Unter dem Schlagwort „Je suis Charlie“ zeigten Menschen weltweit ihre Solidarität mit den Opfern der Anschläge

Unter dem Schlagwort „Je suis Charlie“ zeigten Menschen weltweit ihre Solidarität mit den Opfern der Anschläge

Terrorattacke auf „Charlie Hebdo“ wird vor Gericht verhandelt

Die Terrorgefahr in Frankreich ist immer noch hoch - angesichts der Corona-Pandemie wird aber weniger darüber gesprochen. Das könnte sich mit dem großen Prozess um eine verheerende Anschlagsserie ändern.

Vor gut fünfeinhalb Jahren erschütterte der islamistische Terroranschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ ganz Frankreich und löste weltweite Schockwellen aus. Am (heutigen) Mittwoch um zehn Uhr beginnt nun in Paris der Strafprozess gegen mutmaßliche Helfer. Vor einem Schwurgericht wird eine mehrtägige Anschlagsserie aufgerollt, bei der im Januar 2015 insgesamt 17 Menschen getötet wurden. Die drei Täter wurden von Sicherheitskräften erschossen.

Die Anschläge erregten damals enormes Aufsehen. Eine Welle der Solidarität unter dem Schlagwort „Je suis Charlie“ („Ich bin Charlie“) prägte die Zeit danach. Angeklagt sind 14 Menschen, vor allem wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Sie halfen bei der Vorbereitung der Angriffe, besorgten beispielsweise Waffen oder stellten eine Unterkunft zur Verfügung, wie der Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard dem Radionachrichtensender Franceinfo sagte. Nach drei der Angeklagten wird immer noch gefahndet - ob sie noch leben, ist unklar.

Es ist der erste große Prozess um die verheerenden islamistischen Terroranschläge, die Frankreich 2015 und 2016 tief erschütterten. „Das wird schwierig, das wird mühsam“, kündigte Chefermittler Ricard an. Innenminister Gérald Darmanin nannte das Gerichtsverfahren, das bis Mitte November dauern soll, historisch. Der Prozess soll wegen seiner Bedeutung gefilmt werden. Bei islamistisch motivierten Terrorakten kamen im Land bisher mehr als 250 Menschen ums Leben. Zu den Anschlägen auf die Konzerthalle Bataclan und Restaurants im Pariser Osten vom Herbst 2015 - dabei starben 130 Menschen - wird es einen weiteren Prozess geben.

Magazin will wieder Mohammed-Karikaturen veröffentlichen

Der Prozess um „Charlie Hebdo“ sollte bereits im Mai beginnen, wurde dann aber wegen der Corona-Epidemie verschoben. Im Gerichtsgebäude wurden laut Medien die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Es gibt rund 200 Nebenkläger, über 140 Zeugen sollen aufgerufen werden, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.

„Charlie Hebdo“ kündigte an, bereits früher veröffentlichte Mohammed-Karikaturen auf das Titelblatt der neuen Ausgabe zu heben. Diese wird am Mittwoch zum Prozessauftakt an den Kiosk kommen. Mohammed-Karikaturen galten als Hintergrund der Attacke auf die Redaktion. Bei dem Anschlag waren zwölf Menschen gestorben, unter ihnen bekannte Zeichner wie Stéphane Charbonnier (Charb) oder Jean Cabut (Cabu). Die Täter, die Brüder Chérif und Said Kouachi, wurden nach Tagen auf der Flucht erschossen.

Der Islamist Amedy Coulibaly erschoss am Tag nach dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ eine Polizistin im Süden von Paris und tötete am Tag darauf vier Geiseln in einem koscheren Supermarkt im Osten der Hauptstadt, bevor er selbst bei der Erstürmung des Gebäudes erschossen wurde.

Nach den Attacken gingen Millionen Menschen überall in Frankreich auf die Straßen. In Paris gab es einen Marsch mit Staats- und Regierungschefs, angeführt von damaligen Staatspräsidenten François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Von: dpa

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