Kommentar | 07.01.2016

Massenhaft kriminelle und sexuelle Übergriffe zu Silvester haben eine Diskussion über Ausländerkriminalität und die Berichterstattung darüber ausgelöst

Massenhaft kriminelle und sexuelle Übergriffe zu Silvester haben eine Diskussion über Ausländerkriminalität und die Berichterstattung darüber ausgelöst
Foto: Sascha Kohlmann, flickr | CC BY-SA 2.0

Wider den Rassismusvorwurf

Systematische kriminelle und sexuelle Übergriffe wie zu Silvester in Köln verstören und empören. Spielt die Herkunft der Täter eine Rolle? Offenbar ja. Das zu benennen, ist nicht rassistisch, sondern notwendig. Ein Kommentar von Jonathan Steinert

Sexuelle Belästigung, Vergewaltigung, Diebstahl – mehr als 120 Anzeigen gingen wegen der Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht bei der Polizei ein. Ähnliche Vorfälle werden unter anderem aus Hamburg und Stuttgart gemeldet. Opfer waren vor allem junge Frauen. Die Systematik, mit der die Täter dabei vorgingen, ist erschreckend. Die Hilflosigkeit der Polizei auch, wie unter anderem dieser Bericht der Tageszeitung Die Welt zeigt. Viele Vorwürfe, Schuldzuweisungen, Forderungen und Kritik wurden in den vergangenen Tagen laut: Medien hätten zu spät und beschwichtigend berichtet, die Polizei sei schlecht aufgestellt gewesen und habe das Ausmaß im Nachhinein vetuscht, die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung ein Weg in den Abgrund.

Mehr noch als das Problem der sexuellen Gewalt gegen Frauen wurde von Anfang an die Frage diskutiert: Was bedeutet es, dass die Täter arabisch und nordafrikanisch aussahen? Und: Dürfen Medien die Herkunft der mutmaßlichen Täter nennen? Wer dies tut, holt sich schnell den oft reflexartigen Vorwurf des Rassismus ein.

Der Pressekodex enthält eine Klausel, nach der die Ethnie oder Religion von Tätern in der Berichterstattung nur erwähnt werden soll, wenn zur Tat „ein begründbarer Sachbezug besteht“. Das ist eine Errungenschaft und ein kostbares Gut unserer Werte, dass auch Kriminellen dieser Persönlichkeitsschutz gewährt und pauschalen Urteilen gegenüber einer Personengruppe vorgebeugt wird. Nur zu leicht überträgt man das Bild des kriminellen Ausländers auf Migranten im Allgemeinen.

Herkunft auszublenden ist fahrlässig

Diese Gefahr besteht auch nach Köln. Zudem entspricht es dem Wunsch, eindeutige und einfache Antworten auf komplexe Fragen zu bekommen – die es in diesem Fall aber nicht geben wird. Es ist problematisch, allein vom Aussehen der mutmaßlichen Täter auf die Verfehlungen der Asylpolitik zu schließen, solange die Täter weder identifiziert noch gefasst sind. Doch die meisten werden den Behörden ohnehin unbekannt bleiben. Dafür waren es zu viele.

Trotzdem wäre es fahrlässig, hier die Herkunft der Täter auszublenden. Die übereinstimmenden Aussagen von Betroffenen und Polizisten, dass es sich vor allem um junge Männer mit nordafrikanischem und arabischem Aussehen handelte, mehren sich. Einsatzkräfte berichten von Syrern, Afghanen und anderen Asylbewerbern. Das ist einer der wenigen Hinweise auf ihre Identität – und ein Merkmal, das offensichtlich eine Vielzahl der Täter von Köln und anderen Städten gemein haben. Ein „begründbarer Sachbezug“ ist damit gegeben.

Das Ausmaß und die Systematik hinter den Vorfällen zu Silvester zeigen zudem, dass nicht jeder Migrant, der in Deutschland lebt, sich für unsere Wertvorstellungen interessiert. Das verdeutlicht, wo auch im Hinblick auf die Flüchtlinge in Deutschland die größten Herausforderungen und Schwierigkeiten zu erwarten sind. Insofern ist es nicht rassistisch, wenn Journalisten hier die Herkunft der mutmaßlichen Täter nennen. Es ist ihre Verantwortung, es zu tun, weil es unsere Gesellschaft im Kern betrifft. (pro)

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