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Warum das "Gottesteilchen" "Gottesteilchen" heißt

Im Europäischen Kernforschungsinstitut in Genf (CERN) suchen Forscher nach einem Elementarteilchen, welches eventuell der letzte Puzzlestein im Weltbild der Physik sein könnte. Warum die Medien immer wieder vom "Gottesteilchen" sprechen, erläutern in der "Jüdischen Allgemeinen" ein israelischer Physikprofessor sowie der Erfinder des Namens.

In den Schlagzeilen ist immer wieder von einem "Gottesteilchen" die Rede, wenn es um die Forschungsarbeiten des "Large Hadron Colliders" (LHC) geht. Mit der teuersten und kompliziertesten wissenschaftlichen Anlage aller Zeiten haben sich die Wissenschaftler auf der Suche nach nichts Geringerem als dem "größten Rätsel der Physik" gemacht. Dies schreibt Nathan Aviezer, Physikprofessor der Bar-Ilan-Universität in Israel. Er ist unter anderem Autor des Buches "Am Anfang. Schöpfungsgeschichte und Wissenschaft".

Das Higgs-Teilchen, benannt nach dem britischen Physiker Peter Higgs, könnte laut Theorie der Grund dafür sein, dass Materie Masse besitzt. Aviezer erklärt: "Das Universum scheint aus zwölf verschiedenen Teilchen zu bestehen: drei Arten von Elektronen, drei Arten von Neutrinos, drei Arten von Quarks A und Quarks B. Diese zwölf Teilchen interagieren miteinander mithilfe von vier verschiedenen Kräften: Anziehungskraft, elektromagnetische Kraft, schwache Wechselwirkung und starke Wechselwirkung." Nach den Berechnungen müsste es eigentlich ein weiteres Teilchen geben: das Higgs-Teilchen.

"Gottesteilchen" werde es deswegen genannt, weil es das derzeitige Verständnis vom Universum bestätigen könnte. Vielleicht stellt sich aber auch das konkurrierende Modell als richtig heraus: die String-Theorie. Derzufolge besteht die Welt nicht aus Teilchen, sondern aus winzigen Fäden. Der Physiker Aviezer schwärmt: "Gottes Welt ist unermesslich und voller Wunder! Von der ungeheuren Weite des Weltraums mit seinen Galaxien sonder Zahl bis hin zum mikroskopischen Reich winzigster Teilchen kann man die Herrlichkeiten Gottes erkennen. Einsicht in das Universum zu gewinnen, führt zur Einsicht in die endlose Weisheit Gottes und versetzt uns, wie der Rambam schrieb, in die Lage, ein Gefühl des Staunens und der Liebe für den Herrn des Universums auszubilden." Der jüdische Philosoph Maimonides, genannt "Rambam", hatte auf die Frage, wie man lernen könne, Gott zu lieben, geantwortet: "Die Wunder der Natur und Gottes Geschöpfe zu studieren und in ihnen Seine unendliche Weisheit zu erkennen."

"Das gottverdammte Teilchen"

Der Name "Gottesteilchen" kennzeichne nicht nur die zentrale Bedeutung des Higgs-Bosons für die Teilchenforschung, sondern auch die Sehnsucht des Teilchenphysikers Leon Lederman, durch die Klarheit und Eindeutigkeit der Physik an den Ursprung der Welt zu gelangen. Ihm ist der metaphysische Namen des Teilchens zu verdanken. Lederman ist Nobelpreisträger und schrieb einmal ein Buch, aus dessen Titel der Name stammt: "The God Particle" (deutsche Ausgabe: "Das schöpferische Teilchen"). Lederman wurde 1922 in New York geboren, seine Eltern waren russisch-jüdische Emigranten. Das "Gottesteilchen" im Buchtitel sei gar nicht Ledermans Schuld, schreibt die "Jüdische Allgemeine". Der Legende nach suchten Verlag und Autor lange erfolglos nach einem Titel für das Buch, bis Lederman scherzhaft vorschlug, es doch einfach "Das gottverdammte Teilchen" zu nennen.

Auch der Philosoph und Theologe Jürgen Mittelstraß äußert sich in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Stern" über das so genannte "Gottesteilchen". Er hält es für eine "ziemlich verschrobene Idee, wenn mit dieser Bezeichnung zum Ausdruck gebracht werden soll, naturwissenschaftliches Forschen könne alles, selbst Gott, erklären". Er fügt hinzu: "Nicht nur die Medien, auch die Politik kann man mit Übertreibungen beeindrucken." Mittelstraß leitet das Zentrum für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Universität Konstanz. Er ist auch Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. (pro)

VON: js | 22.12.2011

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