Die Familienbibel von Hendrik Witbooi soll als nationales Kulturgut an Namibia zurückgegeben werden

Die Familienbibel von Hendrik Witbooi soll als nationales Kulturgut an Namibia zurückgegeben werden

Historische Bibel soll nach Namibia zurückkehren

Baden-Württemberg will eine geschichtsträchtige Bibel an Namibia zurück geben. Bei dem Buch handelt es sich um die Bibel von Hendrik Witbooi, der in dem Land als Nationalheld gilt.

Das Land Baden-Württemberg will ein historisches Kulturgut an Namibia zurück geben. Bei dem Buch handelt es sich um die Bibel von Hendrik Witbooi, der in dem Land als ein Nationalheld gilt. Die Bibel war in der Kolonialzeit geraubt worden und befindet sich derzeit im völkerkundlichen Linden-Museum in Stuttgart. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vom Dienstag ist mit Namibia eine Rückgabe im Frühjahr vereinbart worden. Die württembergische Landesregierung bereitet demnach eine rechtliche Grundlage vor, die bald vom grün-schwarzen Kabinett beschlossen werden soll.

Witbooi war während der deutschen Kolonialzeit in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, Anführer der Volksgruppe der Nama. Witbooi unterhielt ausgeprägte Kontakte zur Rheinischen Missionsgesellschaft, ließ sich vor 150 Jahren von einem ihrer Missionare taufen und war um 1875 Ältester einer Kirchengemeinde. Seine private Bibel wurde vermutlich 1893 bei einem Angriff deutscher Truppen auf Witboois und seine Gefolgsleute erbeutet.

Die Direktorin des Bibelmuseums Stuttgart und Leiterin der Württembergischen Bibelgesellschaft, Franziska Stocker-Schwarz, begrüßt die geplante Rückgabe der Bibel an Namibia. „Die Bibel enthält die Botschaft von Versöhnung und Vergebung. Daher freue ich mich, wenn es über die Rückgabe einer Bibel zur Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte kommt", erklärte Stocker-Schwarz auf Anfrage. Wenn zu einer Bibel ein persönlicher Bezug bestehe, werde „die Botschaft des Buchs der Bücher eher zu Herzen genommen", erklärte Stocker-Schwarz. „Daher wünsche ich mir die Bibel auch in noch mehr ethnischen Einzelsprachen in Namibia." Bislang sei die Bibel in 674 von 7.100 lebenden Sprachen übersetzt.

Deutsche Truppen töteten Frauen und Kinder

Die Deutschen sahen in Witbooi, der sich einem Schutzvertrag mit und der Heerfolge gegenüber den Kolonialherren verweigerte, eine Gefahr für die Weiterführung ihrer Kolonialpläne in Südwestafrika. Daher beschlossen sie, dessen Einfluss und Macht mit Gewalt zu brechen. Deutsche Truppen überfielen am 12. April 1893 das Namalager in Hornkranz. Witbooi gelang es, mit seinen Kriegern zu fliehen, ließ aber Frauen und Kinder zurück, die im Kugelhagel der Deutschen getötet wurden. Witbooi konnte sich über ein Jahr lang vor den deutschen Truppen verbergen oder weiteren Angriffen entkommen und griff seinerseits deutsche Posten und Farmer an. Erst 1894 konnten die Deutschen Witbooi zu Verhandlungen und der Unterzeichnung eines Schutzvertrages zwingen. Die Deutschen hatten bei den vorhergehenden Gefechten hohe Verluste hinnehmen müssen, verzichteten aber auf die endgültige Vernichtung des Gegners.

Die Bibel des Afrikaners gelangte schließlich als Schenkung an das staatliche Linden-Museum, dessen Mitträger die Stadt Stuttgart ist. Namibia hat bereits vor längerer Zeit um die Rückgabe gebeten. Nach Angaben von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) soll die Rückgabe der Gegenstände mit Projekten zur Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte verbunden werden.

Ob bestimmte in der Kolonialzeit geraubte Kulturgüter zurückgegeben werden sollen oder nicht, ist noch unklar. Allein das Linden-Museum umfasst rund 160.000 Objekte von denen etwa 25.400 aus den früheren Kolonialgebieten im heutigen Namibia, Kamerun und des Bismarck-Archipels stammen.

Von: dpa/Norbert Schäfer

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