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Pädagogik

Immer mehr Kinder nehmen Psychopharmaka

Hyperaktive Kinder gelten schnell als ADHS-krank. Zu schnell, finden Experten. Die "Welt am Sonntag" widmet sich aktuell in einer Titelgeschichte dem Phänomen Zappelphilipp und stellt fest: Viele Therapeuten verschreiben Kindern zu schnell Psychopharmaka.


Immer mehr Kinder nehmen Psychopharmaka. Einer Studie der "Techniker Krankenkasse" zufolge hat zum Beispiel die Zahl der dort versicherten Kinder, die den Wirkstoff Methylphenidat verschrieben bekommen, seit 2006 um ein Drittel zugenommen. Auch Antidepressiva würden schneller verordnet. Der Vorstand der Bundestherapeutenkammer, Peter Lehndorfer, sagt der "Welt am Sonntag": "Die Diagnose ADHS wird häufig zu schnell gestellt", und weiter: "Ritalin und andere Psychopharmaka werden oft zu schnell verschrieben." Den Grund dafür sieht Lehndorfer in einem Mangel an Psychotherapeuten in Deutschland. Lange Wartezeiten und schnelle Fehldiagnosen seien die Folge.

ADHS ist die Abkürzung für die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung. In Deutschland sind rund 500.000 Kinder und Jugendliche davon betroffen. Ihnen fällt es oft schwer, sich zu konzentrieren, sie können nur schlecht stillhalten und sind deshalb häufig Störer im Schulunterricht. Mindestens jede siebte ADHS-Diagnose soll falsch sein, schreibt die "Welt am Sonntag". Gründe für eine Erkrankung sehen Experten in einer Reizüberflutung der Kinder, etwa durch zu viel Medienkonsum und zu wenig Bewegung. Brüchige Familienverhältnisse können das Syndrom ebenso fördern, wie eine Überbehütung durch die Eltern. So sagt der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther: "Eigentlich befinden wir uns seit einigen Jahren zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte in einer Phase, in der Kinder nicht mehr gebraucht werden." Früher hätten sie ihren Beitrag zum Leben der Familie leisten müssen, hätten etwa beim Holzsammeln oder Kochen geholfen. Heute bemühten sich die Eltern häufig, ihre Kinder so gut wie möglich zu unterhalten, was sie zu "Entertainment-Junkies" mache. Kinder würden irgendwann abhängig von dem Gefühl, dauernd Aufmerksamkeit zu bekommen.

Gerade das Medikament Ritalin, das häufig bei ADHS verschrieben werde, habe weitreichende Nebenwirkungen. Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Kopf- und Bauchschmerzen, Ängste oder Bluthochdruck könnten die Folge der Einnahme sein. Zudem bremse das Medikament den Impuls, etwas Unerlaubtes zu tun, etwa, im Unterricht zu stören. Hüther findet: Dadurch werden Kinder der Möglichkeit beraubt, zu erfahren, wie schön es ist, Selbstdisziplin zu haben. (pro)



VON: aw | 24.06.2012

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Kommentare [2] >>>

  • solrex | 29.06.2012 14:06:58

    "Immer mehr Kinder nehmen Psychopharmaka." Diese Zeile ist so nicht richtig! Die Kinder werden zwangsweise mit Psychopharmaka ruhig gestellt. Verantwortlich dafür sind Ärzte und Eltern, welche diese Medikamente den betroffenen Kindern verabreichen. Ein zuwenig an Zuwendung, Bewegungsmangel und auch Kitas könnten mit eine Ursache für die Symptome der Kinder sein.

  • beobachter | 24.06.2012 18:55:58

    netter versuch bei adhs z.b. ist die verteilung ineuropa extrem unterschiedlich genauso wie in den usa. es gibt da quasi schwerpunkte wo zufällig alle fälle gehäuft vorkommen, komisch oder? interessant ist auch eine studie die aufgezeigt hat das bei gleichen symptomen jungs für krank erklärt werden und mädchen nicht. kann es nicht sein das die erzieher schlicht keine zeit haben sich mit einem kind auseinanderzusetzen das mehr zeit braucht oder keine lust sind ja nur jungs/männer. aber fremdbetreuung ist ja besser als die eigenen eltern.... dazu passen dann auch die erheblich schlechteren noten und abschlüsse für knaben. oder schauen sie doch mal bewusst werbung an wie männer dargestellt werden.

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