Gerade einmal acht Personen passen in die „kleinste Kirche der Welt“ in Südafrika. Da muss die Gemeinde in Corona-Zeiten improvisieren.

Gerade einmal acht Personen passen in die „kleinste Kirche der Welt“ in Südafrika. Da muss die Gemeinde in Corona-Zeiten improvisieren.

Zwangsnähe in „kleinster Kirche der Welt“ bremst Weihnachtsmesse aus

Die „kleinste Kirche der Welt“ ist schnell überfüllt - nicht nur zur Weihnachtsmesse. Doch mit Corona kam Social Distancing. Das macht die Kirche zum denkbar ungünstigsten Ort für besinnliches Beisammensein. Eine kleine Gemeinde in Südafrikas Drakensbergen muss improvisieren.

Panoramablick und Corona-Dilemma: Am Van-Reenen-Pass in Südafrikas malerischen Drakensbergen bereitet sich eine der weltweit wohl ungewöhnlichsten Kirchengemeinden auf den Weihnachtsgottesdienst vor. „Besuchen Sie die kleinste Kirche der Welt“, wirbt ein Hinweisschild an der nahe gelegenen Autobahn zwischen Johannesburg und Durban. Auf einem 15 mal 15 Meter großen Grundstück steht ein Gotteshaus, das eher wie die Modell-Version einer Kirche wirkt. „Wir haben das Problem, dass die Leute darin jetzt zu eng beinander sitzen“, seufzt Malcolm Drummond.

Kein Wunder: Ein für acht Gläubige konzipiertes Kirchenschiff ist in Corona-Zeiten eben alles andere als abstandsregelkonform und schnell überfüllt. Drummond gehört zu der kleinen gemischten Glaubensgemeinde aus dem Umkreis, die sich jeden Sonntag in der katholisch geweihten, denkmalgeschützten Llandaff-Kirche trifft. Ein Farmer aus Harrismith sorgt als Gitarre-spielender Laien-Prediger für Musik: „Eine Orgel passt da ja nicht rein“, lacht Drummond. Kuschelig war's bisher da drinnen, sagt er - man kam sich automatisch schnell näher: „Je nachdem, wie dünn die Leute sind, bekamen wir sogar 16 Menschen in das Kirchenschiff - auch wenn es nur für acht ausgelegt war.“

Die Zahl ist eng mit der Ursprungsgeschichte der Kirche verknüpft. Gebaut wurde sie 1925 von einem exzentrischen Waliser in Erinnerung an seinen Sohn. Der hatte bei einem Bergwerksunglück acht Kumpel gerettet, bevor er selbst dann bei einem erneuten Rettungsversuch ums Leben kam. Die ursprüngliche Sitzkapazität erinnerte an die acht Geretteten. „Ich habe die Sitze durch Bänke ersetzt, um die Kapazität zu verdoppeln“, sagt Eigentümerin Geraldine Johnson, die nach eigenen Angaben ein sehr emotionales Verhältnis zu dem Gebäude hat. „Es ist Gottes Gebäude, ich bin da nur die Verwalterin“, sagt sie bescheiden.

Nach dem Tod des Erbauers ging die Mini-Kirche zunächst ins Eigentum eines benachbarten Hotelbesitzers über und gelangte dann über mehrere Besitzerwechsel ins Eigentum von Geraldines Mutter, die ihrer Tochter das Mini-Grundstück dann vermachte. Diese erwarb gleich noch eine nicht mehr genutzte protestantische Kirche auf dem Nachbargrundstück dazu. Das in Form eines Farmhauses errichtete Gebäude funktionierte sie zu einer Art Restaurant um, das mit seinem Teegarten Durchreisenden einen spektakulären Bergblick gratis serviert. Damit schuf sie einen einzigartigen Ort der Begegnung, den viele Gäste wertschätzen.

Weihnachts-Gottesdienst im Teegarten

„Viele Durchreisende verbinden ihre Rast mit einem Kirchenbesuch nebenan“, hat Geraldine beobachtet. Vor allem seit dem Ende des im März verhängten harten Lockdowns in Südafrika habe das stark zugenommen - der Teegarten neben der Kirche schafft gerade auch in Corona-Zeiten ideale Voraussetzungen für eine kurze Open-Air-Rast.

Diese Kombination dürfte jetzt auch den Weihnachts-Gottesdienst der kleinen Van-Reenen-Gemeinde retten. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit, soll er nun im Freien abgehalten werden - im Teegarten, unter alten Bäumen. Immerhin passt die Jahreszeit: Auf der Südhalbkugel ist jetzt Sommer. Bei der Gemeinde keimt derweil Hoffnung auf, dass dank des Impfstoffes die Abstands- und Kontaktbeschränkungen bald aufgehoben werden könnten - und man sich beim Gottesdienst auch in der Kirche wieder nahe kommen darf. Vorausgesetzt, frühzeitiges Erscheinen hat dann einen der begehrten wenigen Plätze in dem Gotteshaus gesichert, das für sich den Superlativ der weltweit kleinsten Kirche in Anspruch nimmt.

Von: epd

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