Die oberste Autorität der Orthodoxie, der Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel, unterschrieb im türkischen Istanbul einen Erlass zur Eigenständigkeit der neuen Kirche

Die oberste Autorität der Orthodoxie, der Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel, unterschrieb im türkischen Istanbul einen Erlass zur Eigenständigkeit der neuen Kirche

Neue Nationalkirche in der Ukraine

In der Ukraine ist die Gründung einer eigenen orthodoxen Nationalkirche jetzt auch formal abgeschlossen. Die oberste Autorität der Orthodoxie, der Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel, unterschrieb im türkischen Istanbul einen Erlass zur Eigenständigkeit der neuen Kirche.

Die Ukraine hat die Gründung einer eigenen orthodoxen Nationalkirche nun auch formal auf den Weg gebracht und sich damit weiter von Russland gelöst. Welche Folgen das hat, ist nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) schwer abzuschätzen. Seit der Annexion der Halbinsel Krim 2014 durch Russland übt Moskau verstärkt militärisch und politisch Druck auf das Nachbarland aus. Der Konflikt zwischen den beiden Ländern hatte sich zuletzt Ende November verschärft.

Mit der Unterzeichnung des Dokuments durch Patriarch Bartholomaios wurde nicht nur die Eigenständigkeit, sondern auch die Spaltung der orthodoxen Kirchen besiegelt. Die ukrainische Kirche löst sich damit von der russisch-orthodoxen, an die sie seit 1686 angegliedert gewesen war. Die orthodoxe Landeskirche in der Ukraine war Mitte Dezember gegründet worden. Dies stieß in Russland auf massive Kritik.

Ein neues Zeitalter der orthodoxen Kirche

Die Schriftrolle mit dem Erlass überreichte Bartholomaios am Sonntag am Ende eines Gottesdienstes an das Oberhaupt der neuen Kirche, den Metropoliten Epifani von Perejaslawl. Dies berichtet die Deutsche Presse-Agentur und beruft sich auf ukrainische Medien. Präsident Petro Poroschenko nahm an der Zeremonie teil. Er sprach von einem neuen Zeitalter in der orthodoxen Kirche und ergänzte auf dem Nachrichtendienst Twitter: „Gott sei Dank." Die neue Kirche garantiere die „geistige Freiheit“ der Ukraine. Zugleich versprach er, dass die Religionsfreiheit gewahrt werde.

Die orthodoxe Landeskirche war Mitte Dezember in Kiew gegründet worden. Für die Vereinigung stimmten Bischöfe von zwei ukrainischen orthodoxen Kirchen. Die moskautreue orthodoxe Kirche in der Ex-Sowjetrepublik hatte die Versammlung weitgehend boykottiert. Zum Oberhaupt der neuen Kirche war Epifani von Perejaslaw gewählt worden. Mit dem unterschriebenen Erlass zur Eigenständigkeit unterstützte Bartholomaios die kirchliche Loslösung der Ukraine von Moskau.

Wegen der Kirchengründung herrscht seit Monaten ein Streit zwischen der Russisch-Orthodoxen Kirche und dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel. Die kirchlichen und politischen Folgen dieser Spaltung lassen sich noch nicht abschätzen. Poroschenko hat die Kirchenpläne als Teil seines Wahlkampfs vorangetrieben, um in der Wählergunst zuzulegen. Ende März wird in der Ukraine ein neuer Präsident gewählt.

„Nur ein Stück Papier“

Ein Sprecher der moskautreuen Kirche in der Ukraine sagte russischen Medien zufolge, der Erlass sei „nur ein Stück Papier“ und Ergebnis politischer und persönlicher Ambitionen. „Dieses Vorgehen wird der Ukraine nichts als Probleme, Spaltung und Sünde bringen.“ Andere Kirchenvertreter sprachen von einem „schwarzen Tag“. Dass sich die Politik in kirchliche Dinge einmische, sei „Unsinn und ein Verbrechen“.

Die staatstreue Russisch-Orthodoxe Kirche unter Patriarch Kirill hat sich in den vergangenen Jahren nie als überstaatlich verstanden. Sie hat immer den außenpolitischen Kurs von Präsident Wladimir Putin unterstützt und sieht die Ukraine als Teil der „russischen Welt“. Die Ukraine versucht seit seiner Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991, sich auch kirchlich aus der Oberhoheit des Nachbarn zu lösen.

Von: dpa/Johannes Blöcher-Weil

Sie können sich über Disqus, facebook, Twitter oder Google+ anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse ein. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Um Missbrauch zu vermeiden, werden wir Ihren Kommentar erst nach Prüfung auf unserer Seite freischalten. Wir behalten uns vor, nur sachliche und argumentativ wertvolle Kommentare online zu stellen. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein beim Christlichen Medienverbund KEP e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus

Anzeige