Bücher | 07.09.2015

Hüllt der Islam Europa ein? Alexander Kissler apelliert an den Westen, die eigenen Werte zu verteidigen

Hüllt der Islam Europa ein? Alexander Kissler apelliert an den Westen, die eigenen Werte zu verteidigen
Foto: Gütersloher Verlagshaus/Wikipedia

Plädoyer für echte Toleranz

Alexander Kissler hat Sorge um den Westen – weil der gegenüber dem Islam seine Prinzipien aufgebe. In seinem Buch „Keine Toleranz den Intoleranten“ hält er ein leidenschaftliches Plädoyer für Freiheit und echte Toleranz. Eine Rezension von Jonathan Steinert

Der „Westen“ ist nicht nur eine Himmelsrichtung oder eine Region. Der Westen ist ein Prinzip. Aber er droht, sich selbst von diesem auf eine geografische Größe herunterzuschrumpfen, indem er sich von seinen Werten verabschiedet. Dies ist die Ausgangslage von Alexander Kisslers Buch „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“. Dieser Titel spannt schon die Polarität auf, die Kissler in seiner Abhandlung seziert. Wem die Attribute tolerant und intolerant zukommen, gegen wen also der Westen seine Werte verteidigen muss, zeigt unmissverständlich dem, der es noch nicht ahnt, die Illustration auf dem Buchcover:

Mit Referenz auf das Gemälde „Die Geburt der Venus“ des Renaissance-Künstlers Sandro Botticelli steht da die Göttin Venus, nackt, anmutig, dennoch keusch, auf einer Muschel am Strand, während die Nymphe Flora, in eine schwarze Burka gehüllt, sich anschickt, die Schöne mit einem Tuch zu bedecken. Drastischer und mehrsagend hätte Kisslers These, hätte der Kontrast zwischen dem Westen und dem Islam kaum dargestellt werden können.

„Islamismus hat etwas mit dem Islam zu tun“

Auch wenn der erste Blick es nahelegt: Kissler liefert keine platte Polemik über den guten Westen und den bösen Islam. Das Buch ist eher ein leidenschaftliches Bekenntnis zu den Werten, die der Westen im Laufe seiner historischen und geistesgeschichtlichen Entwicklung hervorgebracht hat, ein Plädoyer für Freiheit und echte Toleranz. Dies vor dem Hintergrund des Islams, der in seiner radikalen Deutung genau diese Werte verneint, und einer westlichen Gesellschaft, die diese nach Kisslers Beobachtung aus Rücksicht auf muslimische Befindlichkeiten schrittweise aufgibt.

Anlass für Kissler, dieses Buch zu schreiben, waren die islamistischen Anschläge auf die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo und auf einen jüdischen Supermarkt in Paris im Januar dieses Jahres. „Dem Westen also und den Juden als dessen Exponenten ist der Krieg erklärt worden – nur von einer kleinen Minderheit der Muslime, aber in einem Tonfall der Rechtfertigung und der Anklage, der Brücken baut zum Mehrheitsislam“, schreibt Kissler im Vorwort.

Den militanten Islam bezeichnet er sehr konkret als „Feindbild“ und macht von vornherein und in vertiefenden Erörterungen klar, dass dieser sehr wohl etwas „mit dem Islam“ zu tun habe, anders als es manche Politiker behaupten. Genau an solchen Einlassungen nimmt der Autor Anstoß: Dass der Westen aus „Angst wie aus Bequemlichkeit“ gegenüber dem militanten Islam beschwichtigt, sich gegen Islamkritik verwahrt, statt Debatten über die Abgründe dieser Religion zu führen. „Um nichts in der Welt sollte am Bild vom friedensfähigen, friedensliebenden Islam gerüttelt werden“, resümiert Kissler die öffentlichen Reaktionen auf die Pariser Anschläge.

