Am Hamburger Jungfernstieg wurden eine Frau und ein Kind ermordet

Am Hamburger Jungfernstieg wurden eine Frau und ein Kind ermordet

Hass gegen Hamburger Pastor

Drohbriefe und Hassmails sind für den Hamburger Pastor Sieghard Wilm gerade an der Tagesordnung. Rechtspopulisten machen ihn mitverantwortlich für den Doppelmord am Hamburger Jungfernstieg.

Der Theologe Sieghard Wilm ist nicht zu beneiden. Der Pastor der Hamburger St.-Pauli-Kirche wird derzeit massiv angegriffen. Seine Gemeinde hatte 2013 80 westafrikanische Flüchtlinge in der Kirche aufgenommen. Einer von ihnen ist tatverdächtig für den Doppelmord am Hamburger Jungfernstieg. Im Interview von Spiegel Online klärt Wilm den Sachverhalt auf.

Der Theologe ist erschrocken darüber, wie die Tat instrumentalisiert werde, „um Hass auf Flüchtlinge und Menschen freien Lauf zu lassen“. Der Pastor wurde nicht nur telefonisch schon übel beleidigt: „Ich bekomme E-Mails, in denen steht, an meinen Händen klebe Blut“, sagt der 52-Jährige. Die Menschen geben ihm eine Mitschuld an der Tat.

Den Tatverdächtigen selbst habe er nur flüchtig gekannt, auch wenn manche Presseberichte etwas anderes suggeriert hätten. So habe die Bild-Zeitung einen eindeutigen Bezug zwischen ihm und dem Täter hergestellt. Unter der Überschrift „Priester betreute Messerstecher von Hamburg“ war ein Bild von ihm eingefügt: „Da wurde eine Nähe inszeniert, die es gar nicht gab.“ Erst auf sein Drängen hin habe die Redaktion das Bild geändert.

„Journalistisch absolut fahrlässige Berichterstattung“

Wilm ärgert es, dass hier „Hass, Rassismus und rechtsnationales Gedankengut getriggert“ würden. Dies weite sich dann auf alle Flüchtlinge in Deutschland oder sogar auf alle Muslime aus. Die Zuwanderung habe auch zu gesellschaftlichen Problemen geführt, „aber so eine Berichterstattung ist journalistisch absolut fahrlässig“.

Der Theologe berichtet über zwei Vorfälle, in denen Jugendliche aus seiner Gemeinde Straftaten begangen hätten. „Beide Male hat mich kein Journalist damit in Verbindung gebracht. Die Tat am Jungfernstieg wird dagegen genutzt, um die ohnehin schon Besorgnis erregende Angst und Abneigung gegenüber Menschen aus anderen Ländern zu schüren.“

Es entstehe das Bild, dass jeder, der sich aus humanitären Gründen um Hilfe für Flüchtlinge bemüht, der Mittäterschaft bezichtigt wird. Außerdem werde der Fall genutzt, um den Streit über Kirchenasyl neu zu befeuern. Dabei habe es sich damals um Nothilfe aus humanitären Gründen gehandelt. Wilm hält es für bedenklich, dass alltäglicher Rassismus offenbar auch in bürgerlichen Kreisen salonfähig sei. „Und dabei werden immer öfter auch Grundprinzipien christlichen Glaubens infrage gestellt.“ Nächstenliebe werde in den Medien oft als gefährlich eingestuft. Das findet er absurd, sagte er in dem Interview.

Von: Johannes Weil

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