Wolfgang Huber ist "Vordenker 2009"
Huber
war von 2003 bis 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands
(EKD) und bis Mitte November Bischof der Landeskirche
Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Die Auszeichnung erhielt Huber im
Rahmen des 2. "Finanzforums Vordenken", das am Montag mit mehr als 150
Teilnehmern in der Frankfurt School of Finance and Management stattfand.
"Wir
ehren heute eine Persönlichkeit, die sich aufgrund ihres Handelns als
visionärer Vordenker und Impulsgeber verdient gemacht hat", sagte Plansecur-Geschäftsführer
Johannes Sczepan. Huber sei aufgrund seiner "unbestechlichen Urteilskraft,
seiner fundierten Analysen und seiner klaren Handlungsempfehlungen" zu
einer Instanz geworden, deren Meinung in theologischen, gesellschaftlichen und
auch wirtschaftlichen Fragen geschätzt und gefordert sei, so Sczepan.
Werth:
Huber setzt andere in Bewegung
Die
Laudatio auf Huber hielt der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz und
Vorstandsvorsitzende von ERF Medien, Jürgen Werth. Er würdigte Huber als
Menschen, der "vorausschaut, vorausdenkt und sich und andere in Bewegung
setzt". Huber habe als "Beweger" dem Amt des
EKD-Ratsvorsitzenden eine neue Qualität vermittelt und unverwischbare Spuren
hinterlassen. "Sie haben der evangelischen Welt gut getan. Sie haben uns
aus dem heraus gelockt, was Sie selbst die 'Selbstsäkularisierung der Kirche'
genannt haben", so Werth. Die evangelische Kirche im Jahr 2009 habe durch
Huber "eine andere Passform" als die evangelische Kirche des Jahres 2003
erhalten. Er dankte Huber zudem dafür, dass dieser immer wieder auf alle
evangelischen Strömungen zugegangen sei und den Dialog gefördert habe.
Wolfgang
Huber zeigte sich erfreut darüber, nach dem Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Professor
Norbert Walter, als zweiter "Vordenker" gewürdigt worden zu sein. Er
danke ganz besonders dafür, dass seine Bemühungen um einen Reformprozess in der
evangelischen Kirche von einem Finanzdienstleister als preiswürdig anerkannt
würden. Darin zeige sich die Einsicht, dass nicht nur der Staat, sondern auch
Wirtschaft und Finanzen von Voraussetzungen abhängen, die sie selbst nicht
hervorbringen könnten.
Die
Antwort der Kirchen auf die Grundfragen menschlichen Zusammenlebens sei
insofern auch für die Wahrnehmung wirtschaftlicher Verantwortung unerlässlich.
Huber erneuerte in diesem Zusammenhang seinen Appell, die soziale
Marktwirtschaft im Sinn einer nachhaltigen, global verantworteten sozialen
Marktwirtschaft weiterzuentwickeln.
Im
Rahmen des "Finanzforum Vordenken" warnte Walter in einem Vortrag vor
den Folgen der Alterung der deutschen wie europäischen Bevölkerung. "Wir müssen uns der Wirklichkeit stellen und die Menschen dort abholen, wo sie sind", sagte Walter. Fakt sei, dass 40 Prozent der akademisch ausgebildeten Männer und 35 Prozent der Akademikerinnen in Deutschland keine Kinder hätten. Die bereits vorhandene Kinderlosigkeit werde massive Auswirkungen auf die Kosten im Gesundheits- und Pflegesystem haben. Walter plädierte daher für eine positive Sicht auf die Zuwanderung von Ausländern. Gleichzeitig müsse in Deutschland eine "Kultur des Tutorseins" eintreten. Jeder Bürger sei verpflichtet, sich um Migranten zu kümmern.
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