Franziskus sorgte mit seinen jüngsten Äußerungen über homosexuelle Paare für Irritationen – und mit seiner Klärung für Kritik

Franziskus sorgte mit seinen jüngsten Äußerungen über homosexuelle Paare für Irritationen – und mit seiner Klärung für Kritik

Essener Generalvikar kritisiert Relativierung des Papstes

In einem Film hatte sich Papst Franziskus dafür ausgesprochen, dass Homosexuelle ein Recht auf Partnerschaft und Familie haben sollen. Das versuchte er in einem Schreiben an Bischöfe geradezurücken: Die Position der Kirche habe sich zu dem Thema nicht verändert. Das stößt auf Kritik.

Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer hat ein Schreiben des Vatikans kritisiert, in dem Äußerungen von Papst Franziskus zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften relativiert werden. „Für mich ist das eine desaströse Art der Kommunikation“, sagte Pfeffer der Deutschen Presse-Agentur. Im vergangenen Monat war bekannt geworden, dass Papst Franziskus in einem Filminterview unter anderem gesagt hatte, Homosexuelle hätten das Recht auf eine Familie. „Wir müssen ein Gesetz für zivile Partnerschaften schaffen“, sagte Franziskus.

Die Äußerungen lösten ein weltweites Echo aus und wurden von führenden Theologen als deutliche Kurskorrektur des Papstes ausgelegt. In dem nun bekannt gewordenen Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, richtet sich der Vatikan über seine diplomatische Vertretung in Berlin an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Das Schreiben wurde aber auch Bischöfen in anderen Ländern zugeleitet. Der Vatikan führt unter anderem aus, die Aussagen des Papstes stammten von 2019 und seien in dem Film so zusammengeschnitten worden, „dass sie aus dem Kontext genommen“ worden seien. Die Lehre der Kirche zu diesem Thema sei „im Laufe der Jahre viele Male bestätigt“ worden, sprich: unverändert.

Pfeffer, der im Bistum Essen die zweithöchste Position – nach dem Bischof – innehat, sagte dazu: „Der Papst äußert sich in einem Film, der offenbar vom Vatikan autorisiert wurde. Das löst dann entsprechende Reaktionen in der Öffentlichkeit aus, und daraufhin fühlt sich der Vatikan berufen, die Aussagen des Papstes zu interpretieren, sprich: abzuschwächen.“ Das sei ähnlich, wie wenn Regierungssprecher Steffen Seibert im Nachhinein Aussagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel teils zurücknehmen würde. „Das wirft ein sehr schlechtes Licht auf den Vatikan und beschädigt den Papst“, kritisierte Pfeffer. „Es wäre viel besser gewesen, die Aussagen so stehen zu lassen. Der Papst hatte doch ein wichtiges menschenfreundliches Signal gesetzt. Warum muss das jetzt wieder relativiert werden? So werden wieder einmal homosexuelle Menschen verletzt.“ Zudem sehe er die Kirche bei diesem Thema auch in einer globalen Verantwortung, sagte Pfeffer: „In vielen Ländern müssen Menschen mit homosexueller Orientierung um ihr Leben fürchten. Da fände ich es geboten, hier ein klares Zeichen der Akzeptanz zu setzen.“

Von: dpa

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