Frauen in Israel: Die Bibel zeichnet ein wertschätzendes Bild

Frauen in Israel: Die Bibel zeichnet ein wertschätzendes Bild

Frau, du hast Wertschätzung verdient!

Die biblischen Geschichten berichten von zahlreichen Glaubensheldinnen, die alles andere waren als „Heimchen am Herd“. Ihr Vorbild ist heute aktueller denn je.

Martin Luther hat genau hingeschaut. „Eine Frau“, so soll er gesagt haben, „hat häuslich zu sein, das zeigt ihre Beschaffenheit an; Frauen haben nämlich einen breiten Podex und weite Hüften, daß sie sollen stille sitzen.“

Stille sitzen! Als ob bei den Luthers irgendwas funktioniert hätte, wenn seine Käthe den ganzen Tag herumgesessen hätte, statt den kinderreichen Haushalt zu schmeißen und die Gäste zu bekochen, die regelmäßig bei ihnen zu Tische saßen, um sich seine klugen Reden anzuhören.

Stille sitzen! Dahinter steckt nicht nur die Missachtung hausfraulicher Leistungen. Mit seiner Forderung, „häuslich zu sein“, bekräftigte Luther auch die traditionelle Vorstellung von einer anständigen Frau, die ihren Platz in der Küche hatte und im Kindbett, und die sich nur nicht anmaßen sollte, irgendwelche anderen Ämter für sich zu beanspruchen. Es ist eine Vorstellung, für die Paulus mit seiner Beschreibung der Frau als einem „schweigenden“, dem Mann untergeordneten Wesen bis heute zahllosen Christen die biblische Rechtfertigung gibt. Doch wer sich die Frauen in der Bibel genauer anschaut, der begegnet Persönlichkeiten, die alles andere tun, als „stille zu sitzen“, die weder angepasst noch schweigend sind: Frauen, die sich die Freiheit nehmen, Traditionen in Frage zu stellen, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und umzusetzen. Frauen, die gerade aufgrund ihrer Mobilität sowie ihres Mutes, den Mund aufzumachen, Heldinnen des Glaubens waren – Frauen, deren Beispiele heute aktueller sind denn je.

Die Rolle der Frau verändert sich radikal. Frauen wollen alles: Eine gute Ausbildung, Kinder, einen Beruf, mit dem sie sich verwirklichen können. Kein Wunder, dass sie häufig an ihre Grenzen stoßen. Das Müttergenesungswerk registrierte allein zwischen 2011 und 2015 einen Anstieg der Anträge auf eine Mutter-Kind-Kur von 39.000 auf 49.000. Jede fünfte Mutter soll kurz vor dem Burnout stehen. Psychologen und Ärzte führen das vor allem auf eine „weibliche Schwäche“ zurück: Frauen wollen nicht nur alles gut machen, sie wollen es auch allen recht machen. Dem Partner, dem Arbeitgeber, den Kindern. Frauen, so der Appell der Experten, sollten sich wieder mehr auf das besinnen, was ihnen guttut. Dann können sie auch gute Mütter, Partnerinnen, Mitarbeiterinnen und Chefinnen sein.

Frauen nicht an ihren hausfraulichen Fähigkeiten messen

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ – Jesus hat schon vor 2.000 Jahren auf den Punkt gebracht, dass wir bei aller Liebe für die Anderen auch für uns sorgen müssen. Jesus hat auch seine Freundin Maria in Schutz genommen, als sich ihre Schwester Marta so darüber aufgeregt hat, dass diese ihr nicht bei der Bewirtung des Gastes half, sondern einfach nur dasaß, um ihm zuzuhören. „Marta, Marta“, hatte er gesagt, „du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.“ (Lukas 10,38–42).

Wie schön, zu wissen, dass Jesus den Wert einer Frau nicht nach ihren hausfraulichen Fähigkeiten bemessen hat, wie beruhigend für alle, die in diesen Aufgaben nicht ihre Erfüllung finden. Wie wertvoll die andere Botschaft: Zum richtigen Zeitpunkt die Bremse ziehen, Kraft schöpfen, der Seele Gutes tun – das ist wichtiger, als eine vollkommene Gastgeberin zu sein. Es ist eine Lektion, die Frauen gar nicht oft genug umsetzen können. In Zeiten wie diesen, in denen sie vor allem als Multi-Tasking-Talente gefragt sind, allemal.

Frauen im Spagat zwischen Beruf und Familie finden vor allem in ihr ein gutes Beispiel: In der „tüchtigen Frau“, die im Buch der Sprüche (31,10–31) einen Ehrenplatz hat. Einen Namen hat sie nicht. Sie ist ein Ideal, das zeigt, welche Wertschätzung im alten Israel einer selbstbestimmten Frau entgegengebracht wurde. Die Frau, die hier geschildert wird, ist gleichberechtigt. Unterordnung, Gehorsam gegen den Ehemann – kein Wort davon. Sie ist furchtlos und klug – und ungeheuer geschäftstüchtig. Sie hat Mägde, die sie im Haushalt entlasten, damit sie aus ihrem Weinberg Kapital schlagen und mit Kleidern und kostbaren Gürteln handeln kann. „Sie ist wie ein Kaufmannsschiff“, heißt es, „ihren Unterhalt bringt sie von ferne.“

Und der Mann? Die Kinder? Die finden ihre Super-Mami toll. „Es sind wohl viele tüchtige Frauen“, sagt der Gatte, ohne eine Spur von Neid und Nörgelei, „du aber übertriffst sie alle." Was wir von ihr lernen können? Hab kein schlechtes Gewissen, wenn dein Alltag nicht nur darin besteht, deiner Familie das Leben schön zu machen! Du hast Wertschätzung verdient!

