„Wir wollen Christen zur engagierten Nachfolge ermutigen“, sagt Rainer Holweger, Geschäftsführer der Christustage, über die Ziele der Veranstaltung

„Wir wollen Christen zur engagierten Nachfolge ermutigen“, sagt Rainer Holweger, Geschäftsführer der Christustage, über die Ziele der Veranstaltung

Jesus: der beste Weg, hier und jetzt zu leben

Zu den „Christustagen“ hat die „ChristusBewegung Lebendige Gemeinde“ eingeladen. Ein Gespräch mit deren Geschäftsführer Rainer Holweger über die Höhepunkte - und warum auch hier Fragen um gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht ausgeklammert wurden.

pro: Die württembergische „ChristusBewegung Lebendige Gemeinde“ hat an Fronleichnam zu „Christustagen“ eingeladen. Was war Ihr persönlicher Höhepunkt?

Rainer Holweger: Um mir als Haupt-Organisator einen Eindruck zu verschaffen, besuche ich jeweils mehrere Konferenzen. Ich war dieses Jahr in Heilbronn, Ludwigsburg, Stuttgart und dann noch gegen Ende in Reutlingen. Die Begegnung mit Bischof Singh sowie die Bibelarbeiten von Maité Gressel und Peter Hahne waren meine drei persönlichen Höhepunkte dieses Jahr; in Reutlingen waren die Besucher bereits am Gehen, aber ich hatte noch sehr gute Gespräche mit dem Team vom Albrecht-Bengel-Haus.

Erklären Sie uns kurz das Konzept dieser Veranstaltungen?

Wir wollen Christen zur engagierten Nachfolge ermutigen, zum Vertrauen in die Bibel einladen und überregionale Begegnungen ermöglichen. Über 400 Ehrenamtliche bereiten mit uns an verschiedenen Orten die Konferenzen in Baden und Württemberg vor. An jedem Ort gibt es eine Mischung aus Bibelarbeiten, Interviews, Musik und Informationen aus der Landeskirche sowie freien Werken und Verbänden. Wir planen gemeinsam die Auswahl der Texte und die Aufteilung der Referenten, ansonsten gibt es eine breite Vielfalt, wie die einzelnen Orte die Konferenz jeweils gestalten.

Warum finden die „Christustage“ an verschiedenen Veranstaltungsorten statt?

Dieses Konzept hat sich im Laufe der Zeit entwickelt und sehr bewährt. Der Wunsch war nach und nach in verschiedenen Regionen vorhanden, schließlich sogar über die Grenzen der Landeskirchen in Baden und Württemberg hinweg. Überall, wo es möglich ist, helfen wir als Geschäftsstelle dabei, so eine Konferenz aufzubauen. Wir feiern an unterschiedlichen Orten und sind doch über das gemeinsame Format und die gemeinsamen Texte verbunden.

Sie haben das Glaubenstreffen auch schon als zentrale Großveranstaltung angeboten. Wieso sind Sie von diesem Konzept wieder abgerückt?

Das Konzept der zentralen Veranstaltung gibt es nach wie vor. Die riesigen Großveranstaltungen mit zuletzt über 20.000 Besuchern sind jedoch deutlich aufwändiger zu organisieren. Deshalb finden sie nur in unregelmäßigen Abständen statt.

In diesem Jahr haben Sie die „Christustage“ nicht nur als Bibelkonferenz, sondern explizit als „Bibel- und Missionskonferenz“ ausgerichtet. Warum?

Berichte aus der Mission spielten schon immer eine Rolle. Wir wollen jedoch, dass die hervorragende Arbeit unserer Missionswerke noch stärker in das Bewusstsein rückt. Uns ist es dabei vor allem wichtig, die Perspektive der Christen aus anderen Ländern zur Sprache zu bringen. Deshalb haben wir zum einen den Bereich der Informationsstände ausgebaut und zum anderen zum Beispiel in Heilbronn Gäste aus Indien eingeladen, in Stuttgart eine Übersetzung in Arabisch und Farsi angeboten hatten und noch weitere Referenten aus anderen Ländern zu Gast.

Nennen Sie uns Beispiele, die Sie besonders überzeugen.

Da gibt es sehr viele Begegnungen, die in Frage kommen. Von den Geschwistern aus Indien können wir unglaublich viel lernen, was Nachfolge bedeutet. Wie diese Partnerschaft zwischen Christen aus Württemberg und der Nethanja-Kirche in Indien zustande kam, ist faszinierend. Für die Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten setzen sich der blinde Theologe Dr. Hanna Josua und seine Frau Heidi seit Jahrzehnten hochprofessionell und hochengagiert ein. Ihre interkulturelle Kompetenz und Mehrsprachigkeit ist für uns gerade in der Begegnung mit Geflüchteten ein unverzichtbarer Schatz. Und wer Menschen wie Yassir Eric kennt, der im Sudan in einer streng muslimischen Familie aufwuchs und dann zum Glauben an Jesus Christus fand, der weiß, wie bereichernd solche Freundschaften zu Christen aus anderen Kulturen sind.

Seit Ende Mai gibt es in Baden-Württemberg heftige Kontroversen rund ums Thema gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Dies wurde auch im Rahmen der Christustage thematisiert. Warum ist dieses Thema so ein Dauerbrenner? 

Wie überall ist das Thema „Ehe für alle“ gesellschaftlich hoch umstritten. In der Württembergischen Landeskirche ist die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare verboten. Aktuell liegt ein Antrag in der Synode vor, solche Segnungen zu ermöglichen und die Trauagende entsprechend zu ändern. Die mit unserer Bewegung verbundene Synodalgruppe Lebendige Gemeinde kann dafür jedoch keinen biblischen Auftrag erkennen. In den letzten Monaten gab es verschiedene Beratungen und Gesprächen auch mit Betroffenen. Ende Juni soll ein interner Studientag der Synodalen stattfinden. Die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold hat sich in einem Artikel in der Stuttgarter Zeitung Ende Mai öffentlich für die Einführung solcher Segnungen ausgesprochen, ohne die Ergebnisse des Studientags und des weiteren synodalen Prozesses abzuwarten. Wenige Tage später wurde bekannt, dass sie als Mitglied der Kirchenleitung ohne jede Rücksprache mit Bischof oder Kollegium die Schirmherrschaft des Stuttgarter Christopher-Street-Days übernimmt. Das hat auf allen Ebenen intensive Gespräche und Debatten ausgelöst.

Welche Botschaft können Christen bundesweit aus dem Christustag mitnehmen?

Der blinde Theologiestudent Sascha Wössner hat zum Thema „Jesus sehen“ in Bad Liebenzell den wunderbaren Satz formuliert: „Jesus ist nicht nur der eine und beste Weg einmal zu sterben und in den Himmel zu kommen. Jesus ist jetzt und heute der beste Weg, hier und jetzt zu leben.“

Der 43-jährige Theologe Rainer Holweger aus Herrenberg ist Geschäftsführer der „ChristusBewegung Lebendige Gemeinde“. Er organisierte die „Christustage“ 2014 in der Mercedes-Benz-Arena, auf den Kirchentagen 2015 und 2017 sowie an den dezentralen Orten in Baden und Württemberg. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Stefanie Ramsperger. (pro)

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