Politik | 22.09.2014

(v.l.) Rolf Schieder und Wolfgang Thierse (SPD) sprachen über die Lage der Religionsgemeinschaften in der deutschen Gesellschaft

(v.l.) Rolf Schieder und Wolfgang Thierse (SPD) sprachen über die Lage der Religionsgemeinschaften in der deutschen Gesellschaft
Foto: pro

(v.l.) Peter Jörgensen, Lisi Maier, Kerstin Griese, Tuba Isik, Gesa Ederberg und Markus Gutfleisch berichteten, wie ihre Gaubensgemeinschaften in der Gesellschaft agieren

(v.l.) Peter Jörgensen, Lisi Maier, Kerstin Griese, Tuba Isik, Gesa Ederberg und Markus Gutfleisch berichteten, wie ihre Gaubensgemeinschaften in der Gesellschaft agieren
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Religiöse kämpfen gegen Vorurteile

In der Gesellschaft wird die Rolle der Religion zunehmend in Frage gestellt. Das haben Vertreter verschiedener Glaubensrichtungen am Montag bei einer Tagung in Berlin erklärt. Muslime, Protestanten, Katholiken, Juden und Freikirchler riefen ihre Glaubensgeschwister deshalb zu mehr gesellschaftlichem Engagement auf.

In der Gesellschaft gären antireligiöse Vorurteile. Das erklärte der evangelische Theologe Rolf Schieder von der Humboldt-Universität zu Berlin bei der Tagung „Religion ist (nicht) Privatsache“ der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Die Beschneidungsdebatte vor zwei Jahren habe ein „enormes Unverständnis“ für religiöse Rituale offenbart. Es herrsche ein „grundlegendes kulturelles Unbehagen“ in Fragen des Glaubens vor. „Religionskonflikte werden zu einem Kulturkampf“, folgerte Schieder. Er kritisierte einen Mangel an religiöser Selbständigkeit in Deutschland. Der Staat kümmere sich in Form des Religionsunterrichts sogar um die religiöse Erziehung. Schieder wünscht sich deshalb eine „Selbstaktivierung der Gläubigen“.

Wie die Vertreter einzelner Religionen ihre Rolle in der Gesellschaft sehen, zeigte eine Interviewrunde mit Vertretern von Katholiken, Juden, Muslimen und evangelischen Christen. Die Rabbinerin Gesa Ederberg erklärte, sie habe sich während der Beschneidungsdebatte geradezu „hilflos“ gefühlt. Die Ablehnung des jüdischen Glaubens habe sie als radikal wahrgenommen. Lobend hob sie die „große christliche Solidarität“ mit den Juden in Deutschland hervor.

Homosexualität: Evangelikale und Freikirchen trennen

Markus Gutfleisch vom Verein „Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche“ berichtete, viele Schwule und Lesben hätten sich von der Kirche abgewandt, weil sie dort Verletzungen erfahren hätten. Doch auch unter Homosexuellen gebe es viele, „die die Suche nach Sinn wichtig finden“. Er rief die Kirchen zu „verbaler Abrüstung“ auf. Alle Aussagen, die Homosexuelle öffentlich verächtlich machten, seien von offizieller Seite zu vermeiden, forderte er. Kirchenvertreter lud er dazu ein, auf Schwule und Lesben zuzugehen. „Religion kann helfen, Menschen frei zu machen“, betonte der Katholik.

Gegen eine Vermischung der politischen Position von Evangelikalen und Freikirchen sprach sich Peter Jörgensen, Beauftragter der Vereinigung Evangelischer Freikirchen, aus. Dies betreffe besonders die theologische Positionierung zum Thema Homosexualität. Viele Freikirchler verstünden sich nicht als Evangelikale, etwa im baptistischen Bereich, und teilten damit auch nicht deren kritische Haltung zur Homosexualität. Er wünsche sich, dass mehr Menschen in Freikirchen politisch aktiv würden und damit auch Verantwortung in ihrem Umfeld trügen. Es müsse normal sein, sich in der Gesellschaft über den Glauben zu unterhalten und sprachfähig die eigene Religion zu erklären, statt verschämt auf Anfragen zu reagieren.

Gemeinsam gegen Laizismus und Terrorismus

Tuba Isik, die Sprecherin des Abreitskreises Muslimischer Sozialdemokrat_innen, zeigte sich fassungslos, hinsichtlich der Gewalt islamischer Terroristen im Irak. Sie sprach sich dagegen aus, dieses Problem mit der Formel abzutun, dies habe nichts mit dem Islam zu tun. Stattdessen müssten theologisch neue Wege, die der Islam derzeit zum Beispiel in Deutschland gehe, intensiv politisch begleitet werden. Besorgt über wachsende laizistische Strömungen in der Gesellschaft zeigte sich Lisi Maier, die Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend. Die Rolle der Religion im öffentlichen Raum werde immer stärker hinterfragt. Umso wichtiger sei es, dass sich die Kirche ebenfalls öffentlich äußerten. (pro)

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