Eine bekannte Werbekampagne für Atheismus. In Belgien haben sich Forscher mit der Toleranz von Atheisten und Gläubigen befasst. (Archivbild)

Eine bekannte Werbekampagne für Atheismus. In Belgien haben sich Forscher mit der Toleranz von Atheisten und Gläubigen befasst. (Archivbild)

Atheisten weniger tolerant als Gläubige?

Sind Atheisten weniger tolerant als gläubige Menschen? Eine Studie aus Belgien liefert dafür Indizien.

Sind Menschen, die sich in Fragen nach Gott auf keine eindeutige Antwort festlegen wollen, im Leben toleranter gegenüber anderen Ansichten? Immerhin verweisen Agnostiker und Atheisten auf mangelnde Beweise des Göttlichen und werden so oftmals als unvoreingenommener wahrgenommen. Obwohl überzeugte Atheisten und überzeugt religiöse Menschen die Position des jeweils anderen gleichermaßen ablehnen, sind es in der allgemeinen Öffentlichkeit und auch in der Religionspsychologie üblicherweise die Religiösen, die für weniger tolerant gehalten werden, erklärte der Wissenschaftler Filip Uzarevic laut des britischen Independent.

Das Zentrum für Religionspsychologie der katholischen Universität Leuven in Belgien hat für eine Untersuchung zum Thema 788 Erwachsene aus mehreren europäischen Staaten zu ihren Einstellungen befragt. Zuerst wollten die Forscher wissen, wie überzeugt die Menschen von der Wahrheit ihrer Weltsicht waren, worauf Gläubige eine stärkere Glaubensüberzeugung angaben als Befragte, die keiner Konfession angehören.

Danach wurden den Testpersonen zwei einander widersprechende Aussagen zu einem Thema vorgelegt. Gläubige konnten eher beiden Aussagen etwas abgewinnen, während Konfessionslose eher eine Antwort ablehnten und die andere als wahr einstuften. Letzteres interpretieren die Forscher als Tendenz zu mangelnder Toleranz und einer dogmatischen Weltsicht.

Dieses Vorurteil wurde ausgeräumt

Außerdem fanden es Atheisten und Agnostiker schwerer, sich in Aussagen hineinzuversetzen, die nicht ihren Überzeugungen entsprachen. Die Autoren der Studie vermuten: „In westlichen säkularisierten Ländern, in denen die Konfessionslosigkeit zunehmend zur Norm wird, gibt es für nicht religiöse Menschen weniger Motivation, sich in die Lebenswelten der Gläubigen hineinzudenken“.

Die Wissenschaftler warnen vor Verallgemeinerung. Die bisherigen Daten stammen nur aus England, Frankreich und Spanien, also dem säkularen Westeuropa. Das verbreitete Vorurteil, religiöse Menschen seien alleine ihres Glaubens wegen weniger tolerant, konnte aber widerlegt werden. (pro)

Von: dsp

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