Der 26-jährige Johann Beurich, genannt DorFuchs, promoviert in Mathe und ist begeisterter YouTuber

Der 26-jährige Johann Beurich, genannt DorFuchs, promoviert in Mathe und ist begeisterter YouTuber

Der fromme Mathe-Freak

Wo Eltern mit ihren mathematischen Kenntnissen am Ende sind, tritt DorFuchs auf den Plan. Der YouTuber hilft Jugendlichen, Mathe zu verstehen. Mit seinem Glauben hält er dabei nicht hinterm Berg.

„(a+b)²= a²+2ab+b²“

Kein Text für einen Hit? Bei DorFuchs schon. Mit seinem Song über die binomischen Formeln hat er bei You­Tube 3,3 Millionen Menschen erreicht. In knapp zweieinhalb Minuten setzt er ihnen einen Ohrwurm ins Hirn. Mehr als zwei Millionen Klicks zeigt sein Song über die p-q-Formel zum Lösen quadratischer Gleichungen. Locker erklärt der junge Mann im weißen T-Shirt singend mit Rap-Rhythmus Formeln und Rechnungen. Mehr als 30 Millionen Mal wurden seine Videos angeschaut. Lehrer empfehlen sie und Schüler hinterlassen Lobeshymnen in den Kommentarspalten: „Der Binomische-Formel-Song hat mein Leben gerettet.“ Schüler summen DorFuchs-Lieder bei Klausuren, manche Klassen singen seine Mathe-Songs, Unzähligen hat der sächsische YouTuber geholfen, Mathe zu verstehen.

Polynomdivision, Quadratische Funktionen, die Irrationalität von Pi, Kombinatorik, Partielle Integration – wo Eltern schon lange bei der Hausaufgabenhilfe verzweifeln, tritt DorFuchs auf den Plan. Sein Trick: Mit Musik Mathe-Wissen so zu verinnerlichen, dass es nicht mehr aus dem Kopf will. 200.000 Abonnenten warten gespannt auf die nächsten Videos in DorFuchs’ YouTube-Kanal. Sie bekommen nicht nur Mathe-Videos. DorFuchs ist Christ und hält mit seinem Glauben nicht hinterm Berg. In seinem neusten Video „2020“ rappt er: „Mir ist doch egal, welche Zahl YouTube im System an welcher Stelle schreibt / so lang durch Jesus Christus mein Name im Buch des Lebens bleibt / denn bei der Statistik geht’s nicht drum, noch mehr zu erreichen / dieser Fakt allein wird für meinen Selbstwert immer reichen.“ Auch Missions-Videos sind in seinem Kanal zu finden. „Ich geb die Ehre“, „Gott will, dass jeder gerettet wird“.

Was ist das für ein außergewöhnlicher junger Mann? Im wirklichen Leben heißt DorFuchs Johann Beurich, ist 26 Jahre alt und schreibt an seiner Doktorarbeit. Im sächsischen Radebeul ist er aufgewachsen, seine Eltern hätten ihm „einen lebendigen und aktiven Glauben vorgelebt“, erzählt er im pro-Gespräch. „Ich musste keine Leis­tung vollbringen, um geliebt zu werden. Meine Mutter sagte, auch wenn ich mit einer 5 oder 6 nach Hause käme, würde sie mich liebhaben. Da war null Stress von meinen Eltern.“ Mit Mathe hatten sie nichts am Hut; als Christen hatten sie in der DDR einige Hürden in ihre Schullaufbahn gelegt bekommen.

Glaube logisch aufdröseln

In der landeskirchlichen Kirchengemeinde in Radebeul engagierte Beurich sich, ihm wurde eine persönliche Entscheidung für Jesus wichtig. Geistliche Heimat fand er in Freien evangelischen Gemeinden, zunächst in Radebeul, dann in Dresden. Dort spielt er im Lobpreisteam mit, ist Bandleiter. Und baut mit anderen ein Videoteam auf, „um das Evangelium zu verbreiten“.

