Nach dem Willen der Islam-Konferenz sollen islamische Gemeinden in Deutschland die Ausbildung von Imamen selbst finanzieren

Nach dem Willen der Islam-Konferenz sollen islamische Gemeinden in Deutschland die Ausbildung von Imamen selbst finanzieren

Ausländische Prediger sollen Deutsch können

Die staatliche türkische Religionsbehörde Diyanet hat hunderte Imame nach Deutschland entsandt. Oft sprechen diese kaum Deutsch. Gleiches gilt für andere ausländische Geistliche. Das soll sich nun ändern.

Ausländische Geistliche, die in Deutschland arbeiten wollen, sollen künftig verpflichtend Deutschkenntnisse nachweisen müssen. Die Regierung plant eine entsprechende Änderung der Einreisevoraussetzungen. Dies teilte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Montag mit. Die Ausgestaltung sei im Einzelnen noch nicht abgeschlossen. „Es geht jetzt darum, welches Sprachniveau nachgewiesen werden muss“, sagte der Ministeriums-Sprecher. Bislang sind Sprachkenntnisse keine Voraussetzung für eine Einreise nach Deutschland.

Forderungen nach Deutschkenntnissen vor allem islamischer Geistlicher aus dem Ausland hatte es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Zuletzt hatte der Chef der Unions-Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann (CDU), sich für die Einführung eines Visums für Prediger ausgesprochen, das an Deutschkenntnisse gekoppelt sein solle.

Bedarf religiöser Betreuer wächst

Das Ministerium erklärte, mit der Zuwanderung der letzten Jahre wachse der Bedarf an religiöser Betreuung von Ausländern. Die dafür eingesetzten Geistlichen hätten in den Gemeinden „auch eine Vorbild-und Beraterfunktion, die für ein friedliches Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen sowie für eine erfolgreiche Integration insbesondere auch neu Zugewanderter in Deutschland entscheidend“ sei. Diese „integrative Wirkung“ könnten ausländische Geistliche besser entfalten, „wenn sie die deutsche Sprache sprechen und mit Deutschland und seiner Kultur vertraut sind“.

Die migrationspolitische Sprecherin der FDP im Bundestag, Linda Teuteberg, lobte den Plan und erklärte, was in Deutschland gepredigt werde, müsse von allen verstanden werden. „Damit Geistliche und Gläubige in Deutschland in jeder Hinsicht zuhause sind, braucht es natürlich mehr: Vor allem das Bekenntnis zu den Werten unserer Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.“ In der Schweiz müssen „religiöse Betreuungspersonen“ - worunter auch Imame, die predigen wollen, fallen - bereits eine Reihe verschiedener Voraussetzungen erfüllen, darunter auch Sprachkenntnisse.

Keine belastbaren Zahlen

Wie viele Imame in Deutschland tätig sind, ist nicht exakt zu benennen. Eine Statistik zur Zahl der in Deutschland aus dem Ausland stammenden Geistlichen allgemein oder islamischen Religionsbediensteten (Vorbeter, Prediger) speziell gibt es nach Angaben des Ministeriums nicht. Linnemann hatte von 2.000 Imamen in Deutschland gesprochen, die „kein oder kaum Deutsch“ könnten.

1.049 islamische Religionsbedienstete (Stand Januar 2019) seien in Gemeinden des türkischen Islam-Dachverbands Ditib in Deutschland tätig, davon 149 weibliche, teilte das Ministerium unter Berufung auf Ditib mit. Diese verfügten in der Regel über einen befristeten Aufenthaltstitel und kehrten nach etwa vier Jahren oder früher in die Türkei zurück.

Moscheegemeinden sollen Imamausbildung zahlen

Die Ditib, die die größte Islam-Organisation in Deutschland ist, steht wegen ihrer Nähe zur Regierung in Ankara und ihrer Abhängigkeit von der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet seit einigen Jahren in der Kritik. Die Diyanet entsendet für die etwa 960 Ditib-Moscheegemeinden Imame nach Deutschland.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich Ende 2018 dafür ausgesprochen, dass Deutschland mehr islamische Prediger selbst ausbilden sollte. Innenminister Horst Seehofer (CSU) hatte auf der 4. Islam-Konferenz im November in Berlin von den islamischen Gemeinden in Deutschland gefordert, sich schrittweise von ausländischen Geldgebern frei zu machen und auch die Ausbildung von Predigern weitgehend selbst zu stemmen.

Von: dpa

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