Politik | 03.02.2015

Renate Künast ist gegen ein striktes Verbot von Sterbehilfevereinen

Renate Künast ist gegen ein striktes Verbot von Sterbehilfevereinen
Foto: pro

Sterbehilfe: Religion in der Kritik

Befürworter einer liberalen Sterbehilferegelung in Deutschland haben sich am Montag gegen die Dominanz religiöser Wertvorstellungen in der Debatte ausgesprochen. Unter ihnen war auch Grünenpolitikerin Renate Künast.

Bei einer Podiumsdiskussion sprach sich Künast erneut gegen eine Verschärfung der derzeitigen Rechtslage in Sachen Suizidbeihilfe aus. Ihrer Meinung nach soll auch eine organisierte Sterbehilfe unter bestimmten Voraussetzungen straffrei bleiben. Alle Vorschläge für eine striktere gesetzliche Neuregelung bedeuteten eine wesentliche Verschlechterung der Situation in Deutschland, erklärte die Politikerin. Dabei kritisierte sie unter anderem eine religiös motivierte Ablehnung der Sterbehilfe, etwa durch einige Unionspolitiker wie Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. „Eigene ethisch-moralische Kategorien“ gehörten nicht ins Strafgesetzbuch. Künast plädierte dafür, Gesetze „in einem säkularen Land“ nicht von religiös begründeten Wertvorstellungen abhängig zu machen.

„Das Problem ist immer die Religion“

Über die erlaubte Suizidbeihilfe in den Niederlanden berichtete der Präsident des Sterbehilfe-Dachverbandes „Right to Die Europe“, Aycke Smook. Es habe Fortschritte und gesetzliche Regelungen im Zusammenhang mit dem Thema Sterbehilfe immer nur dann gegeben, „wenn keine religiösen Parteien an der Regierung beteiligt waren“. Spontanen Beifall erhielt der Niederländer für seine Aussage: „Das Problem ist immer die Religion“.

Der Geschäftsführer des Schweizer Sterbehilfevereins „Exit“, Bernhard Sutter, sieht den gesellschaftlichen Wandel als Grund dafür, dass eine Mehrheit der Schweizer für eine Freigabe der Suizidbeihilfe stimmte. Die Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg seien es gewohnt, selbstbestimmt zu leben und wollten am Ende ihres Lebens „keinen Arzt oder Pfarrer um Erlaubnis bitten müssen“. Selbsthilfevereine seien auch deshalb notwendig, weil Ärzten oft Zeit und Wissen für eine ausführliche Beratung Suizidaler fehlten. Angehörige seien im Normalfall zu sehr emotional belastet, um Leidenden zu helfen.

Der bekannte Sterbehelfer und Arzt Uwe-Christian Arnold warf Krankenhäusern Profitgier vor. Patienten würden aus finanziellen Gründen künstlich am Leben gehalten, anstatt sie in Würde sterben zu lassen. Auch im Falle einer gesetzlichen Erlaubnis sogenannter Sterbehilfevereine müssten Vorkehrungen getroffen werden, um deren Streben nach Gewinn zu minimieren, wie es etwa im US-Bundestaat Oregon der Fall sei. Dort hatte sich im vergangenen Jahr die Krebspatientin Brittany Maynard mit ärztlicher Hilfe das Leben genommen.

Zur Debatte eingeladen hatten die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben, die humanistische Giordano-Bruno-Stiftung und der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten. Der Deutsche Bundestag will im Laufe des Jahres über eine Regelung der Suizidbeihilfe abstimmen. (pro)

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