Früher war er EKD-Ratsvorsitzender, heute berät er als Vorsitzender der DFB-Ethikkomission über den Fall Clemens Tönnies

Früher war er EKD-Ratsvorsitzender, heute berät er als Vorsitzender der DFB-Ethikkomission über den Fall Clemens Tönnies

Früherer EKD-Ratschef nimmt Ethikprüfung von Schalke-Boss ab

Die Vorfälle um den Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies beschäftigen nun die DFB-Ethik-Kommission. Ihr Vorsitzender ist der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider. Große Befugnisse hat das unabhängige Gremium allerdings nicht.

Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, muss sich mit den umstrittenen Äußerungen des Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies befassen. Schneider steht seit März 2019 an der Spitze der DFB-Ethik-Kommission. Große Befugnisse hat das Gremium nicht. Es gilt aber als „moralische Instanz“ des DFB. Damit könnte das Urteil doch Signalwirkung haben.

Am Nachmittag teilte Schneider mit, dass die Entscheidung vertagt wurde: „Wir brauchen noch Hintergrund-Informationen. Das ist eine Sache von Wochen, nicht von Monaten“, sagte er. Tönnies hatte bei einem Vortrag in Paderborn Aussagen gemacht, die als rassistisch interpretiert wurden.

Der DFB hatte 2016 einen Ethik-Kodexerarbeitet. Darin bekennt er sich zu Qualität, Objektivität, Ehrlichkeit, Fairness und Integrität. Der Kodex ist verpflichtend für alle Verbandsorgane, Angestellte, Mitarbeiter, ehrenamtliche Funktionsträger und alle Unternehmen, an denen der DFB die Anteilsmehrheit oder Stimmrechte hält. Den Landesverbänden dient der Ethik-Kodex als Grundlage für eigene Kodizes. Die Kommission überwacht die Einhaltung.

Gremium kann keine Strafen oder Sanktionen verhängen

Die Ethik-Kommission kann auf Antrag oder aus eigenem Antrieb Ermittlungen aufnehmen, wenn sie den Verdacht hat, dass der Integrität und dem Ansehen des DFB und seinen Mitgliedsverbänden Schaden droht. Die Kommission darf keine Strafen verhängen oder sich in die Angelegenheiten der Vereine einmischen, um deren Funktionsträger zu sanktionieren. Als „moralische Instanz“ kann sie die Tönnies-Aussagen bewerten und Verhaltensempfehlungen aussprechen.

Tönnies hatte als Festredner beim „Tag des Handwerks“ in Paderborn Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren, forderte der 63-Jährige. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren.“

Damit hatte er eine Welle der Empörung ausgelöst. Viele stuften die Aussagen als rassistisch ein und kritisierten sie scharf. Andere plädierten dafür, dass Tönnies eine „zweite Chance“ erhalten sollte. Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck kritisierte den Unternehmer, sagte aber auch: „Aber so lange der Mann noch zuhört und Argumenten zugänglich ist oder sich sogar entschuldigt, würde ich mit ihm kämpfen und streiten“.

Aussage bereut und sich entschuldigt

Durch die massive Kritik hat nicht nur Tönnies’ Reputation gelitten, sondern auch die von Schalke 04. Der Club engagiert sich seit mehreren Jahren mit Fan-Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt. 2008 hatten die Fußballprofis Marcello Bordon, Kevin Kuranyi und Rafinha sowie Vereinspräsident Josef Schnusenberg und Manager Andreas Müller für das Buch „Mit Gott auf Schalke“, das auf 57 Seiten vom Glaubensleben der Fußballspieler zeugt, den „Goldenen Kompass“, den Medienpreis des Christlichen Medienverbundes KEP, erhalten.

Die Preisträger bei der Verleihung des Goldenen Kompasses 2008 in der Arena „Auf Schalke“

Die Preisträger bei der Verleihung des Goldenen Kompasses 2008 in der Arena „Auf Schalke“

Tönnies, der Lebensmittelunternehmer ist, bereute seine „törichten" Aussagen später und entschuldigte sich. Nach einem Beschluss des Schalker Ehrenrats, der eine ähnliche Aufgabe wie die Ethik-Kommission im DFB hat, darf Tönnies sein Amt als Aufsichtsrat drei Monate lang nicht ausüben. Danach soll er auf seinen Posten zurückkehren.

Der Deutsche Fußball-Bund hat 2016 die Gründung seiner Ethik-Kommission beschlossen. An dessen Spitze stand bis zu seinem Tod im März 2019 der ehemalige Bundesaußenminister Klaus Kinkel (FDP). Ihm folgte der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider. Dem unabhängigen Gremium gehören der Rechtsanwalt Bernd Knobloch, Rechtsanwältin Anja Martin und Betrugsermittlerin Birgit Galley an.

Von: Johannes Blöcher-Weil/dpa

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