Anerkennung, positive Bestärkung brauchen Frauen auch heute ebenso wie Kooperation. Nach Männern, die ihren Frauen im Haushalt zur Hand gehen, muss man in der Bibel allerdings lange suchen. Einen Mann am Herd gibt es aber schon: Jakob, Isaaks Sohn und Zwillingsbruder von Esau. Er war der Liebling seiner Mutter Rebekka. Sie hat ihn gut erzogen. Er konnte jedenfalls so gut kochen, dass Esau für ein Essen von ihm sogar sein Erstgeburtsrecht hergab.

Die Frauen in der Bibel verhätscheln ihren Nachwuchs nicht. Sie lieben ihre Kinder über alles, aber sie lassen sich nicht von ihnen aussaugen, sondern trauen ihnen viel zu, sorgen dafür, dass sie selbstständig und lebenstüchtig werden. Wie viel Kreativität sie dabei entwickeln können, zeigt Jochebeds Tochter Mirjam. Sie hatte am Ufer gewartet, nachdem der kleine, von den Schergen des Pharao bedrohte Mose beim letzten Rettungsversuch in einem Körbchen aufs Wasser gelegt worden war. Als die Tochter des Pharao ihn fand, hatte Mirjam die geniale Idee, der Prinzessin Jochebed als Amme vorzuschlagen, sodass der kleine Bruder erst mal wieder bei seiner Familie leben konnte.

Paulus setzte auf weibliche Unterstützung bei der Mission

Die Heldinnen der Bibel lassen sich nicht unterkriegen. Sie verlieren nie den Mut. Sie lassen sich nichts sagen, was sie nicht selbst für richtig halten. Sie fügen sich nicht in unerträgliche Verhältnisse, sondern finden Wege aus der Krise. Und wenn es sein muss, treffen sie ihre Entscheidungen auch gegen den Willen des Ehemanns. So wie Abigail, die Frau des reichen Nabal, der sich geweigert hatte, David und sein Gefolge als Dank für den Schutz seiner Herden zu bewirten. Als Abigail erfuhr, dass David sich dafür rächen wollte, zog sie ihm mit Speisen entgegen und bat ihn für die Abweisung ihres Mannes um Vergebung. Mit ihrem Mut und ihrer Tatkraft rettete sie nicht nur ihre Familie, sondern eröffnete sich auch eine völlig neue und spannende Welt. David verliebte sich nämlich in sie. Nach Nabals baldigem Tod wurde Abigail die Frau des künftigen Königs von Israel.

Abigail gilt in der jüdischen Tradition als Prophetin. So wie Deborah, die auch Richterin war. Oder Hulda, die mit ihren unangenehmen Wahrheiten vor Königen und Priestern nicht hinterm Berg hielt. Die Frauen in der Bibel haben Visionen, denken in die Zukunft und nehmen manchmal Dinge wahr, für die andere blind sind. Hanna zum Beispiel, die 84-Jährige, die im Tempel war, als Maria und Josef mit ihrem Neugeborenen kamen. Sie erkannte kurz nach Simeon als eine der ersten Personen überhaupt in dem Baby den Messias – und verbreitete die Nachricht. Einige Jahre später waren es wieder Frauen, die etwas Wesentliches erkannt und weitergetragen haben: Die Jüngerinnen, die am Ostermorgen am leeren Grab standen, verkündeten die wichtigste Botschaft des Christentums – die Auferstehung.

Und dennoch sind Frauen bis heute in der Katholischen Kirche vom Pfarramt ausgeschlossen. Paulus muss als Beleg herhalten. Aber ob der Apostel das wirklich so gemeint hat, als er im Ersten Korintherbrief die Frauen aufforderte, in Versammlungen nicht das Wort zu ergreifen und sich generell dem Mann unterzuordnen? Manche Theologen halten es für möglich, dass er sich den Sitten der hellenistischen Welt anpassen wollte, um die ohnehin mit Argwohn betrachteten Christen nicht mehr als nötig in Misskredit zu bringen, indem er den Frauen eine größere Bedeutung zumaß als in der übrigen Gesellschaft. Tatsächlich hatten Frauen in den ersten Gemeinden eine Bedeutung, die bei Nichtchristen mit Sicherheit für kritisches Erstaunen, wenn nicht für Unmut sorgte. „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen“, heißt es im Galater-Brief (3,27): „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“ Wie sonst, wenn nicht mit dieser Einsicht, ließe sich erklären, dass der Apostel bei der Missionierung auf weibliche Hilfe ebenso setzte wie auf männliche? Die erste Person, die in Europa getauft wurde, war übrigens eine Frau. Keine Hausfrau, sondern eine erfolgreiche Purpurhändlerin: Lydia aus Philippi. Ihr Haus wurde zum Treffpunkt der Getauften.

Und Martin Luther? Der große Reformator, für den die weiblichen Kurven als Beleg dafür herhalten mussten, dass eine Frau immer schön zu Hause bleiben sollte – der war selber ganz schön mollig.

Claudia Becker arbeitet als Redakteurin für die Berliner Tageszeitung Die Welt. Die promovierte Historikerin ist verheiratet und Mutter von drei Kindern.

Claudia Becker arbeitet als Redakteurin für die Berliner Tageszeitung Die Welt. Die promovierte Historikerin ist verheiratet und Mutter von drei Kindern.

Der Artikel ist im Christlichen Medienmagazin pro erschienen, das Sie kostenlos unter der Telefonnummer 06441/915-151, per E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online bestellen können.

Von: Claudia Becker

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