In einer Kirche in Sutherland Springs im US-Bundesstaat Texas erschoss ein Attentäter 26 Menschen (Symbolbild)

In einer Kirche in Sutherland Springs im US-Bundesstaat Texas erschoss ein Attentäter 26 Menschen (Symbolbild)

„Gewalt und die Waffen reduzieren“

Wieder werden die USA von einem Massaker erschüttert. Ein Mann eröffnet in einer Kirche in Texas das Feuer, er tötet 26 Menschen. Die kleine Gemeinde trauert. Ex-US-Präsident Barack Obama forderte erneut eine Änderung der Waffengesetzgebung.

Pastor Frank Pomeroy ist an diesem Sonntag nicht in der Kirche. Aber seine 14-jährige Tochter sitzt im Gottesdienst. Es ist Mittag in Sutherland Springs im US-Bundesstaat Texas. Draußen steigt in diesem Moment ein Mann aus einem Auto. Er ist ganz in schwarz gekleidet, trägt eine kugelsichere Weste. In seiner Hand hält er ein Gewehr. Er schießt. Dann betritt er das Gotteshaus. Er schießt weiter. Mindestens 26 Menschen sterben. Zahlreiche weitere werden verletzt. Das jüngste Opfer ist fünf Jahre alt, das älteste 72.

Wieder werden die USA von einem Massaker erschüttert. Erst einen Monat ist es her, dass der 64-jährige Stephen Paddock in Las Vegas aus seinem Hotelzimmer das Feuer auf die Besucher eines gegenüberliegenden Festivals eröffnete und 58 Menschen tötete.

Wenige Stunden nach der Bluttat am Sonntag fasst Greg Abbott, der Gouverneur von Texas, gemeinsam mit den Ermittlern die ersten

Erkenntnisse zusammen. Gegen 11.20 Uhr Ortszeit wurde der Täter demnach an einer nahen Tankstelle gesehen. Wenige Minuten später begann er zu schießen.

Täter wurde 2012 von einem Militärgericht verurteilt

Ein Anwohner hörte die Schüsse und schnappte sich seine eigene Waffe. Als der Täter die Kirche verließ, nahm er die Verfolgungsjagd auf. Der Verdächtige wurde wenig später tot in seinem Auto gefunden. Es ist unklar, ob er sich selbst tötete oder von Schüssen des Anwohners getroffen wurde. Justizbeamte identifizierten den Täter als den 26-jährigen Devin Patrick Kelley aus dem benachbarten Comal County, wie der US-Sender NBC berichtete. Das Motiv gibt noch Rätsel auf.

Eine Sprecherin der US-Luftwaffe sagte dem Sender NBC, ein Militärgericht habe den heute 26-jährigen Mann im Jahr 2012 wegen Angriffen auf seine Frau und das gemeinsame Kind verurteilt. Zwei Jahre später sei er aus der Luftwaffe entlassen worden. Kelleys Onkel sagte laut NBC: „Ich hätte niemals gedacht, dass Devin zu solchen Dingen in der Lage wäre (...) Meine Familie wird wegen seiner feigen Tat leiden (...) Es tut mir so leid um die Opfer von Texas.“

Abbott ringt sichtlich um Fassung, während er vor den Journalisten spricht. „Es sind so viele Familien, die Angehörige verloren haben“, sagt er. „Vater, Mütter, Söhne und Töchter.“

Sutherland Springs ist ein kleiner Ort, der gut 50 Kilometer südöstlich von San Antonio liegt. Gerade einmal mehrere 100 Menschen leben hier. Jeder kenne jeden, sagt die Einwohnerin Carrie Matula dem Sender MSNBC. Was am Sonntag geschehen sei, treffe damit alle. Es gibt hier nicht viel, nicht einmal eine eigene Feuerwehr hat der Ort. Die First Baptist Church, ein weißes Gebäude, ist das Zentrum der kleinen Gemeinde. Im Durchschnitt besuchen 50 Menschen den Gottesdienst, heißt es.

Jeden Sonntag verbreitet die Kirche ein Video von der Predigt im Internet. Man kann sich die Aufnahmen auf YouTube anschauen. Gemeindemitglieder singen darin christliche Lieder zu Gitarrenmusik. Im Video aus der vergangenen Woche erklärt Pastor Pomeroy, warum er ein Motorrad in der Kirche geparkt hat. Er sagt, er habe erklären wollen, wie man Vertrauen in Kräfte haben kann, die man nicht sieht. Wie beim Motorradfahren, wenn man sich in eine Kurve legt und auf die Gravitationskräfte vertraut. Das mache vielleicht keinen Sinn. Aber ebenso müsse man auch auf Gott vertrauen. Zu den Todesopfern zählt auch die 14-jährige Tochter des Pastors der Gemeinde, Annabelle Pomeroy.

Das Blutbad in der kleinen Gemeinde Sutherland Springs, nur wenige Wochen nach dem Massaker in Las Vegas mit 58 Toten und wenige Tage nach der jüngsten Terrorattacke in New York mit acht Todesopfern, löste neues Entsetzen und erneut eine Debatte über die Waffengesetzgebung in den USA aus. Ex-Präsident Barack Obama twitterte: „Wir trauern mit allen Familien in Sutherland Springs, die von diesem Akt des Hasses getroffen wurden (...).“ Zugleich sprach er sich – wie bereits während seiner Amtszeit – für schärfere Waffengesetze aus. „Möge Gott uns allen die Weisheit geben, um zu fragen, welche konkreten Schritte wir unternehmen können, um die Gewalt und die Waffen unter uns zu reduzieren.“

US-Präsident Donald Trump sagte während seiner Asien-Reise auf die Frage, ob eine Änderung des Waffenrechts anstehe, die USA hätten ein großes Problem mit psychischer Gesundheit. Das Massaker von Texas sei ein sehr, sehr trauriges Ereignis: „Wer hätte jemals gedacht, dass so etwas passieren kann.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte die tödlichen Schüsse von Texas als „furchtbare Gewalttat“. „Wir sind in Gedanken bei unseren amerikanischen Freunden“, sagte er.

Von: dpa

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