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Hälfte der Deutschen ist gegen Friedhofszwang

Was für eine Trauerfeier und welche Art von Bestattung wünschen sich die Menschen? Und denken sie oft an den eigenen Tod? Eine Umfrage zeigt, was die Erwachsenen in Deutschland dazu antworten.
Von dpa
Friedhof

Foto: Waldemar Brandt on unsplash

Viele Deutsche wünschen sich, Urnen nicht mehr auf Friedhöfen, sondern zu Hause aufzubewahren

Beim Blick auf den eigenen Tod geben sich 80 Prozent der Erwachsenen in Deutschland bescheiden. Das bringt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ans Licht. So sagen 21 Prozent, sie wollten überhaupt keine Trauerfeier für sich, 34 Prozent wünschten sich eine sehr kleine Trauerfeier nur im engsten Kreis. 25 Prozent würden eine eher kleine Totenfeier bevorzugen für Familie und Freunde. „Eher groß“ mit Familie, Freunden, Bekannten und Kollegen wünschen es sich sechs Prozent, „so groß wie möglich“ nur zwei Prozent.

Wenn es darum geht, wie es nach der immer populäreren Einäscherung weitergehen sollte, so spricht sich eine deutliche Mehrheit für eine Liberalisierung in Deutschland aus. 54 Prozent der Erwachsenen finden, es sollte erlaubt werden, Urnen zu Hause aufzubewahren.

31 Prozent meinen dagegen, es solle dabei bleiben, dass Urnen auf Friedhöfen begraben werden oder auf See bestattet werden müssen. Der Rest machte keine Angabe. Frauen sind eindeutiger (56 Prozent) für die Aufhebung des Friedhofzwangs als Männer (52 Prozent). Außerdem ist dies auch im Osten Deutschlands (61 Prozent) deutlich häufiger die Einstellung als im Westen (52 Prozent).

Erdbestattung unbeliebt

Beim Blick auf die Religionszugehörigkeit sind besonders viele Befürworter für Urnen im Privatbesitz bei den Konfessionslosen (63 Prozent) zu finden sowie bei Freikirchlern (54 Prozent). Unter den befragten Muslimen waren dagegen zum Beispiel nur 26 Prozent dafür.

Die früher übliche Erdbestattung ist überhaupt nicht mehr die bevorzugte Art, wenn Erwachsene in Deutschland zum eigenen Tod befragt werden. Lediglich 14 Prozent wünschen sich, im Sarg begraben zu werden. 35 Prozent nennen dagegen die Feuerbestattung, 7 Prozent eine Seebestattung, 5 Prozent die Körperspende an die Wissenschaft. 13 Prozent ist es angeblich egal, wie sie nach dem Tod behandelt werden. Der Rest machte keine Angabe oder nannte was anderes.

Das Verhältnis zu Friedhöfen ist ziemlich gespalten in Deutschland: So sagen 30 Prozent, dass sie Besuche dort vermeiden (9 Prozent „generell“, 21 Prozent „wenn möglich“). 20 Prozent dagegen besuchen Friedhöfe gern (davon 4 Prozent sogar „sehr gern“). 33 Prozent geben sich recht gleichgültig und wählten die Antwort „Ich verbinde weder positive noch negative Gefühle mit Besuchen auf Friedhöfen“. Der Rest machte keine Angabe oder gab an, sich damit nicht zu beschäftigen.

Auch mit der eigenen Sterblichkeit beschäftigen sich viele kaum oder ungern. Acht Prozent behaupteten, sich „nie“ gedanklich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen. „Gelegentlich“ an den Tod denken demnach 41 Prozent, „selten“ tun dies 27 Prozent. Sieben Prozent sagten dagegen, sie täten dies „sehr häufig“, 13 Prozent sagten „häufig“.

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8 Antworten

  1. Nur weiter so… Alles Hergebrachte über Bord werfen… Jede/r macht, was sie/er will.. Gräber in den Garten oder auf die Wiese…. Urne in die Kühltruhe… Wo soll das blos noch enden??

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  2. Was hier inbesondere deutlich wird ist ein rasanter Traditionsabbruch.
    Ist das denn tragisch?

    Es wird hier sichtbar, dass Wertvorstellungen, die noch vor einer Generation allgemein anerkannt waren, heute offensichtlich völlig verlorengegangen sind.
    Diese schnelle und weitgehende Entwurzelung, sogar bis hin zum nicht-mehr-Verstehen-können dieser Traditionen ist dramatisch.
    Kulturabbruch in nie gekanntem Ausmaß.

