Veranstaltungen | 05.03.2015

Der Berliner Dom präsentiert noch bis Pfingsten Kunstwerke in minimalistischer Installation,  um die  jahrhundertealte Entwicklung des religiösen Abbildungsverbotes aufzuzeigen

Der Berliner Dom präsentiert noch bis Pfingsten Kunstwerke in minimalistischer Installation, um die jahrhundertealte Entwicklung des religiösen Abbildungsverbotes aufzuzeigen
Foto: pro | Sebastian Schramm

„Du sollst dir (k)ein Bild machen“

Eine Ausstellung im Berliner Dom thematisiert das Bilderverbot im Islam, im Judentum sowie im Urchristentum. Nicht zuletzt die Anschläge von Paris und Kopenhagen machen das zu einer aktuellen Auseinandersetzung.

Noch bis Pfingsten zeigt die Ausstellung „Du sollst dir (k)ein Bild machen“ mit Kunstwerken vom 12. Jahrhundert bis heute die jahrhundertealte Entwicklung des Abbildungsverbotes. 70 Werke von fast 50 internationalen Künstlern werden in zehn wechselnden Szenen entlang des liturgischen Osterfestkreises zu sehen sein. Darunter sind auch Arbeiten von Max Beckmann oder des chinesischen Künstlers Ai Weiwei.

Neben einem Elfenbeinkruzifix aus dem zwölften Jahrhundert und Werken altmeisterlicher Kirchenkünstler sind es vor allem moderne und zeitgenössische Kunstwerke, die Kurator Alexander Ochs, Autor und Galerist in Berlin, ausgewählt hat. Das von ihm entwickelte „Ausstellungskontinuum“ verzichte bewusst auf den „Versuch einer kunsthistorischen Begründung“, heißt es in einer zur Ausstellung erschienen Zeitung. Außer dem Titel und dem Namen der Künstler erfährt der Besucher nichts über die Exponate oder die Gründe für deren Auswahl. Die Ausstellungsmacher beabsichtigen vielmehr eine „atmende“ Ausstellung, „die dem Besucher Freiheit zur Interpretation lässt.“

Erinnerung an reformatorische Bilderstürme

In ihrer Predigt zur Ausstellungseröffnung am 1. März stellte Dompredigerin Petra Zimmermann eine Verbindung her zu den jüngsten Ereignissen im Nahen Osten, wo Tausende assyrische Christen auf der Flucht vor den Kämpfern des „Islamischen Staates“ (IS) sind. Christen und andere Minderheiten gehörten nicht zum Kalifat der Radikal-Islamisten. Deshalb versuche der IS nicht nur Andersgläubige zu vernichten, sondern gleich alles, „was an sie und ihre Kultur erinnern könnte. Klöster werden abgebrannt, Museen und Bibliotheken geplündert, Kirchen gesprengt.“ Zimmermanns Brückenschlag ist auch ein Verweis auf die Bilderstürme im Namen der Religion, wie etwa in der Reformationszeit, die die Ausstellung ebenfalls zum Thema macht.

Martin Luther hatte eine Rückkehr zum Wort Gottes als alleiniger Glaubensgrundlage gefordert. Die gängige Verehrung unbiblischer Heiliger sowie die Prunksucht und Verschwendung der Kirche waren ihm ein Dorn im Auge. In der Folge waren Kunst und Zierrat weitgehend aus protestantischen Kirchen verschwunden. Calvin und Zwingli wollten die Kunst sogar ganz abschaffen und lösten damit im 16. Jahrhundert reformatorische Bilderstürme aus.

Das biblische Gebot: „Du sollst dir kein Bild und keine Skulptur machen“, dargestellt als Neonskulptur hebräischer Buchstaben, leuchtet dem Besucher beim Betreten des fast leeren Ausstellungsraumes entgegen. Für die Schau wurde das Innere der Tauf- und Traukirche des Berliner Doms bis in eine Höhe von sechs Metern mit grauen Wänden verkleidet. Von der prunkvollen Ausstattung des Doms im Neorenaissance-Stil bleibt so nur die bemalte Decke zu sehen. Es scheint fast, als wären Altar, Gemälde und Säulen verhüllt. „Ich bin sehr angetan von dem in der Ausstellung aufgegriffenen Gedanken, den Dom im Selbstwiderspruch zu zeigen“, so Petra Zimmermann, die das Projekt mit ihrem Domprediger-Kollegen Michael Kösling inhaltlich begleitet.

„Das Bild kann nicht Gott sein“

Für Juden und Christen gilt laut Kurator noch immer das Abbildungsverbot aus dem 2. Buch Mose: „Wir bilden Gott nicht ab.“ Die Ausstellung zeige Bilder von Menschen. „Solche, die von Menschen gemacht sind und solche, die Menschen zeigen.“ Zu Ochs‘ Auswahl gehören überwiegend zeitgenössische säkulare Werke, aber auch „religiöse Werke oder solche mit religiösen Aussagen, ohne dass von der sich säkular verstehenden Kunst verlangt würde, das Christentum und seine Geschichte zu bebildern.“

Mit der Ausstellung wollen die Macher eine Kunst zeigen, die nicht nur „das Lebendige in jedem Menschen anrührt“, sondern auch einen „aufrichtigen“ Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen anregt. Auch das Urchristentum habe bis ins zweite Jahrhundert hinein „kein Bild von Gott“ gehabt, so der Kurator. „Später haben wir – anders als unsere islamischen Schwestern und Brüder unser Verhältnis zum Bild geklärt, der Kunst Autonomie gegeben und wissen seither: vielleicht kann ein Bild zu Gott führen, aber: das Bild ist und kann nicht Gott sein.“

Die Ausstellung ist der Beitrag des Doms in der Luther-Dekade „Reformation – Bibel und Bild“. Alexander Ochs hatte sich bislang als Vertreter eines künstlerischen Austauschs zwischen China und Europa einen Namen gemacht. Der Dom will mit der Ausstellung „Raum für zeitgemäße Impulse zu reformatorischen Anliegen und Themen“ bieten, erklärt Volker Faigle, Vorsitzender des Domkirchenkollegiums, auf der Webseite des Doms. (pro)

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