Es sei schlimm, wenn jüdische Menschen mitten in Berlin attackiert würden, „wo sie wohnen, einkaufen und zur Schule gehen“, sagt der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Yehuda Teichtal.

Es sei schlimm, wenn jüdische Menschen mitten in Berlin attackiert würden, „wo sie wohnen, einkaufen und zur Schule gehen“, sagt der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Yehuda Teichtal.

Überfallener Rabbiner: Gegen Hass gemeinsam aufstehen

Der von einem antisemitischen Übergriff betroffene Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Yehuda Teichtal, hat gemeinsame Anstrengungen gegen Hass in der Gesellschaft gefordert. Anteilnahme reiche nicht.

Der Rabbiner Yehuda Teichtal war vergangenes Wochenende in Begleitung eines seiner Kinder von zwei Männern auf Arabisch beschimpft und bespuckt worden. Die Ermittlungen beim Staatsschutz laufen.

Teichtal sagte: „Das war eine furchtbare Situation, die ich niemandem wünsche.“ Er sei vor 23 Jahren mit einem One-Way-Ticket aus New York nach Berlin gekommen. „Die Entscheidung ist mir anfangs nicht leicht gefallen. Mein Urgroßvater war in Auschwitz und wurde im Holocaust ermordet, mein Großvater hat den Holocaust überlebt.“

Es sei schlimm, wenn jüdische Menschen mitten in Berlin attackiert würden, „wo sie wohnen, einkaufen und zur Schule gehen“. Dennoch glaube er fest daran, „dass der Großteil der Menschen hier tolerant ist. Damit der Hass nicht gewinnt, müssen wir allerdings alle aufstehen, zusammenhalten und füreinander einstehen.“ Außerdem müsse Toleranz eine große Rolle in der Erziehung der Kinder spielen.

Bischöfe äußern Solidarität

Jüdische Menschen dürften sich nicht verstecken. „Wir müssen stolz sein und unsere Hand ausstrecken: Hier sind wir, wir gehen nicht mehr weg, wir gehören dazu.“ Antisemitismus sei ein Gift, das es in allen Teilen der Gesellschaft gebe, sagte Teichtal. Die große Anzahl der Muslime sei tolerant. „Sie müssen wir ebenso wie jeden anderen dazu bewegen, aufzustehen, einzustehen für Toleranz und Demokratie, gerade in Deutschland mit seiner dunklen Geschichte.“

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte er: „Die Menschen müssen jeden Tag Zivilcourage zeigen, zeigen, dass sie es nicht dulden, wenn andere Menschen angegriffen werden.“

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch bekundete in einem im Internet veröffentlichten Brief an den Rabbiner seine Solidarität: „Ich verurteile diese verabscheuungswürdige Tat auf das Schärfste. Sie ist ein Angriff nicht nur auf Ihre Religion, sondern auf alle Religionen und Weltanschauungen in unserer Stadt und in unserem Land, zumal auf das Christentum, das sich in besonderer Weise mit dem Judentum verbunden weiß.“ Der Angriff sein ein Angriff auf die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens. Auch der evangelische Bischof Berlins Markus Dröge solidarisierte sich mit Teichtal.

Imam Kadir Sanci, Präsidiumsmitglied des interreligiösen „House of One“, erklärte: „Dieser Vorfall, dass ein Rabbiner am hellichten Tag, mitten in Berlin auf offener Straße nach dem Gottesdienst angegriffen wird, ist erschreckend und furchtbar.“ Alle friedliebenden Menschen seien aufgerufen, einer verrohenden Sprache und tätlichen Angriffen entgegenzutreten.

Von: dpa/Jonathan Steinert

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