Pastor soll sterben – Politiker protestieren
Nur, wenn er sich vom christlichen
Glauben lossagt, könnte Nadarkhani sein Leben noch retten. So
zumindest erscheint die Lage derzeit. Wie die "Internationale
Gesellschaft für Menschenrechte" (IGFM) am Mittwoch mitteilte,
bleibt das Todesurteil gegen den Pastor auch nach einem
Wiederaufnahmeverfahren im Iran bestehen. Demnach war er am 22.
September 2010 wegen "Verbreitung nichtislamischer Lehre"
und "Abfalls vom islamischen Glauben" zum Tode durch den
Strang verurteilt worden. Im Juli dieses Jahres wurde das Urteil im
Berufungsverfahren bestätigt. Auch ein Wiederaufnahmeverfahren Ende
September wird nun wohl mit demselben Ergebnis enden.
Das am
25. September vor der 11. Kammer des zuständigen Gerichts in Gilan
wiedereröffnete Verfahren sollte untersuchen, ob Nadarkhani vor
seiner Konvertierung zum Christentum als "Muslim gelebt"
habe. Da Youcef Nadarkhani islamische Vorfahren habe, sei er somit
ein "echter Muslim", für welchen das muslimische Recht
gelte, teilte die IGFM mit. Schon in diesen Tagen könnte Nadarkhani
hingerichtet werden. Nadarkhani wäre seit Jahren der erste
Konvertit, bei dem die iranische Justiz den "Abfall vom Islam"
völlig offen als Begründung des Todesurteils nennt. Die IGFM sieht
darin einen Versuch der Behörden, die iranischen Untergrundgemeinden
noch stärker unter Druck zu setzen und betont, dass er mit seinem
Übertritt zum Christentum und seiner Pastorentätigkeit lediglich
sein Recht auf Religionsfreiheit in Anspruch genommen hat. Dieses
Recht habe auch der Iran völkervertragsrechtlich bindend anerkannt.
Nachdem sich bereits diverse deutsche Politiker und
Nichtregierungs-Organisationen für den Verurteilten stark gemacht
hatten, meldete sich am Mittwoch auch das Auswärtige Amt nochmals zu
Wort. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus
Löning (FDP), erklärte: "Der Iran hat sich völkerrechtlich
verpflichtet, religiöse Minderheiten zu achten. Dazu gehört auch
das Recht der freien Religionswahl und -ausübung. Dieses Recht
fordere ich für Youcef Nadarkhani sowie alle weiteren in Iran
aufgrund ihrer Glaubenszugehörigkeit Benachteiligten und
Verfolgten." So appelliere er an die iranischen Behörden, das
Todesurteil aufzuheben und Herrn Nadarkhani unverzüglich frei zu
lassen. "Die Bundesregierung lehnt die Todesstrafe grundsätzlich
ab. Ich fordere deshalb den Iran auf, die Todesstrafe abzuschaffen",
hieß es weiter.
Aus Protest gegen die drohende Hinrichtung hat die Bundesregierung zudem den iranischen Geschäftsträger einbestellt. Der Diplomat bekam am Donnerstag vom
Kanzleramt die "dringende" Aufforderung übermittelt, dass der Iran auf die Vollstreckung des Todesurteils gegen Pastor Youcef Nadarkhani verzichtet. Der Protest wurde nach Angaben eines Regierungssprechers im Kanzleramt dem amtierenden iranischen Geschäftsträger Mortesa Tehrani übergeben. Die Bundesregierung verwies darauf, dass sich der Iran mit der Unterzeichnung des "Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte" völkerrechtlich verpflichtet habe, auch religiöse Minderheiten zu schützen. (dpa/pro)
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Matthias H. | 30.09.2011 11:53:58
Hier kann man online eine Petition für den Pastor Unterschreiben: http://www.openpetition.de/petition/online/todesstrafe-fuer-pastor-im-iran
mickaela | 30.09.2011 01:04:41
Ja und? Alles ist bekannt und liegt auf dem Tisch. Islam bedeutet Frieden und wer das Wort erhebt ist ein? Richtig! Nazi!
Uschi | 29.09.2011 22:26:55
Habe gestern noch einmal an den Präsidenten über den Botschafter in Berlin geschrieben. Manchmal schreibt die IGFM Briefvorschläge. Das ist wichtig, denn nicht jeder weiß, wie man den iranischen Präsidenten und den Botschafter anspricht und was man überhaupt schreibt.
kritix | 29.09.2011 17:20:58
Wo bleibt die Betroffenheit und Empörung von Claudia Roth?