Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier möchte einer Verrohung der Sprache im Asylstreit entgegentreten

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier möchte einer Verrohung der Sprache im Asylstreit entgegentreten

Steinmeier rügt verrohte Sprache

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den erbittert geführten Asylstreit in der Union kritisiert und vor einer Verrohung der Sprache gewarnt. „Wir müssen zurück zur Vernunft“, sagte er am Sonntag im Sommerinterview der ZDF-Sendung „Berlin direkt“.

Besonders in digitalen Medien drohe die „Grenze des Unsagbaren und des Unsäglichen“ zu verschwimmen. Dies hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Bezug auf den Asylstreit bemängelt. Er halte nichts von übertriebener politischer Korrektheit. Aber man müsse sich verantwortungsvoll streiten. „Das verlangt auch eine gewisse Disziplin bei der Sprache“, warnte der Politiker im Interview von „Berlin direkt“ vor einer Verrohung der Sprache.

Angesprochen auf den von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verwendeten Begriff „Asyltourismus“ sagte Steinmeier, gerade an Regierungsparteien gebe es die Anforderung, „auch auf Sprache zu achten“. Söder meint damit Menschen, die erst in einem anderen EU-Staat und dann auch noch in Deutschland einen Asylantrag stellen wollen.

„Sprache soll nicht spalterisch wirken“

Steinmeier erklärte, er habe in jüngster Zeit besorgte Anrufe von anderen Staatschefs bekommen, zudem hätten viele empörte Bürger geschrieben. Er habe einige zurückgerufen und werde dann gefragt: „Wie sollen wir denn hier vor Ort mit Augenmaß, mit Vernunft um das richtige Argument streiten, wenn die große Politik ihren Vorbildcharakter nicht wahrnimmt“, sagte er mit Blick auf den Konflikt von CDU und CSU über mehr Zurückweisungen von Migranten an der Grenze.

Steinmeier betonte im ZDF, auch Begriffe wie „Achse der Willigen“ (wie sie Österreichs Kanzler Sebastian Kurz für eine engere Kooperation zwischen Österreich, Italien und Deutschland ins Spiel gebracht hatte), seien keine „geeignete Sprache“. Der Weg zu einer gemeinsamen Migrationspolitik in Europa sei schließlich mühsam genug. „Deswegen glaube ich, sollten wir auch keine Sprache pflegen, die noch spalterisch wirken kann.“

Von: dpa

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