Die Armenviertel in Chile – hier ein Symbolbild der Población Nogales – waren in den vergangenen 50 Jahren das Herzensanliegen der Missionarin Karoline Mayer

Die Armenviertel in Chile – hier ein Symbolbild der Población Nogales – waren in den vergangenen 50 Jahren das Herzensanliegen der Missionarin Karoline Mayer

Seit 50 Jahren in Chile Einsatz für Arme

Dass sie armen Menschen helfen will, weiß Karoline Mayer schon früh. Ein Faltblatt über christliche Missionierung bringt das junge Mädchen auf die Idee, nach China zu gehen. Dann landet sie an einem ganz anderen Ende der Welt – und bleibt. Und das schon seit 50 Jahren.

Eigentlich wollte sie nach China, doch es wurde Chile: Vor 50 Jahren ging die deutsche Ordensschwester Karoline Mayer nach Südamerika, um dort Missionarsarbeit zu leisten und armen Menschen zu helfen. Die Enttäuschung, von ihrem niederländischen Orden Steyler Missionare nicht in das Reich der Mitte geschickt zu werden, war für die gebürtige Bayerin anfangs groß - doch umso mehr packte sie Chile.

Angetrieben von dem unbedingten Wunsch, Armen zu helfen, kam Mayer 1968 mit 25 Jahren in Chile an. „Mit Applaus empfingen sie mich nicht. Ich trug Schwesterntracht und war eine Fremde, die nur wenig Spanisch sprach. Ich wollte einfach etwas Nützliches tun und die Leute für mich gewinnen, damit sie mir vertrauen“, erzählt die Ordensschwester über ihre ersten Tage im Land.

Leid der anderen und Hilfsbedürftigkeit immer vor Augen

Woher kommt ihr Engagement? 1943 während des Zweiten Weltkrieges geboren, erinnert sich die Bayerin an die Not der Menschen in der Nachkriegszeit. Unter starkem Hunger litt sie selbst wegen des Bauernhofs der Großeltern weniger, aber das Leid und die Hilfsbedürftigkeit der Anderen prägten sie.

„Fröhlich, frech und nicht zu bändigen“ war Mayer nach eigener Aussage als Kind. Sie las alles, was ihr in die Hände fiel, so auch ein Faltblatt über christliche Missionierung. Das brachte sie auf die Idee, in China zu missionieren. Mit elf Jahren äußerte sie zum ersten Mal den Wunsch, in ein christliches Internat zu gehen.

Die erste Zeit als 25-Jährige in Chile war schwierig: „Ich wusste nicht was ich tun, wo ich anfangen sollte. Das Elend war so groß.“ Zunächst lebte sie in der Glaubensgemeinschaft, bekam später aber die Erlaubnis, im Dorf mit den Armen zu leben. Der Tag, an dem sie zusammen mit zwei Ordensschwestern aus den Niederlanden in das kleine Haus einzog – sechs mal sechs Meter – „war der glücklichste Tag meines Lebens“, sagt sie mit Freude im Gesicht.

Präsident zu Gast

In Chile lebte Mayer seit 1968 fast ununterbrochen. Sie studierte an der Universität um Krankenschwester zu werden. Seit 1990, mit dem Übergang von der Diktatur von Augusto Pinochet zur Demokratie, leitet sie ihre eigene Stiftung Cristo Vive (Christus lebt). Diese hilft mittlerweile mehr als 30.000 Menschen und ist auch in Peru sowie Bolivien aktiv.

„Über die Stiftung haben wir versucht, ein Modell voranzubringen, in dem gemeinnützige private Organisationen öffentliche Dienstleistungen anbieten“, sagt Mayer der Deutschen Presse-Agentur. Cristo Vive betreibt dank Spendengeldern allen voran aus Europa unter anderem Kindergärten, Kliniken oder Zentren für gefährdete Jugendliche.

Eine Zäsur in den 50 Jahren im fernen Chile bildete für die Eichstätterin ein Vorfall während der Regierungszeit des Sozialisten Salvador Allende (1970–1973): Der Präsident hatte ein von ihr betreutes Sozialprojekt besucht, worüber auch das Fernsehen berichtete. Kurz darauf bezeichnete ihr Orden sie als „Rebellin" und berief sie aus Chile zurück. Mayer verließ den Orden und kehrte trotz des dortigen Putsches im Dezember 1973 zurück. 1976 wurde Mayer verhaftet. Und blieb. Aus Dank für ihre Arbeit benannte die Gemeinde Recoleta im Norden der Hauptstadt eine Straße nach ihr: Statt „Las Violetas“ prangt auf dem Schild nun „Hermana (Schwester) Karoline Mayer“.

Von: dpa

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