Der geschäftsführende Bundesjustizminister Heiko Maas will jüdisches Leben in Deutschland schützen

Der geschäftsführende Bundesjustizminister Heiko Maas will jüdisches Leben in Deutschland schützen

Maas: „Wir tun alles, um jüdisches Leben bei uns zu schützen“

Der geschäftsführende Bundesjustizminister Heiko Maas empfindet jüdisches Leben in Deutschland als ein Geschenk. Das sagte er anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Holocaust-Überlebende beklagte zunehmende Fremdenfeindlichkeit.

Der geschäftsführende Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will antisemitische Übergriffe in Deutschland nicht dulden. „Wer jüdisches Leben attackiert, der muss mit aller Konsequenz des Rechtsstaates verfolgt werden“, sagte Maas der Deutschen Presse-Agentur zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar. „So etwas gehört weder auf irgendwelche Demonstrationen noch ins Netz.“ Die Botschaft an die Juden in Deutschland müsse sein: „Dass überhaupt wieder jüdisches Leben in unserem Land gewachsen ist, begreifen wir als unverdientes Geschenk. Wir tun alles, um jüdisches Leben bei uns zu schützen.“

Maas betonte aber, Antisemitismus und Israel-Hass seien keine Probleme, die allein mit den Mitteln des Strafrechts zu lösen seien. Dies sei auch eine Bildungsaufgabe. „Zur Identität unseres Landes gehört, dass wir keine Form von Antisemitismus akzeptieren und uns klar zum Existenzrecht Israels bekennen“, sagte er. „Diese Grundsätze müssen wir deutschen Schülern ebenso vermitteln wie den Geflüchteten, die zu uns nach Deutschland kommen.“

Auf dem Grünen-Parteitag in Hannover beklagte die Holocaust-Überlebende Hanni Lévy zunehmende Fremdefeindlichkeit in Deutschland. „Früher hat man gesagt, die Juden sind an allem schuld, heute sind es die Flüchtlinge“, sagte die 93-Jährige, die sich während des Holocausts in Berlin vor Nazi-Verfolgung versteckte. „Man sollte nie vergessen, wie schwer es für Menschen ist, alles zurückzulassen, um zu leben.“

Mehr Austausch zwischen Juden und Muslimen

Der Vorsitzende des Landesverbandes des jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, Michael Fürst, hat ein größeres Engagement muslimischer Gemeinden für das Holocaust-Gedenken gefordert. Als Beispiel nannte er im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ eine Aktion der liberalen Berliner Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, die vor dem Holocaust-Gedenktag ein Foto von einem Stolperstein mit der Ankündigung „Stolpersteine putzen“ twitterte.

Fürst plädierte für mehr Austausch zwischen Juden und Muslimen. „Muslimische Jugendgruppen könnten zum Beispiel jüdische Gemeinden und auch Gedenkstätten besuchen.“ Dies müsse aber von der muslimischen Zivilgesellschaft ausgehen.

Fürst geht davon aus, dass das Bewusstsein für den Holocaust abnehmen wird. „Wir müssen die Erinnerung wach halten - ohne Schuldzuweisung. Entscheidend ist, dass wir den Kindern vermitteln: Es waren Deutsche, die diese Verbrechen begangen haben. Du als Kind kannst nichts dafür. Aber du kannst trotzdem Verantwortung dafür übernehmen, dass so etwas nie wieder passiert. Denn es könne wieder passieren“, mahnte Fürst.

Am 27. Januar 1945 hatten sowjetische Truppen das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Dort waren von 1940 bis 1945 etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet worden. Insgesamt wurden unter nationalsozialistischer Herrschaft in Europa rund sechs Millionen Juden ermordet.

Autor: dpa

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