Der Präsident der Philippinen Rodrigo Duterte forderte Kritiker auf, ihm die Existenz Gottes zu beweisen

Der Präsident der Philippinen Rodrigo Duterte forderte Kritiker auf, ihm die Existenz Gottes zu beweisen

Philippinischer Präsident: „Wenn mir jemand Gott beweisen kann, trete ich zurück"

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat den Allmächtigen persönlich beschimpft – und angekündigt, zurückzutreten, wenn ihm jemand dessen Existenz beweisen könne. Das ist in der Theologiegeschichte oft versucht worden – bis Immanuel Kant die Suche nach dem Beweis zum Erliegen brachte.

Rodrigo Duterte ist kein Kind von Traurigkeit. Der philippinische Staatspräsident ist bekannt für seine teils unflätige Ausdrucksweise und mitunter heftige Kirchenkritik. 2015 etwa beschimpfte er Papst Franziskus übel, als dessen Besuch in Manila einen Stau verursachte, in dem Duterte stundenlang festhing.

Nun hat er zum nächsten Streich ausgeholt. Wenn irgendjemand ihm beweisen könne, dass Gott existiert, werde er umgehend zurücktreten, sagte Duterte in einer Rede zur Eröffnung der „Woche der Wissenschaft und Technologie“ auf den Philippinen. Man solle ihm dazu etwa „ein Foto oder ein Selfie“ vorlegen. Jemand solle ihm beweisen, „dass er Gott sehen oder mit ihm reden kann“.

Die Philippinen sind mehrheitlich katholisch. In seiner Rede griff der Präsident mehrere katholische Glaubenssätze an, vor allem das Konzept der Erbsünde. Dieses sei eine Masche, um Eltern dazu zu bringen, ihre Kinder gegen Geld taufen zu lassen. So finanziere der Klerus seine „Paläste“.

Wenn Gott wirklich zulasse, dass durch die Sünde Adams und Evas alle Menschen betroffen sind, dann sei er „dumm“. „Wo ist da Gottes Logik?“, fragte Duterte in der Rede – und belegte Gott mit heftigen Schimpfwörtern.

Kirche ruft zum Protest-Fasten auf

Für seine Ausfälligkeiten erntete Duterte reichlich Kritik, aus Kirche wie Politik. Ein philippinischer Bischof etwa nannte ihn einen „Psychopathen“, wie die Nachrichtenagentur Associated Press berichtet. Der oppositionelle Senator Antonio Trillanes IV beschrieb ihn als einen „bösen Mann“ und nannte die Aussagen „kohärent mit der Herzlosigkeit und Rücksichtslosigkeit seiner Politik“.

Die katholischen Bischöfe der Philippinen hatten in Reaktion auf die Aussagen Dutertes sogar zu einem dreitägigen Fasten aufgefordert. Seine Beziehung zur katholischen Kirche ist seit Jahren belastet. Die Bischöfe hatten in der Vergangenheit unter anderem Dutertes Vorgehen im Drogenkrieg als zu hart und brutal kritisiert.

Duterte gelobt Besserung

Der Sprecher des Präsidenten, Harry Roque, verteidigte seinen Vorgesetzten. Dieser habe das Recht, seine Meinung zu äußern. Außerdem verwies Roque auf Enthüllungen Dutertes, nach denen dieser als Kind von einem Priester missbraucht worden sei.

Am Montag hatte es ein Gipfeltreffen zwischen Duterte und Romulo Valles, dem Vorsitzenden der philippinischen Bischofskonferenz, gegeben. Dort versprach der Präsident, die verbalen Angriffe auf die Kirche künftig einzustellen. Anscheinend konnte ihn dennoch keiner der Bischöfe durch einen Gottesbeweis zum Rücktritt bewegen.

Die Suche nach dem Gottesbeweis ist nicht neu

Einer, der das sicher versucht hätte, ist Anselm von Canterbury. Von dem Theologen, der im elften Jahrhundert lebte, stammt der vielleicht berühmteste Versuch, die Existenz Gottes zu beweisen.

Als erster formulierte Anselm einen so genannten „ontologischen Gottesbeweis“. Die Ontologie ist die Lehre vom Sein. Beim ontologischen Gottesbeweis soll – so Anselms Überlegung – von der logischen Notwendigkeit Gottes auf dessen Existenz geschlossen werden. Das Konzept Gottes wird dabei von der begrifflichen Ebene auf die Seins-Ebene gehoben.

Anselm argumentiert wie folgt: Gott als der Allmächtige sei dasjenige, über dem nichts Größeres oder Vollkommeneres gedacht werden könne. Ein vollkommener Gott sei das größte vorstellbare Konzept. Würde man sich diesen Gott aber eben nur vorstellen – das heißt würde er nicht existieren –, dann wäre etwas Größeres über ihm denkbar – nämlich der tatsächlich existente Gott. Insofern ist das Attribut „Existenz“ notwendig Teil der Vollkommenheit Gottes. Ein vollkommener Gott, dem es fehlt, wäre nicht vollkommen. Das sei ein logischer Widerspruch, den man nicht denken könne. Da man sich den vollkommenen Gott nun aber vorstellen könne, folge logisch, dass er existieren müsse.

