Pfarrer Hannes Schott (rechts) bei seinem ersten Wohnzimmer-Gottesdienst. Die Durchführung eines solchen Gottesdienstes hatte er verlost

Pfarrer Hannes Schott (rechts) bei seinem ersten Wohnzimmer-Gottesdienst. Die Durchführung eines solchen Gottesdienstes hatte er verlost

„Tradition, seit es Christen gibt“

Wenn die Gemeinde nicht in die Kirche zum Pfarrer kommt, macht sich der Pfarrer auf den Weg zu seiner Gemeinde. Der Bayreuther Theologe Hannes Schott hat drei Gottesdienste im Wohnzimmer verlost. Gegenüber pro berichtet er von seinen Erfahrungen.

Hannes Schott ist evangelischer Pfarrer im bayerischen Bayreuth. Nach einer Fortbildung zum Thema Gottesdienst hat er die Frage gestellt, wie er seine Schäfchen am besten erreicht. Daraufhin hat er Gottesdienste im Umkreis von Bayreuth verlost, die in den Wohnzimmern der Gewinner stattfinden.

Schott findet die Aktion gar nicht so ungewöhnlich. Es müsse doch das Ansinnen eines Theologen sein, die Menschen in ihrer Lebenswelt aufzusuchen. Außerdem hätten sich die ersten Hausgemeinden ja auch in den Häusern getroffen: „Von daher hat dieses Format eine über 2.000-jährige Tradition“, erklärt Schott im Gespräch mit pro.

Bewerbungen sogar aus Nordrhein-Westfalen

Überrascht war der Pfarrer der bayerischen Landeskirche lediglich von dem großen Medienrummel. Die Aktion hatte er seit Anfang November über die sozialen Netzwerke Facebook und Instagram beworben. Bis ins nordrhein-westfälische Bottrop hatten Menschen an der Verlosung teilgenommen. „Nach Bottrop komme ich einmal und halte einen Gottesdienst, wenn ich in der Region Urlaub mache“, schmunzelt der Theologe.

Am Wochenende war es soweit und Schott hat die ersten der drei Gewinner in der Nähe von Bayreuth besucht. „Die Gastgeber hatten alles vorbereitet. Es gab einen Altar mit Engelsfiguren, ein Posaunenchor hat den Gottesdienst musikalisch bereichert und auch die Gastgeber hatten Musikstücke einstudiert“, erzählt Schott gegenüber pro.

Weihnachtsgeschichte auf Fränkisch

Weil sich die Gastgeber einen Gottesdienst im heimischen Dialekt gewünscht hätten, habe er die Weihnachtsgeschichte auf Fränkisch zum Thema seiner „eher lustigen“ Predigt gemacht: „Und ich habe gemerkt, dass die liturgische Hochsprache der Kanzel im Wohnzimmer nicht funktioniert.“ Deswegen galt es, sprachlich das eine oder andere Mal zu improvisieren.

Schott war es wichtig, Menschen zu erreichen, die sonst nicht in den Gottesdienst kommen. Die Adventszeit mache die Menschen für spirituelle Dinge empfänglich. Die Rückmeldungen aller Beteiligten waren positiv. Schott feiert noch mit zwei Gewinnern einen Gottesdienst, außerdem bietet er das Ganze noch für die Seniorenbetreuung und eine Schlaganfall-Gruppe an. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass der Pfarrer nicht abgeneigt ist, die Aktion auch im nächsten Jahr fortzuführen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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