Der Limburger Bischof Georg Bätzing chattete mit Gläubigen über Gott, die Welt und die Zukunft der Kirche

Der Limburger Bischof Georg Bätzing chattete mit Gläubigen über Gott, die Welt und die Zukunft der Kirche

Ein Oberhirte geht online

Bischof Georg Bätzing schaut in die Kamera und lächelt seiner Gemeinde zu. Der Internetgemeinde in diesem Fall. Zum ersten Mal chattet der Oberhirte auf einem Videoportal online und live mit Gläubigen über Gott, die Welt und die Zukunft der Kirche.

„Es scheinen schon Leute da zu sein – guten Abend“, sagt Bätzing und sorgt damit für eine Premiere im Bistum Limburg. Die Aktion ist für das Bistum nach überstandener Krise auch ein Mittel, sich offener zu zeigen.

Und die Sprechstunde zeigt, dass die Kirche nicht mehr an den Sozialen Medien vorbeikommt, wenn sie ihre Schäfchen erreichen will. Die Kirche sei dort schon lange angekommen, sagt der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp. „Es ist gut, wenn wir in den Sozialen Medien präsent sind. So erreichen wir oft Menschen, die wir in der Kirche nicht mehr ohne Weiteres antreffen.“

Jugendliche zum Beispiel – nicht umsonst betont Bischof Bätzing, dass er mit seinem Chat auch junge Christen ansprechen wolle. Per Video auf dem Onlineportal YouTube beantwortet der Limburger Kirchenmann eine Stunde lang Fragen seiner Gesprächspartner. „Ich möchte alle Kommunikationswege, die es heute gibt, nutzen, um mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen und einen breiten Dialog im Bistum Limburg zu führen“, hatte der Bischof zuvor die Motivation für das Internet-Gespräch erläutert.

Bis zu knapp 80 User nutzen dann am Freitagabend Bätzings Gesprächsangebot. Einige von ihnen - von einem 15 Jahre alten Messdiener bis zu einer 72-Jährigen – stellen rege Fragen. Etwa, wo der Bischof das Bistum in zehn Jahren sehe, wie er selbst zum Glauben gefunden habe, wie er Jugendliche für die „unmoderne“ Kirche begeistern wolle oder wann er ihre Gemeinden besuche.

Fragen und Kritik erwünscht

In den Sozialen Netzwerken ist die Katholische wie Evangelische Kirche schon eine Weile unterwegs: Bistümer twittern und sind auf Facebook aktiv. Sogar Papst Franziskus nutzt Accounts bei Twitter und Instagram. Chatten mit kirchlichen Würdenträgern ist aber eher die Ausnahme.

Mit seinem Videochat zeigt der neue Limburger Bischof auch jene Offenheit und Dialogbereitschaft, die er seit seiner Ernennung im vergangenen Jahr immer wieder angekündigt hat: Er wolle den Gläubigen zuhören und mit ihnen ins Gespräch kommen. Solche Worte taten vielen Bistumsangehörigen gut nach dem Skandal um ihren früheren Oberhirten Franz-Peter Tebartz-van Elst. Nicht allein der Streit um die Kostenexplosion beim Bau der neuen Residenz hatten für Entfremdung zwischen dem später abberufenen Bischof und seinem Kirchenvolk gesorgt. Es gab immer wieder auch Kritik an seiner Amtsführung, die viele als autoritär empfanden.

Bätzing ermuntert derweil beim Chat seine Gesprächspartner, ihre Fragen zu stellen, Anmerkungen zu machen und auch Kritik zu äußern. Einige stellen denn auch schwierige Fragen, zur Rolle der Frau in der Kirche etwa oder zum Umgang mit Homosexualität. Gleich mehrere loben den Bischof fürs Chatten. Das sei „modern“, „super“ und „mutig“. Mutig finde er das nicht, sagt Bätzing. „Ich bin gerne mit Menschen zusammen und ich höre gerne, was sie sagen.“ Und er glaube, dass er nicht das letzte Mal gechattet habe, sagt er zum Ende der Fragestunde. (pro)

von: js/dpa

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