    Der Verlust an kulturellem Wissen ist tatsächlich überaus tragisch. Die Folgen lassen sich bisher insbesondere an marginalisierten Kulturen beobachten:
    > Die Kultur geht verloren, die eigene Identität ist dann nicht mehr lebbar, sagt Schellhammer. Es fehle ein “Bedeutungsgewebe”, etwas, an dem man sich festhalten kann, etwas, das Orientierung gibt im Leben.
    Identitätskonflikte entwickeln sich, das Gefühl, nicht vollwertig zu sein. Dann kommen die Gegenreaktion, die “-ismen” sagt Schellhammer dazu< z.B. Extremismus, Ideologien, Süchte.
    https://www.sueddeutsche.de/muenchen/hochschule-jesuiten-professorin-inuit-1.4289269-2

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  3. Ich bin sehr dafür, alt hergebrachtes zu bewahren wenn es weiterhin Sinn macht. Aber die deutsche Friedhofspflicht ist mit sehr viel Geldmacherei verbunden, eigentlich geht es nur um Regularien und Gebühren. Und wem nutzt ein teures Grab ? Wenn die eigenen Kinder in alle Richtungen verstreut sind, ist Grabpflege etc. nur Ballast – teurer Ballast. Zum Trauern gibt es genug andere Möglichkeiten und Plätze. Das klappt doch in anderen Ländern auch. Jedenfalls hoffe ich auf ein Umdenken der Politik und das möglichst bald.

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    1. Tja kann man da wohl sagen, ab in die Urne mit der Asche des Verstorbenen,
      und beim nächsten Umzug einfach mitnehmen ! Vielleicht gibt es demnächst ähnlich wie mobile Garten Grills auch mobile Urnenständer, umrankelt, begrünt , bemoost mit Minikreuz und Abends noch mit Beleuchtung.

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  4. Ich halte gerne an alt hergebrachten Werten und christlicher Tradition fest.
    Wenn, wie bei der Friedhofspflicht, allerdings die Kosten immer mehr in den Vordergrund rücken und für viele Menschen, eine Beerdigung und Grabstätte kaum bezahlbar ist, ist ein Umdenken an der Zeit.
    Es gibt viele Orte wo man als Angehörige trauern kann, das muss kein Friedhof sein.
    Wem würde es denn schaden, wenn die Urne mit Omas Asche im gepflegten heimischen Garten verstreut werden dürfte, wo sie sich zu Lebzeiten so gerne aufgehalten hat ?
    Zudem ist unsere Gesellschaft immer mobiler geworden, Kinder ziehen aus der Heimat weg um gute Arbeit zu finden.
    Hilft da jemandem das Festhalten an starren Mustern ?

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  5. Es wird höchste Zeit für eine Liberalisierung. Wir leben heute in einer pluralistische Gesellschaft mit vielfältigen Weltanschauungen. Wenn man heute sogar offiziell sein Geschlecht wechseln kann, sollte es doch auch möglich sein, seine Angehörigen so zu bestatten wie es die Hinterbliebenen wünschen und für richtig erachten. Respekt vor Religionen ist keine Einbahnstraße, religiöse Menschen sollten auch Respekt vor Menschen mit anderen Weltanschauungen haben.

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  6. Es kann auch andere Gründe geben, die geld – und praxisbezogen sind. Wer will denn sich noch so teuere Bestattungen leisten und wer verdient daran? Und der Gräberkult? Natürlich ist es gruselig für mich, eine Urne auf dem Kaminsims zu haben und wo sonst. Da muss es schon Grenzen geben. Dass das Ende eines Menschen nicht so erschwinglich ist wie bei der Geburt, bedaure ich immer.

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  7. Mein Vater möchte vor seinem Tod alles geregelt haben und vor allem die Seebestattung planen. Es ist wirklich interessant zu lesen, dass mittlerweile sehr viele Menschen alternative Bestattungsformen bevorzugen. Die Idee mit der Urne für zu Hause hatten wir auch schon. Vielleicht gibt es ja in den nächsten Jahren noch Änderungen und ich kann nach dem Tod meines Vaters einen kleinen Teil seiner Asche bei mir zu Hause in einer Urne aufbewahren, vor allem da wir nach der Seebestattung kein klassisches Grab haben. Hier habe ich auch noch Informationen gefunden: https://www.bestattungen-lenz.de/halstenbek

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