Gilt als führender Vertreter des konservativen Kurses innerhalb der katholischen Kirche: Rainer Maria Kardinal Woelki.

Gilt als führender Vertreter des konservativen Kurses innerhalb der katholischen Kirche: Rainer Maria Kardinal Woelki.

Wieviel Fortschritt bringt die Bischofskonferenz?

Synodaler Weg, Corona-Krise, Kirchenaustritte - die Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz startet mit voller Tagesordnung. Bringt das Treffen Fortschritte auf dem Weg zu Reformen?

Wie geht die katholische Kirche in die Zukunft? Bei der traditionellen Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz steht von diesem Dienstag an der Reformprozess unter dem Stichwort „Synodaler Weg“ im Fokus. Nach Einschätzung des Kirchenrechtlers Thomas Schüller leidet der Prozess unter starkem Druck aus dem Vatikan.

„Der römische Druck ist enorm“, sagte Schüller vor Beginn der Beratungen der Deutschen Presse-Agentur. „Rom ist erkennbar nervös und schickt den Kölner Kardinal Woelki und den Regensburger Bischof Vorderholzer vor, die allen zarten Pflänzchen von Reformen kategorisch den Riegel vorschieben.“ In der katholischen Kirche in Deutschland läuft seit Anfang dieses Jahres ein Reformprozess, der als der Synodale Weg bezeichnet wird.

Wie verhärtet die Fronten seien, zeigten Woelkis und Voderholzers Äußerungen über ein angeblich beschämendes theologisches Niveau der Reformvorschläge. „Engagierte Theologinnen und Theologen, die Mitglieder des Synodalen Weges sind, werden öffentlich als Dilettanten der Theologie desavouiert“, kritisierte Schüller.

„Weichgespülter als die ersten Vorlagen“

Der Druck aus Rom zeige bereits Wirkung: Die überarbeiteten Entwürfe seien schon deutlich weichgespülter als die ersten Vorlagen, die noch zu lebhaften Diskussionen auf der ersten Vollversammlung geführt hätten. Ein Beispiel dafür sei, dass es in dem Entwurf zum Thema Sexualität keinen Hinweis mehr auf die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften gebe.

Dabei sei es doch so, dass sich der allergrößte Teil der deutschen Katholikinnen und Katholiken sowieso nicht für den Synodalen Weg interessiere, weil faktisch niemand mehr mit Reformschritten rechne. „Die Menschen sind schon viel zu lange von ihrer Kirche enttäuscht worden“, sagte Schüller. „Selbst wenn es ein mutiges Papier zu einer veränderten Sexualmoral geben würde, würde dies achselzuckend zur Kenntnis genommen, weil die Menschen längst schon so leben, wie es ihr Gewissen ihnen sagt.“

Die katholische Kirche müsse erkennen, dass sie „ihr Regiment über die Herzen und Betten ihrer Gläubigen“ längst verloren habe. Die Kirche sei „ein Scheinriese mit vielen Einrichtungen und noch beträchtlichem Vermögen“, sagte Schüller. Gesellschaftlich sei sie jedoch „zu einem einflusslosen Zwerg mutiert“. Daran werde auch der Synodale Weg nichts ändern.

Verkürzte Tagung und reduziertes Platzangebot

Die Herbstvollversammlung findet derweil in diesem Jahr unter besonderen Bedingungen statt: Mindestabstand, Mund-Nasen-Bedeckungen und eine Verkürzung von vier auf drei Tage prägen die Beratungen ebenso wie ein reduziertes Platzangebot bei den begleitenden Gottesdiensten. Geleitet werden die Beratungen vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, dem Limburger Bischof Georg Bätzing.

Auch auf der Tagesordnung stehen das kirchliche Leben in der Corona-Pandemie, aber auch die zunehmende Zahl der Kirchenaustritte sowie die Instruktion aus dem Vatikan zur Organisation der Gemeinden. Beraten werden die Bischöfe zudem über weitere Konsequenzen aus der 2018 veröffentlichten sogenannten MHG-Studie zu sexuellem Missbrauch. Die Vollversammlung aller Bischöfe, die jährlich im Frühjahr und im Herbst für mehrere Tage zusammenkommt, ist das oberste Gremium der Deutschen Bischofskonferenz.

Von: dpa

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