Papst Franziskus nannte den Finanzskandal eine „hässliche Sache“

Papst Franziskus nannte den Finanzskandal eine „hässliche Sache“

Finanzskandal hält Vatikan in Atem

Wer Geld hat, muss es gut anlegen. Das gilt auch für den Vatikan. Doch ein Immobiliendeal in London ist zum Fall für die Justiz geworden. Erinnerungen an frühere Finanzskandale werden wach. Auch der Papst hat eingestanden, dass es ein Problem gibt.

Die 60 Sloane Avenue im Londoner Stadtteil Chelsea gilt als gute Adresse. Früher saß dort mal ein Luxuskaufhaus. Dass ein Foto des Eckgebäudes in jüngster Zeit oft in italienischen Zeitungen auftauchte, hat mit einem Immobiliendeal zu tun, zu dem die Justiz des Vatikans ermittelt. Das Staatssekretariat des kleinsten Staats der Welt soll es für einen dreistelligen Millionenbetrag erworben haben. Doch anscheinend ging dabei nicht alles mit rechten Dingen zu.

Auf dem Rückflug von Japan hat sich am Dienstag auch Papst Franziskus zu dem Fall geäußert, der Rom seit Wochen in Atem hält. „Sie haben Sachen gemacht, die nicht sauber erscheinen“, sagte der Pontifex. Es habe „Fälle von Korruption“ gegeben. „Es ist eine hässliche Sache, es

ist nicht schön, dass so etwas im Vatikan passiert.“

Anfang Oktober hatten Ermittler der Vatikanjustiz Büroräume des Staatssekretariats - also der obersten Kurienbehörde - und der

Vatikanischen Finanzaufsicht AIF durchsucht. Dokumente und Computer wurden beschlagnahmt. Einen Tag später veröffentlichte das Magazin

L'Espresso ein vertrauliches Schreiben der Vatikan-Gendarmerie, demzufolge fünf Mitarbeiter der Kurie vom Dienst suspendiert wurden. Unter ihnen war auch AIF-Direktor Tommaso Di Ruzza.

Dass der Heilige Stuhl - nicht nur in Italien - in Immobilien investiert, ist nicht neu. Eine gute Verwaltung müsse Geld vernünftig anlegen, sagte jetzt der Papst. Dazu gehöre auch, Immobilien zu kaufen und zu vermieten. Geld in den Sparstrumpf zu stecken, sei schlechte Verwaltung.

Unklare Rolle der Finanzaufsicht

Die genaue Höhe und Zusammensetzung des Vatikanvermögens ist kaum zu ermitteln. Gängige Schätzungen belaufen sich auf rund zwölf

Milliarden Euro, wobei die nicht bewertbaren Kunstschätze nicht einberechnet sind. Was bei dem Deal in London im Detail schieflief, dazu hüllt sich die Vatikanjustiz bisher in Schweigen. Nach Medienberichten wurden unter anderem Gelder aus dem Peterspfennig - einer weltweiten Spendensammlung - zweckentfremdet. Außerdem sollen sich die Verantwortlichen mit einem zwielichtigen Partner eingelassen und später versucht haben, die Vatikanbank anzupumpen.

Unklar ist derweil die Rolle der 2010 von Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. gegründeten Finanzaufsicht AIF. Ende Oktober sprach deren Aufsichtsrat dem suspendierten Direktor Di Ruzza sein „volles Vertrauen“ aus und teilte mit, dass eine interne Untersuchung keinerlei Fehlverhalten festgestellt habe. AIF-Präsident René Brülhart stellte sich sozusagen hinter seinen Direktor.

Der Schweizer Brülhart ist ein international angesehener Experte im Kampf gegen die Geldwäsche. Am 18. November teilte der Vatikan mit, dass der 47-Jährige mit Ablauf seiner Amtszeit aufhöre. Die Nachricht sorgte in Rom für Erstaunen. Am Tag darauf berichtete das Wall Street Journal, dass die Egmont Group, ein in Toronto ansässiges weltweites Netz im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung, entschieden habe, mit der AIF keine vertraulichen Informationen mehr zu teilen. Grund sei, dass bei den Bürodurchsuchungen Anfang Oktober Daten und Unterlagen der AIF beschlagnahmt wurden.

„Es scheint klar, dass der Papst nicht mit Brülhart auf einer Linie lag“, sagt der Vatikanexperte Iacopo Scaramuzzi der Deutschen Presse-Agentur. Als Nachfolger stellte der Heilige Stuhl am Mittwoch den bisherigen Manager bei der Bank von Italien, Carmelo Barbagallo, vor. Dieser sicherte in einer ersten Erklärung dem „internationalen Finanzinformationssystem“ engste Zusammenarbeit „im vollen Respekt der besten internationalen Standards“ zu.

Nach Einschätzung Scaramuzzis hat Franziskus die Reform der Vatikan-Finanzen wieder fester in die Hand genommen. Mitte November

hatte er bereits die Leitung des Wirtschaftssekretariats neu besetzt, die wegen der Verurteilung des Kardinals George Pell wegen Kindesmissbrauchs vakant war. Neuer «Wirtschaftsminister» wird der spanische Jesuit Juan Antonio Guerrero. Zur Egmont Group sagte der Papst im Flugzeug, dass es sich bei ihr um eine private Organisation handele, von der die internationale Finanzaufsicht nicht abhänge.

Der Immobilienskandal in London weckte jetzt auch Erinnerungen an frühere Skandale, in die die Vatikanbank IOR verwickelt war. Gegen

diese hatte es immer wieder Korruptions- und Geldwäschevorwürfe gegeben. Im Falle London war es aber die Bank selber, die die Ermittlungen in Gang setzte. Das Kontrollsystem im Vatikan habe gut funktioniert, sagte Franziskus.

Von: dpa

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