Wirtschaft | 22.03.2016

Ehrendoktor Friedhelm Loh im Talar der Technischen Universität Chemnitz

Ehrendoktor Friedhelm Loh im Talar der Technischen Universität Chemnitz
Foto: pro/Michael Müller

An seiner Seite: Lohs Ehefrau Debora

An seiner Seite: Lohs Ehefrau Debora
Foto: pro/Michael Müller

Rektor der Freien Theologischen Hochschule Gießen: Stephan Holthaus

Rektor der Freien Theologischen Hochschule Gießen: Stephan Holthaus
Foto: pro/Michael Müller

Das Kammerorchester der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz spielte Haydn

Das Kammerorchester der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz spielte Haydn
Foto: pro/Michael Müller

Der kommissarische Rektor Andreas Schubert (l.) und Prodekan Thomas Lampke (r.) flankieren den Ehrendoktor

Der kommissarische Rektor Andreas Schubert (l.) und Prodekan Thomas Lampke (r.) flankieren den Ehrendoktor
Foto: pro/Michael Müller

Laudator Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft

Laudator Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft
Foto: pro/Michael Müller

Andächtiges Lauschen im Hörsaal der Technischen Universität Chemnitz

Andächtiges Lauschen im Hörsaal der Technischen Universität Chemnitz
Foto: pro/Michael Müller

Einmarsch des Geehrten

Einmarsch des Geehrten
Foto: pro/Michael Müller

Bete und arbeite: Christlicher Firmenchef Loh erhält Ehrendoktorwürde

Die Technische Universität Chemnitz hat dem Inhaber und Vorstandsvorsitzenden der Friedhelm Loh Group, Friedhelm Loh, am Montag die Ehrendoktorwürde verliehen. Lohs Glaube spielte beim Aufstieg seines Unternehmens eine entscheidende Rolle.

Am Ende versagt Friedhelm Loh die Stimme. Der Vorsitzende der Friedhelm Loh Group, die mehr als 11.500 Mitarbeiter beschäftigt und einen Jahresumsatz von über 2 Milliarden Euro hat, steht hinter dem Rednerpult des großen Hörsaals der Technischen Universität Chemnitz. Der Moderator des Festaktes, David Laux, hat ihm gerade den Doktorhut aufgesetzt. Stimmlich etwas angeschlagen, zeigt sich Loh, ob der vielen Lobreden, „beschämt“ angesichts seiner Ehrendoktorwürde.

Der Festvortrag des Rektors der Freien Theologischen Hochschule Gießen, Stephan Holthaus, hat Loh besonders aus dem Herzen gesprochen. Unter dem Titel „Ora et labora, oder warum es sich lohnt, mit Werten in Führung zu gehen“ erinnerte Holthaus an Benedikt von Nursia, den Begründer des Benediktinerordens. Ihm sei nicht mehr ausschließlich die Kontemplation wichtig gewesen, sondern auch die harte Arbeit der Mönche. Übersetzt bedeutet „Ora et labora“ „Bete und arbeite“. Die beiden Begriffe seien die Grundlage der christlichen Arbeitsethik.

„Ich bin ein harter Arbeiter“

„Wir sind hier nicht in einem Kloster“, führte Holthaus aus. Die Welt habe sich weitergedreht. Aber die Regeln Benedikts seien heute noch hochaktuell. Die Gesellschaft stelle die Arbeit über alles, aber es fehle der Sinnhorizont. Holthaus erinnerte an die Geschichte des Steinmetzes, der sich nach jahrelanger harter Arbeit im Steinbruch fragte, wozu er sich so abrackerte. Als er den Bauherrn darauf ansprach, erwiderte dieser, dass der Steinmetz am Kölner Dom mitbaue. Auf einmal sei aus einer Anstrengung ein Gottesdienst geworden, eine Arbeit mit Sinn.

Während viele Führungskräfte versuchten, sich in ihren Titeln zu übertrumpfen, habe Loh sich in einer Begegnung mit ihm schlicht als „harter Arbeiter“ vorgestellt. Die Arbeit sei nur die Schale, aber nicht der Kern. Sie brauche ethische Leitplanken, ansonsten sei sie nur Maloche im Steinbruch. Das Motto „Ora et labora“ besitze für Loh deswegen eine besondere Bedeutung.

Wichtige Grundlage des Erfolgs: das Elternhaus

„Dass so ein Lausbub einmal einen Doktor bekommt“, wunderte sich Loh. Er erinnerte an seine Eltern, denen er den Sprung zum Unternehmertum verdanke. 1974 hatte Loh die Geschäftsführung der Firmen Rittal und Ritto übernommen. Ungefähr 2.500 patentierte Entwicklungen hat die Unternehmensgruppe zum internationalen Markt- und Technologieführer in vielen Branchen gemacht. „Meine Eltern vermittelten mir die christlichen Werte und den Glauben an Gott“, sagte Loh. Sie seien seine Vorbilder gewesen. Als großes Privileg sah er es an, bei ihnen aufwachsen zu dürfen. Ihren Wahlspruch „Ora et labora“ habe er für sein Leben verinnerlicht.

Der Unternehmer sieht es als seinen Auftrag an, Erfahrung und Innovation in einen Mehrwert umzusetzen. Deswegen habe er 2014 an der TU Chemnitz auch die Stiftungsprofessur Systemtechnik und Schaltmodule ins Leben gerufen. Ihm fehle im Chemnitz eine Fakultät für Theologie: „Sozial zu sein bedeutet für mich eine christlich-ethische Einstellung in Kombination mit wirtschaftlicher Stärke.“ Abschließend erinnerte der Geehrte die Gäste daran, dass die deutsche Wirtschaft sich verändern müsse, wenn sie Marktführer bleiben wolle.

„Gott vergibt, das Internet nie“, sagte Loh im Hinblick auf die digitalen Herausforderungen der Zukunft. Allianzen und Netzwerke zwischen Wirtschaft und Universitäten würden über den zukünftigen Erfolg entscheiden. „Mein Gottesbild geht von einer großen freiheitlichen Individualität aus“, erklärte Loh. Diese könne aber in der heutigen digitalen Welt nur allzu schnell verloren gehen, die Digitalisierung Segen oder Geißel für die Menschheit werden.

Das Kammerorchester der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz umrahmt die Verleihung feierlich. Grußworte überbrachten der Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich (CDU), der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Markus Kerber, und das Vorstandsmitglied der Siemens AG, Klaus Helmrich. Der Prodekan der Fakultät für Maschinenbau, Thomas Lampke, trug die Festansprache vor. Der Ehrendoktor sei ein Vorbild für den Wissenstransfer zwischen Wirtschaft und Universität. Der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Reimund Neugebauer, hielt die Laudatio auf den Ehrendoktor. Loh habe sein Erfolgsmodell nicht nur durch Mengen-, sondern vor allem durch Wertewachstum geschaffen. (pro)

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