Warnt vor dem Eingriff in die menschliche Keimbahn: Heinrich Bedford-Strohm (Archivbild)

Warnt vor dem Eingriff in die menschliche Keimbahn: Heinrich Bedford-Strohm (Archivbild)

Kirchen warnen vor Genmanipulationen an Embryos

Scharfe Kritik an der Geburt von zwei Babys mit vorher verändertem Erbgut üben Vertreter der Evangelischen und Katholischen Kirche. Träfe der Fall aus China wie beschrieben zu, sei „eine Grenze überschritten worden, die ethisch hochproblematisch ist“, sagte EKD-Chef Heinrich Bedford-Strohm.

Deutsche Kirchenvertreter haben die mutmaßliche Geburt zweier genmanipulierter Babys in China scharf kritisiert. Die Deutsche Bischofskonferenz forderte internationale Verpflichtungen, um ähnliche Fälle und eine Selektion von Leben zu verhindern. „Wenn sich dieser Vorgang bewahrheitet, dann verletzt er sämtliche wissenschaftliche Regeln“, sagte der katholische Weihbischof Anton Losinger der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Das wäre ein Menschenexperiment“, ergänzte Losinger, der Ethikexperte der Bischofskonferenz ist.

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, lehnt das Experiment ab. Er sagte der Zeitung, wenn die Angaben zuträfen, „ist hier eine Grenze überschritten worden, die ethisch hochproblematisch ist“. Er warnte: „Genetische Eingriffe in die menschliche Keimbahn wirken sich auf alle Nachkommen aus. Damit öffnet sich die Tür für das gezielte Formen des Designs eines zukünftigen Menschen.“ Das stehe im Widerspruch zum christlichen Verständnis, dass der Mensch nach dem Bildnis Gottes geschaffen sei.

Regierung kündigt „unverzügliche Untersuchung“ an

Am Montag hatte der chinesische Forscher He Jiankui die Geburt der ersten genmanipulierten Babys verkündet, zweier Mädchen. Er löste damit weltweit einen Aufschrei der Empörung aus. Die chinesische Regierung kündigte eine „unverzügliche Untersuchung“ an; einem Bericht der staatlichen Zeitung China Daily zufolge hat der Wissenschaftler für seine Versuche keine Genehmigung bei den Behörden eingeholt. Die an Embryonen vorgenommene Manipulation mit dem noch jungen Verfahren Crispr/Cas9 sollte nach Hes Angaben die Kinder resistent gegen HIV machen. Der chinesische Forscher He verteidigte seine Arbeit indes. Die Wissenschaft müsse mehr tun, um Menschen mit Krankheiten zu helfen, sagt er am Mittwoch auf einem Genomforscher-Kongress in Hongkong. Er behauptete, dass eine weitere Frau derzeit ein genmanipuliertes Kind austrage.

Bereits am Montag kritisierte der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, der Theologe und Ethiker Peter Dabrock, laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), den Vorstoß. Es handele sich hierbei um „unverantwortliche Menschenversuche“. Er forderte die Politik dazu auf, eine Kontrollbehörde für solche gentechnischen Eingriffe einzurichten, wie es sie auch für den Einsatz von Atomenergie gibt.

Von: dpa/Martina Blatt

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