügte Holthaus hinzu.

Der Kurzbeitrag der HR-Sendung „De facto“ mit dem Titel „Gefährliches Heilsversprechen – Wie religiöse Fundamentalisten Homosexuelle quälen“ thematisiert Heilungsversuche von Homosexualität. Unter anderem vermittle die OJC über das ihr zugehörige Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG) Therapien für Homosexuelle. Das Institut biete Bücher an, die Homosexualität als „Störung“ bezeichneten. Auf der Seite des Instituts seien Texte veröffentlicht, welche die Gleichheit und Anerkennung von Homosexuellen als gefährlich für die zukünftige Gesellschaft einstuften. Als Beispiel dafür, wozu Diskriminierung Homosexueller führen könne, zeigt der Beitrag Bilder aus Russland, auf denen Polizisten homosexuelle Aktivisten verhaften.

Therapien gehörten „unter Strafe gestellt“

Auch der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, übte Kritik an der HR-Sendung. „Ich finde es schlimm, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender anstelle von sachgerechter Information mit gezielten Falschbehauptungen Ideologien verbreitet und auch vor Verleumdungen nicht zurückschreckt“, erklärte er. Besonders die „raffiniert zugeschnittenen“ Verhaftungsbilder aus Russland hätten gezeigt, wie unsachgemäß die Sendung gewesen sei.

Die Ärztin Lieselotte Mahler von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN) erklärt im Beitrag, das Institut der OJC begründe seine Überzeugung mit unwissenschaftlichen Argumenten. Es sei eine Vermittlungsstelle für Therapien, „die ganz klar schaden“. Solche Therapien anzubieten sei „eine Menschenrechtsverletzung und gehört unter Strafe gestellt.“ Die Überzeugung, Homosexualität sei keine Krankheit, die therapierbar sei, vertrete auch der Weltärztebund, heißt es im HR-Beitrag. Ebenso wie Mahler sei dieser der Ansicht, wer entsprechende Therapien verteidige, verstoße gegen die ärztliche Ethik.

DIJG: Film suggeriert falsche Tatsachen

Das DIJG erklärte in einer offiziellen Stellungnahme am Dienstag: „Das Institut respektiert Würde, Autonomie und freien Willen jedes Menschen. Homosexuell empfindende Menschen haben das Recht, eine selbstbestimmte, homosexuelle Identität anzunehmen.“ Das Institut habe nie behauptet, dass Homosexuelle „Kranke“ seien. Eine Minderheit unter den Homosexuellen erlebe ihre homosexuellen Gefühle als nicht zu ihnen gehörend (ichdyston), weshalb diese sich eine Therapie wünschten.

Die Bilder russischer Festnahmen suggerierten, „dass unser Engagement für Menschen mit ichdystoner Homosexualität zur Verfolgung von Schwulen und Lesben führe.“ Dies sei eine bösartige Unterstellung.

Konstantin Mascher, Prior des OJC, bezeichnete den Beitrag des HR als „perfide, polarisierend und verleumderisch“. Er teilte mit, dass der Beitrag einer sachlichen Berichterstattung entbehre.

Bereits im vergangenen Jahr war der „Offensive Junger Christen“ vom hessischen Grünen-Abgeordneten Kai Klose Diskriminierung von Homosexuellen vorgeworfen worden. Der Verein wurde außerdem dafür kritisiert, dass er als anerkannter Träger für das Freiwillige Soziale Jahr Fördergelder vom Staat erhält (pro berichtete). Auch damals hatte die Organisation die Vorwürfe zurückgewiesen. (pro)

Von: sz

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