Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Kirchen für ihren Einsatz in der Corona-Krise gedankt

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Kirchen für ihren Einsatz in der Corona-Krise gedankt

Bundespräsident Steinmeier: „Kirchen haben sich in der Pandemie umsichtig und verantwortungsvoll gezeigt“

Am Sonntag hat die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland begonnen. Sie findet erstmals digital statt und wird sich vor allem mit der Zukunft der Kirche und den Finanzen beschäftigen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dankte den Kirchen für ihr umsichtiges Verhalten in der Corona-Pandemie.

In einer aufgezeichneten Ansprache zur Eröffnung der 12. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Sonntag dankte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Kirchen für ihren Einsatz in der Corona-Krise. Die Kirchen hätten sich in der Pandemie „umsichtig und verantwortungsvoll gezeigt“ und, um Trost und Zuversicht zu vermitteln, oft digitale Wege beschritten.

„Aber die gemeinschaftliche Erfahrung eines Gottesdienstes können gestreamte Veranstaltungen nicht ersetzen“, sagte der Bundespräsident, und weiter: „Unser Glaube, das ist immer noch eine große, eine wunderbare Kraft für viele Menschen, die sie ein Leben lang trägt.“ Wer vom Glauben getragen werde, der glaube auch an eine gute Zukunft. „Diese Zuversicht brauchen wir in den schwierigen Wochen, die vor uns liegen“, erklärte Steinmeier und drückte seine Sorge über die wachsende Schärfe der Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern der Corona-Politik aus. „Ich bin froh, dass die Kirchen immer wieder bemüht sind, Brücken zu schlagen, in der öffentlichen Debatte ebenso wie in der alltäglichen Begegnung.“

Im Fokus der Synode, die von heute an bis zum Montag dauert und digital durchgeführt wird, stehen die Zukunftsprozesse der EKD. Mit Blick auf das Generalthema erklärte der Bundespräsident: „Wir brauchen die Stimme der Kirche gerade jetzt und auch in Zukunft. Wir brauchen die Kirche als Kraft, die Orientierung und Halt gibt, die Zusammenhalt fördert. Wir brauchen die Gemeinschaft im Glauben.“ Nach dem Willen Steinmeiers soll Kirche weiterhin „öffentlich wirksam bleiben“.

Bischof Stäblein: Wir wollen nicht die schweigende Kirche sein

Am Morgen hatte die Synode mit einem Fernseh-Gottesdienst aus der Johanneskirche in Eltville-Erbach begonnen. In seiner Predigt unterstrich der Berliner Bischof Christian Stäblein die Rolle der Kirche als Stimme der Schwachen. Als deren Anwältin müsse sie eintreten und Gerechtigkeit einfordern. „Wir sind und wir wollen nicht die schweigende Kirche sein“, sagte er. Angesichts des Terrors in Lyon, Nizza, Paris, Dresden und Wien scheine das Leben dieser Tage ausgeliefert. Es sei zum Stöhnen.

Stäblein spielte in seiner Predigt auf die US-Präsidentschaftswahl und den sich abzeichnenden Wahlsieg von Joe Biden an. Gestern Abend sei „vielfach rund um den Erdball ein gelöstes Seufzen" vernehmbar gewesen, sagte Stäblein und bezeichnete die Welt als eine „Seufzergemeinschaft“. Auch die Erde und das Klima ächzten unter den Menschen. Gottes Wort mache aus der Seufzergemeinschaft eine Hoffnungsgemeinschaft, sagte der Bischof. „Es ist diese Hoffnung, die die Kirche wach hält.

An die Synode der EKD gerichtet sagte Stäblein: „Die Kirche wird manches heise Eisen anfassen, und mache Diskussion führen müssen.“ Die Synodalen wollen sich auf ihrer Tagung vornehmlich mit der Zukunft der Kirche beschäftigen. Der Gottesdienst stand unter dem Motto „Kirche hat Zukunft“ und wurde live im ZDF übertragen. Corona-bedingt predigte Stäblein in der nahezu menschenleeren Kirche.