Auch Thomas von Aquin versucht den Beweis

An Anselms Ontologischen Gottesbeweis hat unter anderem der französische Aufklärungsphilosoph René Descartes angeknüpft. Außerdem gibt es noch zwei weitere große Kategorien der Gottesbeweise: Den kosmologischen und den teleologischen. Beide sind eng verwandt und wurden von dem mittelalterlichen Theologen Thomas von Aquin prominent vertreten.

In seinem berühmten Werk „Summa Theologica“ (Summe der Theologie) aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts spricht Thomas von „fünf Wegen“, um Gott zu beweisen.

Die ersten vier Wege lassen sich unter dem „kosmologischen Gottesbeweis“ zusammenfassen. Aus dem Kosmos, das heißt der Gesamtheit der ganzen Schöpfung, lasse sich logisch auf einen Schöpfer schließen; unter anderem – wie einer der „Wege“ besagt –, weil die Schöpfung offensichtlich in Bewegung sei. Weil aber jede Bewegung durch eine andere Bewegung ausgelöst werde, müsse es einen ersten, so genannten „unbewegten Beweger“ geben. Diesen Gedanken greift Thomas vom griechischen Philosophen Aristoteles auf – und versteht darunter Gott.

Dem schließt Thomas von Aquin den teleologischen Beweis an. Der Begriff stammt vom griechischen Wort „telos“, das „Ziel“ bedeutet. Die Schöpfung bewege sich nämlich nicht einfach so, sondern strebe immer nach einer höheren Vollkommenheit und damit zu einem Ziel hin. Das bedeute, dass dieses Ziel intelligent definiert worden sein müsse – demnach müsse es einen Schöpfer geben.

Kant, der „große Zerstörer“

Womöglich könnten Anselm von Canterbury und Thomas von Aquin Duterte überzeugen – doch wenn der Präsident weiterhin behaupten würde, ein Gottesbeweis sei unmöglich, hätte er einen überaus prominenten Fürsprecher: Den Philosophen Immanuel Kant.

Mit Kant, den Heinrich Heine einmal den „großen Zerstörer in der Welt der Gedanken“ nannte, endete die Ära der Gottesbeweise. In seiner berühmten „Kritik der reinen Vernunft“ von 1781 lässt er, wie der Titel schon sagt, das vernünftige Fundament, auf dem die Gottesbeweise gebaut sind, krachend in sich zusammenstürzen.

Das tut Kant mit seiner Kategorienlehre. Nach ihm nehmen wir als Menschen unsere Umwelt nicht „einfach so“ wahr – Kant spricht vom unerreichbaren „Ding an sich“ –, sondern unser Geist ordnet die Dinge, die wir wahrnehmen, direkt nach bestimmten Kriterien, den so genannten „Kategorien“.

Auch unsere Vernunft könne die Dinge nur in solchen Kategorien betrachten – und Existenz ist bei Kant eine davon. Die Anselmsche Vorstellung, dass ein vollkommenes Wesen auch notwendig existieren müsse, hält Kant also für einen Trugschluss. Vielmehr sei es unsere Vernunft, die den Gegenstand „vollkommenes Wesen“ auch automatisch in der Kategorie „existent“ verorten will. So wird Anselms Beweis zum Taschenspielertrick.

Auch Thomas von Aquins Argumente überzeugen Kant nicht

Ähnlich verhält es sich mit den Beweisen des Thomas von Aquin. Auch die Kausalität – also das Prinzip von Ursache und Wirkung –, die dieser als klares Indiz für Gott versteht, ist nämlich eine solche Kategorie. Unter Berufung auf den schottischen Philosophen David Hume meint Kant: Ursache und Wirkung nehmen wir an sich nicht wahr. Wir beobachten lediglich zwei Ereignisse – es ist unser Geist, der mittels der Kategorie „Kausalität“ den Zusammenhang herstellt.

Sehen wir zum Beispiel, wie eine Billardkugel eine andere anstößt und diese daraufhin anfängt, zu rollen, nehmen wir zwei Bewegungen, nicht aber deren Zusammenhang wahr. Dass die erste Bewegung die zweite auslöst, sei eine Annahme, die – streng genommen – nicht beweisbar sei. Genauso verhalte es sich auch mit dem kosmologischen Gottesbeweis.

An einen Gott glaubte Immanuel Kant trotzdem. Er wandelte den teleologischen Gottesbeweis ab und behauptete, man müsse die Existenz Gottes schon allein aus moralischen Gründen annehmen, nämlich um einen Maßstab für gutes Handeln zu haben. Zu diesem Schluss kommt er aber nicht durch die Vernunft, sondern eben durch die Moral. Welcher Faktor für Duterte ausschlaggebend wäre, bleibt offen.

Von: Martin Jockel

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