Costa Rica gilt als eines der sichersten und stabilsten Länder Mittelamerikas

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Christlicher Sänger könnte Präsident werden

Ein Urteil zur Homo-Ehe versetzte Costa Rica in den vergangenen Wochen in Aufruhr. Davon konnte der evangelikale Sänger Fabricio Alvarado bei seiner Kandidatur um das Präsidentenamt profitieren. Er geht als Spitzenreiter der ersten Wahlrunde in die Stichwahl.

Es wird eine Wahl zwischen zwei Kandidaten gleichen Namens, die aber unterschiedlicher kaum sein könnten: Beflügelt von einer kontrovers geführten gesellschaftlichen Debatte um die Homo-Ehe hat der evangelikale Aktivist Fabricio Alvarado den ersten Durchgang der Präsidentenwahl in Costa Rica gewonnen. Er muss allerdings am 1. April in einer Stichwahl gegen den Regierungskandidaten Carlos Alvarado antreten – einen Hobby-Rocksänger, der für liberale Positionen in gesellschaftlichen Fragen steht.

Nach Auszählung von über 86 Prozent der abgegebenen Stimmen lag der christliche Wahlsieger mit 24,79 Prozent vorne, der Zweitplatzierte erhielt 21,76 Prozent, wie das Wahlamt am Sonntagabend (Ortszeit) mitteilte. Die Tendenz galt als unumkehrbar.

Der Wahlerfolg von Fabricio Alvarado zeichnete sich erst mit einem kometenhaften Aufstieg im Endspurt des Wahlkampfs ab, nachdem ein Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte für Aufruhr in dem konservativen Land gesorgt hatte. Das Tribunal verpflichtete jüngst alle Mitgliedstaaten zur Garantie der Rechte von Homo- und Transsexuellen. Alvarado machte sich die Empörung über die Anordnung, gleichgeschlechtliche Ehen zuzulassen, zunutze.

Familie stärken

„Costa Rica hat den Politikern deutlich gesagt: Legt euch nie wieder mit der Familie und mit unseren Kindern an“, sagte er nach Wahl. Eine „Bewegung der Wert“ habe gewonnen. Der 43-Jährige ist Mitglied der erst von wenigen Jahren gegründeten strengkonservativen Partei Restauración Nacional (Nationale Restauration). Seine Kritiker sehen ihn als religiösen Fundamentalisten. Er selbst strebt eine Veränderung der Gesellschaft auf der Basis christlicher Ethik an. Vor allem die Familie wolle er stärken, sie sei der Kern der Gesellschaft, heißt es in seinem Wahlprogramm.

Alvarado ist Journalist, 2003 begann er eine Karriere als Sänger und hat seitdem mehrere Alben veröffentlicht. In den vergangenen vier Jahren saß er als Abgeordneter im costa-ricanischen Kongress. Er sei der erste evangelische Christ, der so nah an das höchste Staatsamt des Landes gekommen sei, schreibt die Nachrichtenseite protestantedigital.com. Die Kirchen hätten maßgeblichen Einfluss auf den Wahlerfolg Alvarados gehabt, indem sie zum Gebet und zur Verteidigung der traditionellen Familie aufgerufen hätten.

Gegner will Homo-Ehe einführen

Sein Gegner ist erst 38 Jahre alt und war bis 2017 Arbeitsminister. Er will das Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs zur Homo-Ehe umsetzen. Verwandt sind die beiden Kontrahenten gleichen Namens nicht.

Costa Rica galt bislang als Anker der Stabilität in der Region. Im Vergleich zu den Nachbarstaaten ist die Kriminalität niedrig, die „Schweiz Mittelamerikas“ ist auch regionaler Vorreiter bei der Nutzung erneuerbarer Energien. Zuletzt war das Land aber auch von einem schweren Korruptionsskandal erschüttert worden. Zahlreiche Politiker und Beamte sind in die „Cementazo“-Affäre um einen millionenschweren Kredit an einen Zementhändler verwickelt. Auch das hohe Haushaltsdefizit wurde zu einem zentralen Thema des Wahlkampfes.

Rund 3,3 Millionen Wahlberechtigte waren am Sonntag zudem aufgerufen, auch die 57 Abgeordneten des Parlaments für die kommenden vier Jahre zu wählen. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 68 Prozent.

Von: Jonathan Steinert/dpa

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