Attraktion: Berliner schlendern durch Bibelverse
Die "Gärten der Welt" sind
eine grüne Oase im Berliner Plattenbauviertel Marzahn. Wer mit der
S-Bahn anreist, wird kaum erwarten, dass sich zwischen
Hochhausblöcken und Schnellstraßen eines der schönsten
Erholungsgebiete der Stadt befindet. Bisher konnten Besucher unter
anderem durch einen japanischen, chinesischen oder orientalischen
Garten schlendern. Seit Freitag ist der Park um eine Attraktion
reicher. Knapp zwei Jahre dauerte die Realisierung des christlichen
Gartens. Was das Architekturbüro "relais" entworfen hat,
stellt weniger den christlichen Glauben als die Kultur des
Christentums dar.
Besucher der Anlage treten zunächst in
einen goldenen Wandelgang. Die Wände und die Decke bestehen aus
Buchstaben – und bei genauerem Hinsehen wird klar: Die Architektur
zeigt Bibelverse des Alten und Neuen Testaments, aber auch Zitate des Theologen Dietrich Bonhoeffer oder Johann Wolfgang
Goethes. Auch der Begriff "Wind of Change" verbirgt sich im
glänzenden Buchstaben-Wirrwarr.
"Am Anfang war das
Wort"
"Es geht in diesem Garten nicht um Religion,
sondern um die 2.000-jährige Geschichte des christlichen
Kulturkreises", erklärt Architektin Marianne Mommsen. Da hätten
auch Goethe und der "Wind of Change" eine Rolle gespielt,
schließlich habe sich erster in seinen Werken ausführlich mit dem
Glauben auseinandergesetzt. Letzter, der Begriff des Wandels, gehe
auf die innerdeutsche Wende zurück, bei der die Kirchen eine
maßgebliche Rolle gespielt hätten. Dennoch nehmen die Bibelworte im
Konzept den meisten Platz ein. Bei der Deutung und architektonischen
Umsetzung des christlichen Inhalts waren Theologen behilflich. Warum
gerade Buchstaben den größten Raum des christlichen Gartens
ausmachen, erklärt der Vorsitzende des Kuratoriums der Allianz
Umweltstiftung, Dieter Stolte: "In der Bibel steht 'Am Anfang
war das Wort'. Das spiegelt auch diese Anlage wider." Seine
Stiftung hat das 3,18 Millionen teure Projekt gemeinsam mit dem Land
Berlin finanziert.
In der Mitte des quadratischen Wandelgangs
finden Besucher einen Garten aus grünen und weißen Pflanzen. Wie
eine Lichtung im Buchstabenwald soll er Ruhe und Frieden darstellen.
Er ist in Kreuzform angelegt und erinnert an einen klösterlichen
Kreuzgang. Ein Brunnen in Form eines überquellenden Steins säumt
den Wegrand – ein Symbol für die Quelle des Lebens.
Ursprung
9/11
Die Idee des christlichen Gartens ist schon viele Jahre
alt. Nach den Terroranschlägen des 11. Septembers sei der Gedanke
aufgekommen, in den "Gärten der Welt" ein Symbol für das
Miteinander der Kulturen und Religionen zu errichten, erklärt Lutz
Spandau, Vorstand der Allianz Umweltstiftung. So entstand bereits im
Jahr 2005 der orientalische Garten, der den Islam symbolisieren soll.
Es sei quasi ein Muss gewesen, darauf einen christlichen Garten
folgen zu lassen. Spandau findet, die ähnliche Architektur beider
Gärten zeige: Zumindest in der Gartenkultur seien Islam und
Christentum versöhnt.
Kritik an der christlichen Ausrichtung des Gartens wurde unterdessen im Verein "Freunde der Gärten der Welt" laut. Der Gründungsvorsitzende Heinrich Niemann erklärte in der Zeitung "Neues Deutschland": Es sei nicht nur seine Auffassung, dass mit dem dezidiert "christlichen" Garten das Prinzip des Erholungsparks auf der Strecke bleibe. Er solle
"nicht als Zielpunkte für religiöse Gruppen oder Zeremonielle wirken oder
gar zu einem Ort eines Panoptikums angeblicher oder tatsächlicher
Gärten weiterer Glaubensrichtungen werden." Senatorin Junge-Reyer misst der Anlage dennoch eine "besondere Bedeutung" bei: "Der
Garten soll eine Anregung zur Auseinandersetzung sein – mit uns
selbst und mit der Religion." (pro)
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SoulSurf | 05.11.2011 13:46:00
Christlicher Garten, in Gärten der Welt , Berlin Marzahn - eine spontane Betrachtung: Ich war am Sonntag, dem 30.11.2011 im oben genannten Park, um mir mal wieder die Gartenarchitektur anzuschauen und mir insbesondere den neu entstandenen Christlichen Garten neugierig und ohne weitere Vorabinformationen vor Augen zu führen. Um es gleich vorweg zu nehmen, bereits der erste Blick auf das jüngste Werk des Geländes hebt sich deutlich ab von der Gestaltung der anderen Gärten: es wurde eine moderne Interpretation des Themas gewählt, was durchaus meine Zustimmung erhält - nichts ist authentischer als eine Darstellung aus der gerade herrschenden Zeit heraus. In gewisser Weise ist man als Architekt/Künstler jedoch auch gefangen in der jeweiligen Zeit und damit in den gerade dominanten Denkweisen der Epoche und Gesellschaft. Insofern läßt die Ausführung des gerade entstandenen Gartens einige Rückschlüsse auf den gegenwärtigen Zustand unserer Kultur zu. Was zunächst am Garten auffällt, ist die Einrahmung der quadratischen Anlage durch einen Umgang. Hohe, menschliche Dimensionen übersteigende Seitenwände aus metallenen Buchstaben, die unter anderem Bibelworte zitieren, formen einen auch nach oben abgeschlossenen Käfig, durch den der Besucher einen innenliegenden Garten umrunden kann. Dieser Garten wird zentral von zwei Wegeachsen durchschnitten, wodurch vier gleichgroße Flächen entstehen. Diese Flächen sind unterschiedlich gestaltet und bepflanzt. Eines dieser Areale enthält schwarze Steinquader, über die in zarter Weise Wasser gespült wird. In der gewählten Darstellungsform wurden zunächst wichtige Elemente traditioneller christlicher Gartenarchtektur übernommen: Die Aufspannung einer Quaternität, mit den vier Paradiesströmen um ein Zentrum. Wegen Platzmangel, siehe Anschlusskommentar unten