Papst Franziskus hat die Katholiken in Deutschland vor voreiligen Schritten und Alleingängen bei der Bewältigung der Krise gewarnt

Papst Franziskus hat die Katholiken in Deutschland vor voreiligen Schritten und Alleingängen bei der Bewältigung der Krise gewarnt

Papst Franziskus ermahnt deutsche Katholiken

Die katholische Kirche in Deutschland steht unter Reformdruck. Nun hat sich Papst Franziskus mit einem Brief eingeschaltet. Darin beklagt der Papst auch eine „Erosion“ des Glaubens in Deutschland.

Die katholische Kirche in Deutschland steckt angesichts sinkender Mitgliederzahlen und des Missbrauchsskandals in einer Krise - und will sich verändern. Nun hat sich Papst Franziskus eingeschaltet mit dem Ergebnis, dass sich Reformer ebenso bestätigt sehen wie Konservative.

Papst Franziskus hat die Katholiken in Deutschland bei der Bewältigung der Kirchen-Krise vor voreiligen Schritten und Alleingängen gewarnt. Die beste Antwort auf die „vielen Probleme und Mängel“ liege nicht in einem „Reorganisieren der Dinge, in Veränderungen und in einem ‘Zurechtflicken‘“, schrieb das Katholikenoberhaupt in einem an das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ adressierten Brief, der am Samstag veröffentlicht wurde. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vom Samstag betonte der Argentinier in dem Brief, die Evangelisierung müsse immer „unser Leitkriterium schlechthin“ sein.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, wertete das Schreiben als „Ermutigung“. „Das ist eine Ermunterung, eine Aufforderung, jetzt in Deutschland einen Weg zu gehen mit allen Gläubigen“, sagte auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, der Deutschen Presse-Agentur. Ebenso sahen sich aber auch konservative Vertreter wie der Kölner Kardinal Rainer Woelki bestätigt.

„Erosion und Verfall des Glaubens“ in Deutschland

Die Kirche steckt etwa angesichts ständig sinkender Mitgliederzahlen und des Missbrauchsskandals hierzulande in der Krise. Die katholischen Bischöfe in Deutschland hatten im März einen Reformprozess angekündigt, den sie „synodalen Weg“ nennen. Gesprochen werden soll in diesem Zuge unter anderem über den Umgang der Kirche mit Macht, die umstrittene Ehelosigkeit von Priestern (Zölibat) und die Weiterentwicklung der katholischen Sexualmoral. Öffentlich werden zudem Forderungen nach einer breiteren Beteiligung von Frauen laut.

Der Papst beklagte in seinem Brief eine „zunehmende Erosion und den Verfall des Glaubens“ in Deutschland. Im Osten sei ein Großteil der Bevölkerung schon gar nicht mehr getauft, aber auch in einstigen katholischen Hochburgen sei etwa der Gottesdienstbesuch dramatisch zurückgegangen.

„Das gegenwärtige Bild der Lage erlaubt uns nicht, den Blick dafür zu verlieren, dass unsere Sendung sich nicht an Prognosen, Berechnungen oder ermutigenden oder entmutigenden Umfragen festmacht“, gab der Papst zu bedenken. „Deshalb kann der bevorstehende Wandlungsprozess nicht ausschließlich reagierend auf äußere Fakten und Notwendigkeiten antworten.“ Man dürfe sich nicht „zu sehr in Fragen verbeißen, die begrenzte Sondersituationen betreffen“.

Auch warnte der Argentinier vor Alleingängen: „Sooft eine kirchliche Gemeinschaft versucht hat, alleine aus ihren Problemen herauszukommen, (...) endete das darin, die Übel, die man überwinden wollte, noch zu vermehren und aufrechtzuerhalten.“

Unterschiedliche Deutungen

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht in dem Brief von Franziskus einerseits eine Begrüßung des synodalen Prozesses. Gleichzeitig komme aber auch eine gewisse Sorge zum Ausdruck, „die Sache könnte inhaltlich aus dem Ruder laufen“, sagte Schüller der dpa. „Dennoch verbietet Franziskus kein Thema, über das die deutschen Bischöfe und das ZdK bisher bekundet haben, reden zu wollen.“

Dagegen kommentierte der Generalvikar des Bistums Regensburg, Michael Fuchs, der synodale Weg könne nach diesem Schreiben des Papstes nicht mehr wie geplant stattfinden, „weder dem Inhalt nach noch in der Form“. Der in innerkirchlichen Fragen ebenfalls als sehr konservativ geltende Kardinal Woelki aus Köln äußerte sich hocherfreut über das Schreiben aus Rom: „Der Papst spricht mir aus dem Herzen“, teilte der Chef des größten deutschen Bistums mit. „Die Krise der Kirche - da hat der Papst, so schmerzlich es ist, doch recht - ist in erster Linie eine Glaubenskrise.“

ZdK-Präsident Sternberg hob hervor, dass der Papst seinen Brief nicht nur an die Bischöfe gerichtet habe, sondern an alle Katholiken in Deutschland. „Das hat es so noch nicht gegeben. Er schreibt ganz bewusst an alle Gläubigen und ermuntert sie, dieses Verfahren zu machen.“

Von: dpa

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