Kommentar | 03.03.2016

Volker Beck soll in Berlin 0,6 Gramm der Droge Crystal Meth erworben haben

Volker Beck soll in Berlin 0,6 Gramm der Droge Crystal Meth erworben haben
Foto: Angelika Kohlmeier

Schadenfreude über Volker Beck ist unangebracht

Obwohl konservative Christen oft anderer Meinung sind als Volker Beck, ist Häme über dessen Rücktritt unangebracht. Diesen Anstand darf man in anderen Fällen auch von Linken einfordern, die Beck nun verteidigen. Ein Kommentar von Moritz Breckner

Volker Beck ist ein grüner Moralapostel, der einem gehörig auf die Nerven gehen kann – das schreiben am Donnerstag die Süddeutsche Zeitung und Spiegel Online, nachdem Beck mit Drogen erwischt wurde und deswegen seine Ämter als innen- und religionspolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion zur Verfügung stellte. Viele konservative Christen haben Beck in den vergangenen Jahren nicht nur als Nervensäge, sondern als Gegner empfunden, und dafür gibt es berechtigte Gründe. Angesichts wachsender Freikirchen warnte Beck in einer Talkshow vor „amerikanischen Verhältnissen“. Als auf dem Jugendevent „Christival“ 2008 auch Seelsorge für Homosexuelle stattfinden sollte, die eine Veränderung ihrer Orientierung wünschen, forderte Beck ein Verbot derartiger Angebote. Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Michael Diener, warf Beck deswegen 2013 vor, Feindbilder aufzubauen, die nicht der Wirklichkeit entsprächen. Beck fordert die Streichung des „Gotteslästerungsparagraphen“ im Strafgesetzbuch, in den 80er Jahren argumentierte er für die Entkriminalisierung der Pädosexualität, was er später bereute und wofür er sich im pro-Interview entschuldigte.

Nicht übersehen werden sollte, dass auch Christen Beck einiges zugutehalten können. Im pro-Interview 2014 erklärte er, selbst Christ zu sein und Evangelikalen wie Katholiken beispielsweise bei bioethischen Fragen nahezustehen. Beck war außerdem Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe im Bundestag, engagierte sich leidenschaftlich für Israel. 2011 demontierte er in einer denkwürdigen Rede die Linkspartei für ihre antisemitischen Tendenzen. Beck setzte sich für die weltweite Religionsfreiheit und somit für verfolgte Christen ein – auch wenn er 2011 das Engagement der CDU bei diesem Thema als zynisch und wahltaktisch kritisierte.

Weniger Häme – bitte auch für CDU, FDP und AfD!

Es ist beruhigend, dass viele Christen nicht mit Genugtuung und Schadenfreude, sondern zurückhaltend auf Becks Rücktritt und die Drogenvorwürfe gegen ihn reagiert haben. Der Pastor einer Freikirche in Bochum formulierte es bei Facebook so: „Ich habe immer gedacht, ich würde mich über den Tag freuen, an dem Volker Beck zurücktreten wird. Um ehrlich zu sein empfinde ich heute tiefes Mitgefühl. Bleibt nur zur hoffen, dass die ‚christliche Welt‘ mit Barmherzigkeit und in Liebe reagiert.“

Hinter Becks mutmaßlichem Drogenkauf steht vermutlich ein menschliches Drama. Bei allen inhaltlichen Meinungsverschiedenheiten ist Häme deswegen unangebracht. Eines sei jedoch ergänzt und an diejenigen aus Becks politischem Spektrum gerichtet, die ihn nun verteidigen: Häme und Schadenfreude sind nicht nur in diesem Fall unpassend.

Auch beim nächsten CDU-Skandal, der nächsten FDP-Blamage oder bei der nächsten Torte, die eine AfD-Politikerin ins Gesicht bekommt, sollte man sich ein gewisses Maß an Anstand bewahren. (pro)

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