In dem Gottesdienst kamen auch Synodale per Video zu Wort, darunter auch der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. Die Kirche sei „Salz der Erde und Licht der Welt“. Der EKD-Ratsvorsitzende erklärte: „Indem Jesus uns das zuspricht, traut er uns zu, so etwas wie die Avantgarde des Reiches Gottes zu sein“, und weiter: „Natürlich scheitern wir immer wieder an diesem hohen Anspruch. Aber die Sehnsucht nach dem Reich Gottes legt uns unser Glaube immer wieder von Neuem ins Herz.“

„Schmerzliche Einschnitten“ bei den Finanzen

Am Vormittag hat der EKD-Ratsvorsitzende seinen Bericht vor der Synode abgegeben. Darin wies Bedford-Strohm auf die seelischen Folgen der Pandemie hin. „Zwar haben wir in den ersten Monaten der Pandemie dem Virus gemeinsam und entschlossen getrotzt und auch eine harte Lockdown-Zeit vergleichsweise gut überstanden, doch macht sich – das nehme ich wahr - jetzt zunehmende Erschöpfung breit.“ Entsprechend groß sei das Bedürfnis nach Heilung. Die verwundete Gesellschaft sehne sich danach. Der christliche Glaube sei dafür gerade jetzt von unschätzbarer Bedeutung. „Die Botschaft von Glaube, Liebe und Hoffnung ist genau das Wort, was eine verwundete Gesellschaft heute braucht, um Heilung zu erfahren, Zuversicht zu behalten und gemeinsam zu handeln.“

Zum Zukunftsprozesse der Kirche und den „vielen Gedanken über die richtige Form und die richtigen Strukturen“ sagte der Ratsvorsitzende: „Aber das alles geht ins Leere, wenn wir nicht neu auf Christus schauen.“

Bedford-Strohm erwartet angesichts sinkender Kirchensteuereinnahmen schmerzliche Einschnitte. Es müssten möglicherweise auch Ausgaben gekürzt werden, die eigentlich sinnvoll sind, die die Kirche aber nicht mehr weiter finanzieren könne, sagte Bedford-Strohm dem Evangelischen Pressedienst (epd) vor den zweitägigen Synodenberatungen. Konkrete Beispiele nannte er mit Verweis auf die bevorstehenden Beratungen nicht.

Der bayerische Landesbischof mahnte im Gespräch mit dem epd zu stärkerer Zusammenarbeit innerhalb der EKD und zum Abbau von Doppelstrukturen. Die EKD sieht er in der Rolle eines koordinierenden Dienstleisters unter den 20 Landeskirchen. Als Beispiel nannte er das Thema Digitalisierung. „Da macht es keinen Sinn, dass jede Landeskirche ihre eigenen Dinge entwickelt“, sagte Bedford-Strohm in dem Interview.

Vorhaben bis 2030: Kosten um 20 Prozent senken

Laut Beschlussvorlage für die Synode will die EKD bis 2030 rund 20 Prozent ihrer Ausgaben einsparen, das sind etwa 17 Millionen Euro. Die EKD-Finanzexperten haben dafür eine Streichliste vorgelegt, die Kürzungen von Zuschüssen etwa für kirchliche Hochschulen, die Frauen- und Männerarbeit sowie die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen vorsehen. In den Landeskirchen gibt es ähnliche Sparbemühungen, denn einer Prognose zufolge könnte sich die Zahl der Kirchenmitglieder und damit auch die Finanzkraft bis 2060 halbieren. Zudem verschärft die Corona-Pandemie die Lage, wenn in einer Rezession die Einnahmen aus der Kirchensteuer sinken.

Wegen der Pandemie findet die EKD-Synodentagung in diesem Jahr erstmals digital statt und wurde auf zwei Tage verkürzt. Die rund 120 Synodalen beraten bis Montag digital, unter anderem verabschieden sie den Haushalt der EKD und debattieren über Reformen für die Zukunft der Kirche. Angesichts sinkender Mitgliedszahlen und Kirchensteuereinnahmen steht unter anderem eine stärkere Zusammenarbeit der 20 Landeskirchen zur Debatte. Außerdem geht es um die Weitergabe des Glaubens in einer zunehmend säkularen Gesellschaft und die Finanzierung kirchlichen Handelns.

Von: epd/Norbert Schäfer

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