Christen im syrischen Afrin beim Gebet: Viele von ihnen sind bereits aus anderen Regionen des Landes geflohen und fürchten nun erneute Angriffe – auch durch Islamisten, die die türkische Armee unterstützen

Christen im syrischen Afrin beim Gebet: Viele von ihnen sind bereits aus anderen Regionen des Landes geflohen und fürchten nun erneute Angriffe – auch durch Islamisten, die die türkische Armee unterstützen

Türkischer Einmarsch bedroht Christen

Vertreter verschiedener Menschenrechtsorganisationen haben den Angriff islamistischer Kämpfer und Soldaten der türkischen Armee auf die syrische Region Afrin scharf verurteilt. Die Experten fürchten einen Exodus der dortigen Christen. Auch eine Gemeinde vor Ort hat sich mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit gewandt.

Experten verschiedener Hilfsorganisationen sind besorgt über die Lage der Christen in der syrischen Region Afrin nahe der türkischen Grenze. Der Ort ist betroffen vom jüngsten Einmarsch türkischer Truppen nach Syrien. Wie Menschenrechtler in dieser Woche erklärten, kämpfen an der Seite der türkischen Soldaten auch islamistische Gruppen. Diese könnten die dortigen Christen zum Religionswechsel und damit auch zur Flucht zwingen.

Die Christen werden am meisten leiden

Auf Anfrage von pro erklärte ein Experte und Partner der christlichen Hilfsorganisation Open Doors im Nahen Osten und Nordafrika dazu: „Die Christen werden diejenigen sein, die am meisten leiden, wenn die türkische Armee und ihre Unterstützer das Gebiet erobern. Die Streitkräfte werden die Region von all jenen Gläubigen säubern, die nicht der Mehrheitsreligion, dem Islam, angehören. Viele Christen und Jesiden werden fliehen müssen und ihre Häuser und Zuhause aufgeben." Dies betreffe auch Christen, die schon aus Aleppo in den Norden hätten fliehen müssen. Bisher seien die rund 3.000 bis 4.000 Christen im kurdischen Hoheitsgebiet Afrin weitgehend sicher gewesen.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) sprach bei einer Pressekonferenz am Donnerstag von rund 5.000 Soldaten der sogenannten Freien Syrischen Armee (FSA) und der türkischen Streitkräfte in der Region. Bisher wurde Afrin von der syrischen Kurdenmiliz YPG kontrolliert. Diese mit der PKK verbundene Gruppe stuft die Türkei als terroristische Organisation ein.

IGFM-Sprecher Martin Lessenthin (Mitte) verurteilte mit mehreren Vertretern anderer Menschenrechtsorganisationen den Angriff türkischer Soldaten auf die syrische Region Afrin

IGFM-Sprecher Martin Lessenthin (Mitte) verurteilte mit mehreren Vertretern anderer Menschenrechtsorganisationen den Angriff türkischer Soldaten auf die syrische Region Afrin

Laut dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan dient die Truppe der Verteidigung. Die IGFM indes urteilt: „Die Wirklichkeit sieht anders aus: Erdoğan führt einen Angriffskrieg. Ihm geht es um eine totale Kontrolle der Kurden sowie die Ausschaltung ihrer Selbstverwaltung in Syrien.“ Es gebe Zehntausende Zivilisten, die vor den Söldnern fliehen, unter ihnen auch viele Christen.

IGFM-Sprecher Martin Lessenthin erklärte dazu: „Erdoğan beseitigt keine Fluchtursachen, sondern er schafft unendlich viele neue.“ Der Angriff könnte sich auf weitere von Kurden bewohnte Gebiete ausweiten, etwa auf das nordirakische Shingal-Gebiet, warnen die Experten aus Frankfurt.

Problem auch für Deutschland

Kamal Sido, Nahost-Referent der „Gesellschaft für bedrohte Völker“, nannte das Vorgehen der türkischen Armee ein „Kriegsverbrechen“ und forderte: „Die Luftwaffe muss sofort mit den Angriffen aufhören!“ Seit 13 Tagen gehe die türkische Regierung zusammen mit Radikalislamisten gegen die Region vor, sagte Sido. An manchen Tagen seien über 70 Kampfflugzeuge in der Luft gewesen. Über die genaue Zahl der bisherigen Opfer gebe es keine Angaben, doch schätze man 70 Tote unter den Zivilisten. Sido bedauerte, dass die landwirtschaftliche Region Afrin mit vielen Olivenhainen nun zerstört und dadurch auch der Lebensunterhalt der Bewohner nachhaltig beschädigt werde. „Es leben dort Jesiden, Aleviten und moderate Sunniten, und sie sind den Islamisten verhasst, daher haben sie Angst“, sagte Sido.

Vasilis Pavegos vom Bundesverband der Griechischen Gemeinden (OEK) wies darauf hin, dass der Angriff in Syrien auch Konsequenzen für Deutschland habe. Die türkische Regierung mische sich in die Angelegenheiten eines fremden Staates ein, „und der Arm des türkischen States ist lang“, so Pavegos. Viele Organisationen auch in Deutschland würden aus der Türkei mitfinanziert, etwa DITIB, Milli Görüs [vgl. GEGENDARSTELLUNG] oder die Rockerbande „Die Osmanen“, meint Pavegos. Er sagte: „Die NATO wäre gut beraten, sich einzusetzen, um einen illegalen Angriffskrieg zu unterbinden. Wir fordern von der deutschen Regierung ein klares Statement für die Menschenrechte! Wenn wir in Syrien nichts unternehmen, werden wir die Konsequenzen auch hierzulande zu spüren bekommen. Das sage ich auch als Christ.“

Hilferuf aus Afrin

Über Open Doors hat die pro-Redaktion zudem ein Hilferuf erreicht. Die Kirche des Guten Hirten in Afrin-Stadt schreibt in einem Brief: „Wir erbitten umgehenden internationalen Schutz für die Gläubigen von Afrin und ein Ende der türkischen Bombenangriffe. In diesem Moment wird die ganze Gegend stark bombardiert und islamistische militante Gruppen drohen den Kurden, in die Region einzudringen. Als Kirche bitten wir zunächst den Herrn und dann unsere Geschwister um Gebet und Hilfe."

Von: Anna Lutz und Jörn Schumacher

 

Gegendarstellung

Im Christlichen Medienmagazin pro vom 02.02.2018 wird unter der Überschrift „Türkischer Einmarsch bedroht Christen“ Vasilis Pavegos zitiert mit „viele Organisationen auch in Deutschland würden aus der Türkei mitfinanziert, etwa Milli Görüs“

Hierzu stellen wir fest:

Unsere Organisation wird nicht aus der Türkei mitfinanziert.

Köln, den 07.02.2018

IGMG Islamische Gemeinschaft Milli Görüs e. V.

Bekir Altas
Generalsekretär

Kemal Ergün
1. Vorsitzender

 

Anmerkung der Redaktion: Laut § 56 RStV sind wir gesetzlich verpflichtet, diese Gegendarstellung ohne Rücksicht auf den Wahrheitsgehalt abzudrucken. Eine inhaltliche Stellungnahme behalten wir uns vor.

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