Veranstaltungen | 13.02.2016

Michael Herbst rief beim Willow Leitungskongress dazu auf, Barmherzigkeit nach dem Vorbild Jesu wieder neu zu lernen

Michael Herbst rief beim Willow Leitungskongress dazu auf, Barmherzigkeit nach dem Vorbild Jesu wieder neu zu lernen
Foto: Thorsten Indra/Willow Creek

Michael Herbst: „Barmherzigkeit macht andere stark“

In Gemeinden in Deutschland müsse Barmherzigkeit nach dem Vorbild Jesu wieder neu geübt werden, besonders mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingskrise. Dazu rief Michael Herbst, Professor für Praktische Theologie an der Universität Greifswald, beim Willow Creek Leitungskongress in Hannover auf.

Barmherzigkeit sei etwas, was laut der Bibel geboten und nicht empfohlen sei, sagte Michael Herbst. Auf jeder Seite der Bibel stoße man auf Gottes Barmherzigkeit gegenüber leidenden Menschen. „Gott liebt Erbarmen. Jesus kommt als barmherziger Samariter, als der Arme, der reich macht, als der Herr der Herren“, sagte der Professor für Praktische Theologie an der Universität Greifswald.

Die Bibel zeige, dass Barmherzigkeit den freiwilligen Verzicht auf maximalen Profit bedeute. Das werde deutlich, als Gott die Israeliten im Alten Testament anweise, etwas von der Ernte auf den Feldern für die Armen und Hungernden zurückzulassen. Alle biblischen Hinweise gipfelten in den Wunsch Gottes, dass „überhaupt kein Armer unter euch sein soll“.

Für Gemeinden gehe es deshalb darum, sich nicht um sich selbst zu drehen, sondern „sich selbst zu investieren und fröhlich mit anzupacken“. Menschen müssten „vor allem Barmherzigkeit spüren, wenn sie in unsere Gemeinden kommen“, fügte Herbst an. Wer Jesus folge, könne nicht am Elend vorbei gehen, ohne Erbarmen zu spüren und sich selbst zu erbarmen.

Wissen, was Menschen wirklich hilft

Wer Barmherzigkeit leben wolle, dürfe sich nicht für etwas Besseres halten als die Ärmsten der Armen. „Nur unser Ja zu geistlicher Armut kann uns helfen, den materiell Armen zu begegnen“, sagte Herbst und bezog sich damit auf die Aussage Jesu, selig seien nicht nur die materiell, sondern auch die geistlich Armen.

Beim Helfen und Erbarmen komme es darauf an, sich nicht überheblich zu verhalten. „Viele Akte von Barmherzigkeit lösen unsere Probleme und Gewissensnot, weil wir es nicht aushalten, das Leid zu sehen“, sagte Herbst. Eine weltweite Studie der Weltbank unter 60.000 materiell Armen habe jedoch gezeigt, dass die Armen sich nicht zuerst die Hilfe wünschten, die Entwicklungshelfer anböten. „Die Armen dachten zuerst an Würde, an Respekt und an Ermächtigung, das eigene Leben in die Hand zu nehmen anstatt an fließendes Wasser“. Als Helfer „müssen wir wissen, was Menschen wirklich auf die Beine hilft“. Wer wirklich helfen wolle, müsse darauf schauen, welche Gaben und Ressourcen bei den Menschen selbst vorhanden sind. Helfer sollten die Gaben der Bedürftigen „hervorlocken“. Herbst sagte: „Barmherzigkeit macht andere stark.“

Flüchtlingskrise: „Gott schickte die Welt zu uns“

Auch auf die Flüchtlingskrise nahm der Professor für Praktische Theologie Bezug. Durch die Menschen, die nach Deutschland strömten, habe Gott den Missionsbefehl auf den Kopf gestellt. „Gott schickte die Welt zu uns“, sagte Herbst. Unabhängig von allen politischen Problemen seien diese Menschen „einfach da“. Herbst ist überzeugt, dass sie „nicht nur unser Land, sondern auch unsere Kirche verändern“. Besonders die Offenheit der Menschen aus dem Iran für den christlichen Glauben sei für ihn ein Wunder Gottes. Gott öffne mit dieser Krise eine neue Tür. Die Christen seien aufgefordert, „Jesus intuitiv zu folgen.“

Trotz aller Schwierigkeiten glaube er, „dass unsere Kanzlerin Recht hatte: Wir können das schaffen. Wir sind ein reiches, großes Land, weil eine Weltgemeinschaft 1945 mit uns Erbarmen hatte“. Herbst scherzte: „Wir schaffen keinen Hauptstadtflughafen, aber das hier können wir schaffen mit preußischer Gründlichkeit.“ Dabei müsse aber klar sein, dass es ab jetzt nicht nur um das Abgeben gehe, sondern auch um das Teilen. „Das bedeutet auch, ärmer zu werden“, stellte Herbst klar.

Leo Bigger: Nicht abschotten

Ein Blick auf die aktuelle Situation in Gemeinden könne enttäuschen, „weil wir nur halbherzig dabei sind. Weil wir mit elenden Streitereien beschäftigt sind, anstatt auf die Suche nach verlorenen Menschen zu gehen“. Gott öffne mit der aktuellen Flüchtlingskrise aber nochmal eine neue Tür. Herbst rief dazu auf, diese Chance zu nutzen.

Leo Bigger, Gründer von ICF Zürich, sprach darüber, wie man gegenüber Nichtchristen einfach von Gott reden könne. „Nutze die natürlichen Beziehungen, dein eigenes Umfelds“, sagte er. Dabei komme es darauf an, sich gegenüber nicht gläubigen Freunden nicht abzuschotten, sondern gerade auf diese zuzugehen und sie einzuladen, sich selbst ein Bild von Gemeinde und christlichem Glauben zu machen. Genauso wichtig wie die persönliche Einladung sei das Gebet für Freunde und Bekannte. (pro)

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