Pädagogik | 15.02.2016

Rüdiger Gebhardt ist Rektor der CVJM-Hochschule in Kassel

Rüdiger Gebhardt ist Rektor der CVJM-Hochschule in Kassel
Foto: pro/Nicolai Franz

Neuer Lehrstuhl „Migration, Integration und Interkulturalität“ an CVJM-Hochschule

Die massive Zuwanderung zwingt in Deutschland Politiker und Gesellschaft dazu, sich vordringlich Fragen kurzfristiger Hilfsmaßnahmen zu widmen. Ein Lehrstuhl an einer christlichen Hochschule will sich längerfristigen Ansätzen zuwenden und Helfer qualifizieren. Die Finanzen dazu stellt ein Unternehmer zur Verfügung.

Der neue Lehrstuhl „Migration, Integration und Interkulturalität“ an der CVJM-Hochschule in Kassel will untersuchen, wie sich die Migration langfristig auf unsere Gesellschaft auswirkt, und zeigen, wie Haupt- und Ehrenamtliche bei der Integration von Flüchtlingen qualifiziert helfen können. Das hat die Hochschule auf Anfrage mitgeteilt. Mit der Professur wird sie ihr Angebot im Bereich „Soziale Arbeit“ weiter ausbauen.

Einen entsprechenden Kooperationsvertrag hat die Hochschule mit dem mittelhessischen Unternehmer Friedhelm Loh vereinbart, der für die Dauer von zunächst drei Jahren den Aufbau des Lehrstuhls finanzieren will. Mit dem Start der Professur sollen dann auch Fort- und Weiterbildungsangebote mit auf den Weg gebracht werden, die haupt- und ehrenamtlich Tätige für den Bereich Integration qualifizieren.

Der Fokus im neuen Studienschwerpunkt soll dann auf dem interkulturellen Lernen liegen: „Die Integration von Menschen, die bei uns Schutz und eine neue Heimat suchen, wird uns in den kommenden Jahren stark herausfordern“, erklärte Rüdiger Gebhardt, Rektor der Hochschule in Kassel, gegenüber pro. „Sie wird auch die Soziale Arbeit verändern. Wir brauchen Expertinnen und Experten für die Lebenswelten von Migranten, für interkulturelle Begegnungen und interreligiöse Gespräche.“

Wo Christen jetzt gefragt sind

Die CVJM-Hochschule wolle mithelfen, solche Experten aus- und weiterzubilden. Dies sei durch die großzügige Unterstützung von Friedhelm Loh und der Stiftung Wertestarter möglich. Der künftige Stelleninhaber soll sich der Thematik auf christlichem Fundament nähern: „Zu den christlichen Werten gehören auch Respekt vor anderen und Gastfreundschaft. Vor diesem Hintergrund sind wir als Christen gefragt, uns in der gegenwärtigen Situation mit Wort und Tat einzubringen“, sagt Gebhardt. Dabei sollen auch solche Themen behandelt werden, die durch die Migration aus dem muslimisch geprägten Kulturraum auf die christliche Jugendarbeit, die christlichen Gemeinden, die Diakonie und die Bildungssysteme in Deutschland erwachsen. Zur Untersuchung der Auswirkungen der Migration auf das kirchliche und soziale Leben beabsichtigt die CVJM-Hochschule ihrerseits eine Zusammenarbeit mit der Universität Greifswald. Dort forscht der Theologe Michael Herbst auf diesem Gebiet.

Die Stiftung für Christliche Wertebildung mit Sitz in Berlin hat alle Kooperationspartner zusammengeführt und an einen Tisch gebracht. Der Vorsitzende des Stiftungsvorstandes, Hartmut Hühnerbein, erklärte: „Wenn jetzt aus der arabischen Welt massiv Menschen zu uns kommen, wird das unsere Gesellschaft verändern. Die Frage ist: Mauern wir uns ein und wehren diese Veränderungsprozesse ab, oder sagen wir: ‚Ja, wir wollen einen Weg finden, wie es gut miteinander geht.‘? Friedhelm Loh befürworte einen Ansatz, der zu einem gedeihlichen Miteinander führt. Das möchte er unterstützen.“

Loh sieht in der Qualifikation von haupt- und ehrenamtlich Tätigen, die bei der Integration von Flüchtlingen helfen, eine Verpflichtung. „Wenn jemand ein ehrenamtliches Herz hat, dann ist das eine gute Motivation. Aber das alleine reicht nicht aus“, erklärte der Unternehmer. Wer sich als Feuerwehrmann bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiere, durchlaufe ein solide Ausbildung, bevor er am Einsatz teilnehmen dürfe. „Helfer müssen richtig geschult werden. Ehrenamtliches Engagement in der interkulturellen Arbeit benötigt eben auch Schulung“. Das fange mit den simpelsten Kulturtechniken an. „Gebe ich einer Frau, die aus einem anderen religiösen Kulturkreis kommt, die Hand? Oder ist das bereits ein Eingriff in ihre Persönlichkeit?“

Die drei Säulen unserer Werte

Was den Unternehmer und Christ stört ist, dass viele Christen aus der arabischen Welt auch hier in Deutschland Repressalien ihrer muslimischen Landsleute ausgesetzt seien. „Das allein zu beklagen, bringt uns keinen Schritt weiter“, sagte Loh. Hühnerbein sieht in dem Problem eine Bildungsherausforderung: „Wir müssen anfangen, Modelle und Wege zu finden, die unsere freiheitlich demokratische Gesellschaft, die freie Ausübung der Religion, vermitteln.“

Es geht den Kooperationspartner auch darum, die demokratischen Grundwerte zu vermitteln. Den Begriff der Leitkultur möchte Hühnerbein in dem Zusammenhang nicht gerne benutzen. „Der ist in einer politischen Diskussion leider in Misskredit geraten“, sagte er. „Die christlich-abendländische Kultur in der wir leben hat drei Säulen. Einmal die griechische Philosophie, dann das römische Recht, und eben auch den christlich-jüdischen Glaube“. Wenn die Menschen hier christlich-abendländische Kultur hörten, sähen sie nur den christlichen Glauben und nicht das Ganze. „Wenn eine dieser Säulen Schaden nimmt, bricht die ganze Kultur in sich zusammen“, sagte Hühnerbein. Für die griechische Kultur und für das Recht ließen sich immer Menschen finden, die sich für deren Aufrechterhaltung einsetzten. „Bei den christlichen Werten ist das anders. In diesem Sinne muss die christliche-jüdische Tradition zur Einordnung und Würdigung unserer Kultur eben auch berücksichtigt werden.“ (pro)

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