Die Deutsche Islamkonferenz soll die religionspolitische Anbindung von Muslimen in Deutschland beschleunigen
Die Deutsche Islamkonferenz soll die religionspolitische Anbindung von Muslimen in Deutschland beschleunigen

Muslime wollen eigenen Wohlfahrtsverband

Die Deutsche Islamkonferenz (DIK) hat darüber beraten, ob es für Muslime künftig einen eigenen Sozialverband geben soll. Wie der aussehen kann, ist noch unklar.

Am Dienstag ist in Berlin erstmalig in dieser Legislaturperiode die Deutsche Islamkonferenz zusammengetreten. Die Teilnehmer haben unter anderem darüber beraten, wie soziale Dienstleistungen von Muslimen für Angehörige ihrer Religion verbessert werden können. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärte, dass das Thema Wohlfahrt ein „Problem von hunderttausenden Menschen gleich welchen Glaubens“ sei. „Dies gemeinsam unter Wahrung der kulturellen Hintergründe zu organisieren, ist ein wertvoller Beitrag für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft“, sagte de Maizière.

Nach Angaben der Tageszeitung Die Welt schwebt den Muslimen in Deutschland ein eigener islamischer Wohlfahrtsverband nach kirchlichem Vorbild vor. Den gibt es bislang nicht. Für Erol Pürlü, den Sprecher des Koordinationsrates der Muslime, wäre ein eigener, muslimischer Wohlfahrtsverband ein „Zeichen weiterer Gleichberechtigung des Islam“ gegenüber den Kirchen.

Wer Träger dieses Verbandes sein kann, ist noch ungeklärt. Die muslimischen Glaubensgemeinschaften in Deutschland verfügen über keine einheitliche Dachorganisation. Stattdessen sind die verschiedenen Gruppen in jeweils eigenen Strukturen organisiert, etwa im Zentralrat der Muslime in Deutschland, oder in der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB). An der Deutschen Islamkonferenz nehmen neben DITIB noch neun weitere muslimische Verbände teil, darunter der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) und der Dachverband Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD), der wiederum nach eigenen Angaben aus rund 260 Einzelvereinen besteht.

Für Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) ist die fehlende Dachorganisation ein Grund zur Skepsis. Die Idee, einen eigenen muslimischen Wohlfahrtsverband zu schaffen, ist nicht neu. Die kirchenpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Kerstin Griese, hatte sich schon 2013 für die Schaffung eines solchen Verbands ausgesprochen. Gegenüber dem Deutschlandfunk hatte Griese erklärt: „Ich glaube, wir brauchen eine Weiterentwicklung vom Staatskirchen- hin zu einem Religionsverfassungsrecht, was die muslimischen Organisationen in die Lage versetzt, zum Beispiel einen Wohlfahrtsverband zu gründen, der Pflegeheime, Altenheime, Kindertagesstätten betreiben kann“. Die Politikerin war von 2009 bis 2010 als hauptamtliches Bundesvorstandsmitglied des Diakonischen Werks der EKD zuständig für den Arbeitsbereich Sozialpolitik. (pro)

Von: nob

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