In Osnabrück fand im Januar die Konferenz "Salafismus in Deutschland" statt

Angst vor dem Pop-Dschihad?

Die Angst vor dem Salafismus ist weit verbreitet. Dabei gibt es bislang wenig empirische Studien zu dieser radikalen Form des Islam. Anlässlich einer Tagung über Salafismus in Deutschland, die vom 25. bis 26. Januar im Institut für Islamische Theologie Osnabrück stattfand, hat „Deutschlandradio Kultur“ Experten befragt.

Im Radio-Beitrag von Ita Niehaus warnen Experten davor, den Salafismus als eine einheitliche Bewegung zu sehen. Es existierten sehr unterschiedliche salafistische Strömungen: von den ganz frommen Gläubigen bis hin zu den gewaltbereiten Dschihadisten. Bülent Ucar, Direktor des Instituts für Islamische Theologie der Universität Osnabrück, meint, allen gemeinsam sei ein ausgeprägt apodiktisches Religionsverständnis. „Sie verstehen religiöse Quellen sehr wörtlich und einseitig. Ihre Grundanschauung orientiert sich an der Frühzeit des Islam.“ Empirische Untersuchungen über diese radikale islamische Richtung gebe es bisher in Deutschland nicht.

Dabei wächst die Salafisten-Szene. In Nordrhein-Westfalen soll sich die Zahl ihrer Anhänger im vergangenen Jahr verdoppelt haben. Bundesweit geht der Verfassungsschutz von rund 4.500 Salafisten aus. Wie viele davon gewaltbereit sind, kann man nur schätzen.

Ucar betont, dass die Salafisten eine kleine Minderheit innerhalb des Islams seien, und unter ihnen sei wiederum nur eine Minderheit gewaltbereit. Er sei jedoch dagegen, das Thema zu verharmlosen. Denn ein Anschlag zerstöre die Arbeit von 1.000 Dialogveranstaltungen im Nu. Und daher sind die größten Leidtragenden die religiösen Muslime in Deutschland, weil sie dadurch unter einen gewissen Generalverdacht kommen.“

Für viele Jugendliche sei der Salafismus attraktiv, weil er ihnen in ihrer Orientierungslosigkeit einfache Antworten biete. Er teile die Welt ein in Gut und Böse, in Richtig und Falsch. Die Berliner Extremismus-Expertin Claudia Dantschke sagt: „Inzwischen entsteht eine sogenannte dritte Generation, der Pop-Dschihad, das sind jetzt junge Erwachsene, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind.“

Der Salafismus beantworte Jugendlichen Fragen, und er schaffe Gemeinschaft. „Das heißt, die Motivation von Jugendlichen ist das Entscheidende und nur der geringere Teil ist religiös motiviert, da einzusteigen“, so Dantschke. Ihr sei es wichtig, nach der wahren Motivation der Jugendlichen zu schauen: „Gibt es zum Beispiel innerfamiliäre Konflikte, die bereinigt werden können oder wo liegt woanders der Grund dafür? Kann auch in der Schule sein.“ Experten sind sich einig, dass Salafismus nicht allein unter Sicherheitsaspekten zu betrachten sei, sondern als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. (pro)

Von: js

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