Im House of One sollen in einigen Jahren Muslime, Christen und Juden Raum zum Gebet und für Begegnung finden

Im House of One sollen in einigen Jahren Muslime, Christen und Juden Raum zum Gebet und für Begegnung finden

House of One öffnet provisorisch

Im Berliner House of One sollen sich Muslime, Christen und Juden begegnen. Finanziert ist der geplante Bau in Berlin noch lange nicht. Deshalb haben die Initiatoren nun einen provisorischen Pavillon eröffnet, der einen Vorgeschmack auf deren interreligiöse und in Deutschland einzigartige Vision bieten soll.

Der Eingang des House of One-Pavillons auf dem Berliner Petriplatz lässt sich nicht schließen. Immer wieder weht der Wind die Türen aus schlichtem Holz und durchsichtigen Wellplatten während der Vorstellung dieser ersten Niederlassung des interreligiösen Großprojekts auf. Die in diesem Vorgang verborgene Symbolik dürfte den Initiatoren entgegenkommen: Denn kaum etwas betonen Pfarrer Gregor Hohberg, Rabbi Andreas Nachama und Imam Kadir Sanci mehr, wenn sie über das House of One sprechen, als dessen Offenheit. Jeder soll hier willkommen sein, egal welcher Religion oder Weltanschauung.

Bet- und Begegnungsort für drei Religionen

Seit 2014 sammeln die Geistlichen und deren Mitstreiter Spenden für das einmalige und insgesamt 43 Millionen Euro teure Bauprojekt auf dem Petriplatz im Herzen Berlins. 8,5 Millionen haben sie nach vier Jahren und einer, wie sie selbst sagen, erheblichen Großspende zusammen bekommen. Wenn sie bei 12 Millionen angekommen sind, startet die erste Bauphase. Das soll 2019 sein. Wann das Haus in Gänze fertig wird, weiß niemand.

(v.l.) Die Initiatoren des House of One: Pfarrer Gregor Hohberg, Rabbi Andreas Nachama und Imam Kadir Sanci

(v.l.) Die Initiatoren des House of One: Pfarrer Gregor Hohberg, Rabbi Andreas Nachama und Imam Kadir Sanci

Damit Spender und Interessierte aber schon einmal einen Eindruck davon bekommen können, wie die Zukunft aussehen könnte, haben Architekten und Unterstützer nun einen Pavillon auf dem Gelände des geplanten Hauses installiert. Am Montag wurde er feierlich eröffnet, künftig soll es dort Infomaterial zum Projekt und auch schon Veranstaltungen des House of One geben.

Gott begegnen – trotz Straßenlärm

Der Pavillon findet sich genau da, wo einmal auch das House of One stehen soll: In Berlin-Mitte, nur wenige Schritte von einer sechsspurigen Straße entfernt, unweit des Alexanderplatzes. Entsprechend laut ist es im Innern des Provisoriums, das so auch schon bei der Weltausstellung zum Reformationsjubiläum in Wittenberg stand. Wie hier Ruhe und Einkehr möglich sein soll, wird sich zeigen. Architekt Wilfried Kuehn erklärt, man wolle sich an den Lärm gewöhnen. Er sei schließlich Teil der Stadt und gehöre damit auch zum House of One, einem Projekt, das sich nicht nur nach innen, sondern eben auch nach außen richten wolle. Als „sehr mutig“, aber eben anders auch nicht möglich, bezeichnet er den Bauverlauf und die Abhängigkeit vom bisher eher schleppend eintrudelnden Spendenaufkommen.

Zwei Jahre lang soll der Pavillon nun auf dem Petriplatz stehen. Erste Veranstaltungen sind geplant, auch solche, die sich mit „schwierigen Themen“ beschäftigen, wie Imam Sanci kurz vor der Eröffnung erklärt. Damit meint er zum Beispiel, dass sich Vertreter verschiedener Religionen über die Scharia austauschen oder darüber, welches Volk durch Gott auserwählt ist. Bisher habe man solche Diskussionen andernorts friedlich führen können. Nur, wenn Gläubige auch über die Unterschiede zwischen ihren Religionen sprächen, könnten sie wahre Freundschaft untereinander entwickeln, sagt Sanci. Das Programm im House of One-Pavillon beginnt mit einem Vortrag zur Frage: „Wieviel Religion verträgt Europa?“. Auch ein multireligiöses Gebet gehört zu den regelmäßigen Veranstaltungen.

„Wir sind alle drei zurückgekehrt"

Schon einmal stand auf dem Petriplatz ein religiöses Gebäude. Bis zum Zweiten Weltkrieg besuchten Christen in der Petrikirche Gottesdienste. Als sich dort SS-Soldaten verschanzten, wurde das Gotteshaus zerstört und die Ruine in der DDR der 60er Jahre endgültig abgerissen. „Wir stehen hier auf kontaminiertem Gelände", sagt deshalb Rabbi Nachama am Tag der Pavilloneröffnung. Imam Sanci fügt hinzu: „Aber nicht nur die evangelische Kirche ist nun hierher zurückgekehrt – sondern wir alle drei sind hier."

Von: Anna Lutz

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