Sieht viele gute Ansatzpunkte in Traditionen und Ritualen: die Schriftstellerin Christina Brudereck

Sieht viele gute Ansatzpunkte in Traditionen und Ritualen: die Schriftstellerin Christina Brudereck

Rituale stärken den Alltag von Christina Brudereck

Rituale geben der evangelischen Theologin und Schriftstellerin Christina Brudereck Halt, Struktur und Trost. Dabei wird sie nicht nur in der christlichen Tradition fündig, wie sie in der Zeit-Beilage „Christ und Welt“ schreibt.

Die Theologin und Schriftstellerin Christina Brudereck hat sich in ihrem Leben schon früh die Frage gestellt, was ihr Halt gibt. Dass dabei Rituale und Traditionen eine große Rolle spielen, war ihr phasenweise mehr und weniger bewusst. Dies verdeutlicht sie in einem Beitrag für die Zeit-Beilage „Christ und Welt“ und gibt vielfältige Beispiele dafür.

Von ihren Großmüttern habe sie lernen dürfen, dass Traditionen innere Stärke verleihen. Eine dieser Traditionen sei es gewesen, sieben Wochen vor Ostern keinen Blumenschmuck zu haben. Angesprochen auf diese strenge Regelung habe Brudereck geantwortet, dass dies für sie eine stimmige und feierliche Tradition gewesen sei. Bei einem schwierigen Auslandsaufenthalt habe sie sich auch in den Traditionen bergen und darin Heimat finden können.

„Tradition brachte sich mit uralten Weisheiten in Erinnerung“

In einer weiteren Krisenzeit habe sie gemerkt, wie wertvoll es war, auf Strophen, Lieder und Gebete zurückzugreifen. „Die Tradition brachte sich in Erinnerung. Mit ihren uralten Weisheiten.“ Diese sei auch weit stärker und älter als ihr „müdes Herz“ gewesen. Als wohltuendes Geschenk erlebe sie ihre täglichen Morgengebete. Das Ritual wolle sie nie wieder hergegeben. Es zeige ihr, dass sie von Gott geliebt sei.

In Ritualen könne sich der Sprachlose ein Gedicht, der Müde ein Lied und der Vergessliche eine Geschichte leihen, schreibt Brudereck. In der Trauer hätten ihr die Worte der Kirche geholfen, vor allem beim endgültigen Abschiednehmen habe sie es als großes Geschenk empfunden, die biblischen Worte zu benutzen, „mit denen schon vor mir geglaubt, gehofft und geliebt haben“. Auch das Tischgebet wurde für sie wieder zu einem festen Ritual, weil es „eine dankbare Geste vor dem Genuss der Mahlzeit“ war.

Etliche Rituale habe sie auch in anderen Religionen entdeckt und sich dort geliehen. „Rituale haben das Zeug zum Versöhnen. Sie schaffen Zugehörigkeit. Wir vergewissern uns unserer Werte. Sie feiern mit uns“, schreibt Brudereck. Von daher sei die „alte Tante Tradition“ mit der Zeit zu einer Lieblingstante geworden.

Brudereck lebt als Schriftstellerin in Essen. Sie schreibt über Spiritualität, Menschenrechtsfragen und Poesie. Gemeinsam mit dem Pianisten Ben Seipel, mit dem sie verheiratet ist, bildet die evangelische Theologin das Duo „2 Flügel“. Zudem hat sie drei Romane verfasst, unter anderem gemeinsam mit Jürgen Mette „Reformation des Herzens: Eine vierwöchige Reise zurück zu den Wurzeln“. Außerdem war sie schon mehrmals Predigerin bei der Jugendevangelisation JesusHouse.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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