„Alle Menschen sind frei und gleich“

Das Buch zeigt noch an zahlreichen weiteren Beispielen, wie sich der Westen, oft in vorauseilendem Gehorsam, den Ansprüchen des Islams unterwirft: Selbstzensur islamkritischer Medieninhalte und Karnevalswagen; Wintermärkte, die nicht mehr Weihnachtsmärkte heißen dürfen; das Kopftuch muslimischer Lehrerinnen an staatlichen Schulen; Imame, die in evangelischen Gottesdiensten „Allahu akbar“ singen. Und dies alles im Namen der Toleranz. Kissler macht zudem deutlich, welch antisemitische Tendenzen sich im Islam zeigen und für wie wenig Aufregung und politische Konsequenzen solcherlei Äußerungen hervorrufen.

„Der Westen dankt ab, wo er die Symbole seiner Genese entsorgt“, mahnt Kissler. Wo diese Ursprünge des Westens als Prinzip liegen, leitet der Autor in gründlichen Analysen her: von der griechischen Demokratie, dem römischen Recht, dem jüdisch-christlichen Monotheismus, der Trennung von Kirche und Staat, über die Philosophen Voltaire und John Locke bis zur Erklärung der Menschenrechte, der französischen Revolution und der amerikanischen Unabhängigkeit.

Das westliche Prinzip heiße Freiheit und beruhe auf der Annahme, dass alle Menschen „frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ sind, wie es in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte heißt. Kissler legt dar, dass dieses Prinzip mit dem Islam nur schwerlich zu vereinbaren sei. Zwar gebe es auch islamische Menschenrechtserklärungen. Allerdings würden diese Rechte dort immer an den muslimischen Glauben gebunden und nicht universell verstanden.

Toleranz braucht Haltung

Der Westen müsse von der Überzeugung getragen sein, dass die Freiheit der Menschen, dieser zentrale westliche Wert, allen Menschen diene. Nur dann sei der Westen in der Lage, Haltung zu bewahren und seine Werte auch „im eigenen Haus“ zu verteidigen. Er müsse wieder auskunftsfähig werden über seine Herkunft und die ihm innewohnenden Freiheiten des Glaubens, der Meinung, der Kunst, der Kritik. Die „Wertschätzung des Vielgestaltigen“, der Wettbewerb der Ideen, sei entscheidend für das westliche Prinzip. Mit dem Islam und dem Westen prallten „zwei Weltanschauungen mit stark unterschiedlicher Konfliktbereitschaft“ aufeinander. Wenn Terroristen, die sich auf den Islam als Rechtfertigungsgrundlage beziehen, die westliche Welt mit Anschlägen heimsuchen und Andersglaubenden das Leben nehmen, seien „eine wehrhafte Demokratie und eine offensive Toleranz, der Mut, Nein zu sagen“ gefragt.

Kissler hält in seinem Buch nicht zurück mit seiner Sorge darüber, ob der Westen sich seiner selbst tatsächlich wieder besinnen wird. Und ebenso deutlich kritisiert er, wie Politik und Kirchen gegenüber dem Islam Haltung vermissen lassen; dass Toleranz dabei eher einer Gleichgültigkeit gleichkommt statt einem Wettbewerb klarer Standpunkte und dem Dulden einer fremden Meinung.

Kisslers Plädoyer für die Freiheit und Toleranz legt frei, wie wertvoll die westlichen Werte sind und warum es sich lohnt, sie zu verteidigen. Mit seinem Fokus auf den Islam als Gegenpol zum westlichen Prinzip gerät aus dem Blick, dass der Westen auch in anderen gesellschaftlichen Debatten politische Korrektheit oft mit Toleranz verwechselt und dies obendrein als Errungenschaft feiert. Umso wichtiger ist Kisslers Appell, für Freiheit und echte Toleranz aufzustehen. (pro)

Alexander Kissler: „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“, 184 Seiten, Gütersloher Verlagshaus, 17,99 Euro, ISBN 9783579070988

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