Eines der 22 großen Fenster in der Katholischen Kirche St. Nicolai in Kalkar

Eines der 22 großen Fenster in der Katholischen Kirche St. Nicolai in Kalkar

Die Kirchenfenster und das physikalische Muster

Eine Kirche am Niederrhein sorgt für Aufsehen. Ihre Kirchenfenster sind nach physikalischen Mustern konstruiert. Am vergangenen Freitag konnten die Gläubigen die Fertigstellung des Projekts feiern.

22 neue, zwölf Meter hohe Fenster hat die Katholische Kirche St. Nicolai in Kalkar am Niederrhein erhalten. Sie sind aus jeweils rund 15.000 bunten mundgeblasenen Glasteilchen zusammengesetzt. Die Umsetzung des Projekts hat 24 Jahre gedauert und mehrere Millionen Euro gekostet.

Am vergangenen Freitag werden die letzten beiden der insgesamt 22 neuen Fenster bei einer Feier mit dem Künstler Karl Martin Hartmann der Gemeinde übergeben. Der Wiesbadener Künstler Hartmann hat die bunten Glasstücke mit System am Computer konstruiert. Die vielen bunten Steine in dunklen Farben auf der Nordseite und in hellen Gelb-, Rot- und Blautönen im Süden – der Sonnenseite – wirken auf den ersten Blick abstrakt. Aber es steckt viel Überlegung hinter der Anordnung.

Galaxien, Sternhaufen und Kometen

Die Ursprünge der künstlerischen Entwürfe wurzeln überwiegend in physikalischen Prinzipien: eines der Fenster greift die sogenannten Feynman-Diagramme auf. Die Darstellungen erinnern an den gleichnamigen Nobelpreisträger und sollen die Wechselwirkungen kleinster Teilchen untereinander illustrieren. Andere Steine erinnern an die Sterne, einen Galaxienhaufen und den Kometen Hale-Bopp.

Eines der beiden jüngsten Fenster zeigt im unteren Teil eine dunkelfarbene dreistufige Basis – für Pastor van Doornick ein Anklang an die drei Kreuze von Golgatha. 1997 hatten Pfarrer Robert Mertens, der damalige Erzbischof Werner Thissen und der rheinische Kunstfachmann Franz-Josef van der Grinten mit dem Kirchenvorstand das Projekt angestoßen. Das Glas aus Waldsassen hat die Firma Glasstudios Derix aus Taunusstein verarbeitet und in die spätgotische Hallenkirche eingebaut.

Bei dem Projekt handelt es sich um eine der größten und teuersten Neuausstattungen einer Kirche mit Glasmalerei in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Künstler Karl Martin Hartmann wurde in Wiesbaden geboren. Er studierte zunächst Mikrobiologie in Mainz und später Kunst an der Städelschule in Frankfurt am Main. Vor allem durch seine Entwürfe für Fenster im sakralen Kontext wurde er international bekannt, unter anderem im Mariendom in Linz und der Marktkirche in Wiesbaden.

In den vergangenen Jahrzehnten hat er die mehr als 20 langbahnigen Fenster bestückt. Der Künstler selbst wünscht sich laut Internetseite der Kirchengemeinde, „dass die Menschen verändert die Kirche verlassen und die Fenster sie inspirieren, um Kraft zu schöpfen und Mut zu finden“. Ein Förderverein hat die Arbeit in den vergangenen Jahren finanziell unterstützt und immer wieder nach finanziellen Unterstützern in der Bürgerschaft gesucht. Auch das Land förderte die Maßnahme. Zuletzt brachte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bei einem Patronatsfest in der Kirche die Zusage für 75.000 Euro mit. Die Kirche verschuldete sich sechsstellig, um den Bau zu Ende zu bringen.

Von: Johannes Blöcher-Weil/dpa

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