Mit Gottes Wort in den Krieg?
Trijicon soll laut einem Mehrjahresvertrag 800.000 Zielfernrohre
für Waffen an das Militär liefern. Damit verdient das Unternehmen über 450
Millionen Euro. Das Zubehör wird derzeit an der Front benutzt. Auf diesen Zielfernrohren sollen
sich Inschriften wie 2COR4:6 oder JN 8:12 finden – Hinweise auf die
entsprechenden Bibelstellen. "ABC" will auch Referenzen auf
Verse aus der Offenbarung, dem Matthäus- und dem Johannes-Evangelium gefunden
haben. Ein "Trijicon"-Sprecher räumte derweil ein, dass die Firma
schon seit Jahren biblische Codes auf militärische Produkte stanzt. Begonnen
habe man damit vor dem Tod des Firmengründers Glyn Bindon im Jahr 2003. Dieser
sei gläubiger Christ gewesen. Falsch oder illegal sei die Praxis keinesfalls. Dennoch:
Laut dem britischen "Telegraph" ist es US-Soldaten verboten, religiöse
Botschaften in ihren islamischen Einsatzgebieten zu verbreiten.
"Die Firma sollte sich schämen"
Sprecher der amerikanischen Armee und des Marine Corps
erklärte, sie hätten nichts von den biblischen Versen gewusst. Nun müsse
diskutiert werden, ob und welche Schritte als Reaktion auf den ABC-Report unternommen
werden sollten. Die "Washington Post" zitiert den Präsidenten der
amerikanischen "Interfaith Alliance", einer Organisation, die sich
für den Dialog zwischen Politik und Religion einsetzt. Der Geistliche Welton
Gaddy erklärte: "Die Firma (Trijicon) sollte sich ihrer Taten schämen, die
weder dem Militär der Vereinigten Staaten, noch dem Christentum einen Gefallen
tun - sondern genau das Gegenteil. Botschaften des Lebens und des Friedens
sollten nicht prostituiert werden, indem man sie auf Werkzeuge druckt, die für
Tod und Krieg konstruiert wurden." Vom Verteidigungsministerium forderte
Gaddy eine Untersuchung des Falls.
Michael Weinstein, Mitarbeiter der "Military Religious
Freedom Foundation", die die Aufrechterhaltung der Religionsfreiheit im
amerikanischen Militär überwacht, erklärte laut "Telegraph": "Es
ist falsch, es verletzt eine Menge Landesgesetze. (…) Es macht es den Mudjahedin,
den Taliban, Al-Qaida und den Aufständischen und Jihadisten möglich, zu
behaupten, sie wurden von Jesus-Gewehren erschossen." Diese Bedenken teilen wohl auch die Soldaten. Der
TV-Sender "BBC" berichtet von einer E-Mail, die die "Military
Religious Freedom Foundation" erhalten habe. Darin schreibt ein
muslimischer US-Soldat über die Bibelmarkierungen: "Viele Soldaten wissen
von ihnen und sind darüber sehr verwirrt, warum sie da sind und was sie
bedeuten sollen." Die Soldaten seien darüber besorgt, dass der Feind die
Bibelzitate gegen sie benutzen könnte, sollten sie im Kampf gefangen genommen werden.
Von Evangelikalen unterwandert?
Laut "ABC"
erklärte Major John Redfield, Sprecher des amerikanischen Zentralkommandos, die
Einstanzungen seien legal: "Ich sehe da eine perfekte Parallele zu der
Erklärung auf der Rückseite unserer Dollar-Scheine 'In God we trust' (Auf Gott
vertrauen wir). Von der haben wir uns auch nicht distanziert."
Die Enthüllung hat eine Mediendebatte darüber ausgelöst,
ob christliche Botschaften im Zeichen des Krieges genutzt werden dürfen. Ein
Autor der "Washington Post" kommentiert: "Ich denke nicht, dass
Kriegswaffen das waren, was der Friedefürst im Sinn hatte, wenn er davon
sprach, den Blinden das Augenlicht zu geben." Die Zeitung fragt gar, ob
die Einstanzungen ein Beleg für den Einfluss evangelikaler Christen im
US-Militär seien. Wie ältere Medienberichte gezeigt hätten, gebe es eine "kleine
aber mächtige Bewegung christlicher Soldaten" im Offiziers-Korps, die sich
selbst nicht für radikal oder subversiv hielten, sondern für "Krieger des
Geistes" oder "von der Regierung bezahlte Missionare".
"Tijicon" will die Bibelreferenzen auch
weiterhin einstanzen. Laut "BBC" ließ die Firma verlauten: "Solange
unsere Männer und Frauen in Gefahr sind, werden wir weiterhin alles tun, was
wir können, um sie mit hochmoderner Technologie und unendlicher Unterstützung
und Gebeten einer dankbaren Nation zu versorgen." (pro)
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