Sein Mathestudium hat er gerade abgeschlossen, arbeitet an seiner Promotion. Mathematik ist ein rationales Fach – steht das Denken seinem Glauben nie im Weg? „Im Vergleich mit anderen Religionen ist der christliche Glaube ja relativ verstandesgemäß ausgelegt“, antwortet Beurich. Spricht er über Mathematik, wird er zum leidenschaftlichen Erklärer. Am Zusammenhang von Glaube, Taten und Rettung denkt er herum und versucht, logische Schlüsse zu ziehen: „Wenn Glaube und Rettung äquivalent sind und aus echtem Glauben immer Taten folgen, dann ist eine logische Schlussfolgerung, dass das Fehlen von jeglichen Taten auch das Gegenteil von Rettung impliziert.“ In solchen Gedankengängen kann Beurich sich regelrecht verlieren – weiß aber, dass sich die Analogien auch überreizen lassen. „Es ist verlockend, den Glauben auf 1 – 0 herunterzubrechen. Am Ende aber sieht nur Gott das Herz und der Mensch nur das, was vor Augen ist.“ Die Gedanken seien auch wenig hilfreich für die Seelsorge. Für ihn als Mathematiker aber „ist es ganz hilfreich, das mal so logisch aufzudröseln“.

Ansporn für seine YouTube-Videos ist die Erfahrung, dass vielen Menschen Mathe keine Freude bereitet. „Die Schulen transportieren das Fach falsch“, findet er, oder unterrichten nach dem Prinzip des „Bulimie-Paukens“: „Schüler müssen sich den Stoff reinstopfen, zur Prüfung kotzt man ihn wieder aus – und dann ist er weg.“ Beurich findet das jammerschade. Denn er weiß: Mathematische Bildung bedeutet mehr. Sich mit Mathematik zu beschäftigen kann enorm lustvoll sein. Ja, seine Begeisterung für Mathe sei schon größer als beim Durchschnittsbürger. Schon früh war er in der Schule Bester in dem Fach.

Ob er von Gott mit seinem großen Talent beschenkt worden sei? Beurich zögert – oft werde vergessen, dass man trotz Talents sehr viel Zeit investieren muss, „sonst wird man nicht gut, das gilt für Mathe wie für Musik“. Aber doch, er sei auch von Gott beschenkt, und er wolle auch etwas davon für die Welt einsetzen. Das sei schon früh so gewesen – wenn er etwa seinen Mitschülern Lösungswege erklärt habe. Sein Wissen wollte er gerne weitergeben. „Mit diesem Spirit sind dann auch die ersten Videos entstanden“, sagt Beurich. Auf der Suche nach einem einprägsamen Namen kam er schnell beim schlauen Fuchs an – und setzt den sächsisch ausgesprochenen Artikel davor: DorFuchs. Im Jahr 2008 war das, YouTube gab es gerade mal drei Jahre, es herrschte noch Pioniergeist. Beurich war einer der ersten YouTube-Nutzer in Deutschland, die Videos hochluden.

„Mathe ist etwas insgesamt Sinnvolles“

Mittlerweile ist Beurich prominent. In Talk- und anderen Fernsehshows ist er bereits aufgetreten, verblüffte auch in Stefan Raabs „TV total“ das Publikum mit seinen Fähigkeiten. Manchmal wird er sogar schon auf der Straße erkannt, wildfremde Menschen singen ihm seinen p-q-Song vor. Wie er mit seiner Popularität klarkommt? Eigentlich sei er ein schüchterner Typ, erzählt er, mittlerweile hätten ihn die vielen Erfahrungen aber schon selbstbewusster gemacht. Das Bashing in den Sozialen und anderen Medien hält sich in Grenzen. Ja, einige halten ihn für einen Streber, aber „jeder versteht den Sinn dahinter, dass Mathematik auch sowas insgesamt Sinnvolles und Wichtiges ist, deswegen greift keiner wirklich krass an“.

Wie seine Zukunft aussieht? Einige Möglichkeiten stehen ihm offen. Nach der Promotion will er vielleicht ins Feld der Wissenschaftskommunikation: Komplizierte Sachverhalte einprägsam darstellen, das kann er gut. Möglich wäre auch, dass er sich mit dem YouTube-Kanal selbstständig macht. Die Nachfrage ist groß, sogar international. Als Testballon hat er den „Quadratic Formula Song“ in englischer Sprache produziert und prompt zwei Millionen Klicks erhalten, fast die Hälfte aus Indien. „Aber vielleicht mache ich doch irgendwo einen ganz normalen Job und versuche dort, Licht für die Welt zu sein.“

Von: Uwe Birnstein

Der evangelische Theologe Uwe Birnstein, 57 Jahre, arbeitet als freier Journalist und Publizist für viele Medien, unter anderem für den Bayerischen Rundfunk. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt die Spiegel-Bestseller-Biografie „Margot Käßmann – Folgedem, was Dein Herz Dir rät“. Er lebt mit seiner Familie in München.

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