Schröder: "Internet nicht einseitig als Gefahrenzone sehen"
Das Internet lehrt Jugendliche
Demokratie. Diese These vertrat Schröder am Dienstag in Berlin beim
"Medienimpuls" der Vereine "Freiwillige
Selbstkontrolle Fernsehen" (FSF) und "Freiwillige
Selbstkontrolle Multimedia-Dienstanbieter" (FSM). Bei der
Veranstaltung in der Bertelsmann Repräsentanz diskutierten Fachleute
gemeinsam mit der Ministerin über adäquate Wege zum Jugendschutz in
der modernen Mediengesellschaft. Sie wolle lieber auf mündige Nutzer
setzen, als sie zu bevormunden, sagte Schröder. Das Internet sei ein
Ort der Bildung, in dem weitgehend demokratische Prinzipien
herrschten. Deshalb seien die sogenannten "Netzgeborenen",
also jene Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist,
möglicherweise mündigere Bürger als ihre Eltern. Wenn Jüngere
sich engagieren wollten, träten sie heutzutage keiner Partei mehr
bei, sondern sie nutzten das Netz, um mitzugestalten. Schröder
plädierte deshalb dafür, das Internet nicht einseitig als Gefahrenzone zu
betrachten. "Das wird dem neuen Leitmedium nicht gerecht",
sagte sie weiter.
Das Netz: Ort der Bildung und der Intoleranz
Weil das Netz aber sowohl ein Ort der
Bildung, als auch ein Ort der Intoleranz sein könne, betonte sie
dennoch die Wichtigkeit von Jugendschutzprogrammen. Diese hätten
aber häufig noch zu große Schwachstellen. Sie hätte sich auch über
ein Zustandekommen des Jugendschutzstaatsvertrages gefreut, er sei
aber zum einen an der Darstellung in der Öffentlichkeit, zum anderen
an seinen eigenen Schwächen gescheitert. Der Staatsvertrag zum
Jugendschutz im Internet war im Dezember vom nordrhein-westfälischen
Landtag gekippt worden. Wäre der Staatsvertrag beschlossen worden,
hätten Betreiber ihre Internetseiten ab Januar 2011 auf
Altersfreigaben hin überprüfen und kennzeichnen müssen. Technische
Schutzlösungen müssten in jedem Fall durch rechtliche Regelungen
für das Internet ergänzt werden, sagte Schröder. Am wichtigsten
sei es jedoch, die Medienkompetenz der Jugendlichen und Kinder zu
fördern, und zwar "im Vertrauen darauf, dass Jugendliche dann
am besten geschützt sind, wenn sie sich selbst schützen".
Zuvor hatte der Geschäftsführer der
FSF, Joachim von Gottberg, erklärt: "Im Internet ist Kontrolle
faktisch nicht möglich." Im Gegensatz zum Kino oder der
Videothek, wo das Alter der Kunden überprüft werden könne, biete
das Internet unbegrenzten Zugang zu Filmen aller Art. "Die
Realität im Internet geht ziemlich an dem vorbei, was wir
Jugendschützer versuchen", sagte er und erklärte, es sei
"relativ unlogisch", dass Jugendschutz im Internet auf
Ablehnung stoße, er im Kino oder Fernsehen jedoch erwartet werde.
Der Rechtsanwalt Marc Liesching sagte: "Wir müssen hinnehmen,
dass Medien online allgegenwärtig und allzeit verfügbar sind",
auch jenseits der elterlichen Kontrolle. So sei es für Jugendliche
etwa möglich, "pornografische Inhalt jeder Couleur zu
bekommen". Es gelte: "Alles was irgendwo offline verfügbar
ist, ist in der Regel auch online verfügbar." (pro)
Kommentare [0] >>>
© 2005–2013 | Das Christliche Medienmagazin pro ist ein Arbeitsbereich des Christlichen Medienverbunde KEP e.V. | www.kep.de























